"Ich wollte etwas Bodenständiges und gleichzeitig etwas Besonderes abliefern", sagt Max Mutzke über den Rohling des "Phönikks". Er ist das Maskottchen der gleichnamigen Hamburger Stiftung, die sich der Angehörigen von Krebskranken annimmt. Singen sollte Mutzke bei der Gala zum 30-jährigen Bestehen der Stiftung. Und wie 30 andere Prominente auch die gestaltete Holzfigur zur Versteigerung für den guten Zweck mitbringen. Erwartet wurden unter anderem Phönikks-Figuren von Udo Lindenberg, Otto Waalkes oder auch dem Künstler Daniel Richter, dessen Bilder zu Höchstpreisen gehandelt werden, wie der Grafenhausener Holzbildhauer Simon Stiegeler respektvoll beteuert.

Stiegeler wiederum hatte Mutzkes Weg schon einige Male gekreuzt. Und er ist dem bekannten Musiker, der in Krenkingen aufgewachsen ist, gleich als Gestaltungspartner für seinen Phönikks eingefallen. Also machte er sich auf den Weg in Grafenhausener Schwarzwaldhöhen. "Beim Brainstorming hat es sofort gerattert", berichtet Mutzke, der noch heute vom Entstehungsprozess des Phönikks begeistert ist. Als unverkennbare Schwarzwald-Reminiszenz bekam er einen Bollenhut auf. Zu des Künstlers Handschrift passen die Flügel, die bei dem Engelfreund auch bei metergroßen Skulpturen zu finden sind. Stahlboden und Haltestange, die den Schwarzwald-Phönikks schweben lassen, schweißte Max Mutzke selbst zusammen. Den Schwarzwälder Bergsockel durfte er aus Holz formen und die gesamte Farbgestaltung stammt, wie in Stiegelers Werkstatt üblich, von dessen Frau Lilli.

"Wir sind immer offen für Neues und so ziehen wir lustiger Weise immer spezielle Geschichten an", sagt Künstler Simon Stiegeler in seiner gewohnt gelassenen Art. So käme er auch zu Projekten, die nicht stringent zu seiner künstlerischen Handschrift passen. "Uns macht das aber Freude, man nimmt überall etwas mit", sagt er. Vermehrt ist er wohl nach solchen Anstößen eher alleine in seiner Werkstatt, denn für Max Mutzke hat er ein Sonderlob im Köcher: "Dass eine solche Person ständig aufkreuzt und mitmacht, ist nicht so typisch", meint er schmunzelnd.

Alle habe jedenfalls eine Euphorie erfasst, die nicht hier im Schwarzwald aufgehört hat. Mit dem fertigen Phönikks ging es dann nämlich nach Hamburg. "Wir waren zum 40. Geburtstag von Simon dort und ich war da schon total geflasht von der Stadt", schwärmt Lilli Stiegler. Als dann bei diesem zweiten Hamburg-Besuch der Stiegelers in kurzem Abstand, das Grafenhausener Flügelwesen auf der Phönikks-Gala auch noch mit 4000 Euro den zweitbesten Preis erzielt hatte, nach Udo Lindenbergs und Daniel Richters Figur (je 6000 Euro), war das Glück perfekt. "Es haben alle nur gewonnen", meint Lilli Stiegeler. Sie alle hätten Kinder und könnten nachvollziehen wie schwierig es ist, damit umzugehen, wenn, je nach Perspektive, Kind, Partner, Elternteil oder ein Geschwister durch Krebs gefährdet ist oder stirbt. "Also haben wir für den Zweck total gerne geholfen, wir hatten beim Entstehen einen Riesenspaß und Erfolg mit unserem Phönikks."


 

"Ich mache sehr viele handwerkliche Dinge"

Max Mutzke, man kennt man als Musiker. Als Holzbildhauer ist er bisher nicht in Erscheinung getreten. Das hat sich nun geändert.

Herr Mutzke, wie kommen Sie dazu, mit ihrem Bildhauerfreund Simon Stiegeler einen Phönikks zu machen?

Bei dem Hamburger Projekt Phönikks geht es um die Unterstützung von Familien, in denen jemand an Krebs erkrankt ist. Das finde ich total interessant, weil es mir nie bewusst war, dass Kinder, die einen Elternteil verlieren oder ein Geschwisterchen, nie unterstützt wurden. Diese Organisation macht das seit 30 Jahren. Aus dem Anlass haben sie eine riesige Jubiläumsveranstaltung geplant und da sollte ich spielen.

Und wie kam es dann zur gemeinsamen Phönikks-Skulptur?

Die Organisatoren haben an viele Prominente ihr Maskottchen als rohe Holzfigur geschickt, mit der Maßgabe, die zu gestalten, für eine Wohltätigkeits-Versteigerung bei der Gala. Simon und Lilli Stiegeler hatte ich bei der Late Night Show bei Pierre M. Krause kennengelernt. Damals fand ich die beiden schon cool. Als ich nun diesen Rohling bekam, ist mir sofort klar gewesen, – ich male den sicher nicht mit Filzstift an. Das würde bei mir aussehen, wie von einem Zweitklässler. Also bin ich hier hochgefahren und wir haben uns gemeinsam Gedanken gemacht, wie wir das gestalten könnten.

Es gibt ja Musiker, die auch so eine Ader haben, beispielsweise Udo Lindenberg, dessen Figur bei derselben Gala auch versteigert wurde. Sie gar nicht?

Sowas nicht. Aber ich mache sehr viele handwerkliche Dinge. Dabei steht aber im Vordergrund das Praktische. Ich habe meinen Esstisch, der auf 3,20 Meter ausziehbar ist, selber gebaut. Das Holz dazu hat mein Opa geschlagen und wir haben es trocknen lassen. Ich baue meinen Lastwagen um, seit über zweieinhalb Jahren, fürs Reisen. Ich mache auch viel Holz zum Heizen. Tatsächlich ist Handwerk für mich alltäglich und das schafft auch Bodenständigkeit.

Hatten Sie da jemals Bedenken, dass Sie die Bodenständigkeit verlieren könnten?

Die letzten Jahre bin ich sehr viel unterwegs. Mein Freundeskreis hier und meine ganze Homebase sind das wichtigste. Aber es gibt auch ganz wichtige Freunde und Beziehungen außerhalb der Gegend. Das sind zwei Leben, das muss man sich eingestehen und das ist der Spagat, den man machen muss.

Was ist Ihnen mit Ihren Kindern wichtig?

Abgesehen von den Stereotypen, wie Gesundheit, ist für mich das Sinnbild von Glück: Drei Mal am Tag ein gedeckter Tisch, wo alles plappert und Witze erzählt und weint und lacht. Das Ritual gibt Geborgenheit und das kann man mit nichts kompensieren.

Sie haben musikalisch eine große Entwicklung hinter sich. Was planen Sie künftig?

Die Projekte sind ja unendlich unterschiedlich. Ich spiele mit meinem Holländischen Trio. Dann spielen wir mit vielen Big Bands. Ich spiele jetzt gerade wieder mit der SWR-Bigband, dann spielen wir mit der NDR-Radiophilharmonie, da sind 80 Leute auf der Bühne. Das ist ein großes klassisches Konzert und das mega-ehrenvolle ist, dass das alles meine Songs sind. Ich spiele mit einem unfassbar guten Jazz-Trio, das ist richtig krass. Das sind Wolfgang Haffner, Frank Chastenier und Christian von Kaphengst. Das nächste, was wir machen, ist die Veröffentlichung des Albums im Oktober mit dem NDR Radio Philharmonie Orchester. (gud)