Die Fasnachtsgesänge waren noch nicht verklungen, da stellte Bürgermeister Christian Behringer mit Stolz die neuen Pächter der Gastronomie im Schwarzwaldhaus der Sinne in Grafenhausen vor: Marlies (66) und Wolfgang Gampp (65).

Neu mit ihnen ist nicht nur der Name, denn aus dem Bistrot wurde das Café „Wunderfitz“. Auch ist Grafenhausen nun um eine Kühltheke für frischen, selbst gebackenen Kuchen, den es hier ab sofort gibt, eine Fritteuse und eine professionelle Kaffeemaschine reicher. Denn die Vorpächter hatten ihre eigene mitgenommen und Grafenhausen in die schon bisher gemeindeeigene Küche noch ein wenig Geld investiert.

Es sei zwar nicht Primäraufgabe einer Gemeinde, voll ausgestattete Gastronomie zu verpachten, gab Behringer bei der Vorstellung zu. Allerdings gehöre diese zum Gesamtkonzept des weit und breit einmaligen Museums, des Schwarzwaldhauses der Sinne. „Wir haben 14 000 Besucher jährlich, darunter viele Gruppen und es gibt auch immer wieder Veranstaltungen hier. Da erwartet man ein gastronomisches Angebot“, so der Bürgermeister.

Im Einvernehmen habe man sich von den bisherigen Pächtern getrennt. Bei der Bevölkerung seien sie nie ganz angekommen. Denn schließlich sei das Café, „hier hat man auf der Terrasse wahrscheinlich den schönsten Alpenblick im Dorf“, nicht zuletzt auch für die Bevölkerung da. Dafür hat man in den Gampps nun wohl die richtigen gefunden. Marlies Gampp war 20 Jahre lang im Service des „Rössle“ in Faulenfürst und ist nach wie vor in zahlreichen Vereinen daheim. Wolfgang Gampp ist als Musikus in verschiedenen Formationen weit über die Gemeindegrenzen von Faulenfürst hinaus bekannt.

Gemeinsam bringen sie neben schierer Einsatzfreude auch das Fingerspitzengefühl für die Bedürfnisse der Einheimischen mit. Beispielsweise für Hauptversammlungen von Vereinen öffenen sie auch außerplanmäßig abends. Erste Kostproben heimischer Geselligkeit gab es in den närrischen Tagen. Teils bis tief in die Nacht war die Stube gerammelt voll. Bei Familie und Freunden waren schell Unterstützer gefunden. „Zu zweit hätten wir das nicht geschafft“, so Marlies Gampp, selbst nach kurzer Nacht strahlend.

Ansonsten übernimmt ihr Gatte gerne die Vorstellung, der das freilich besser kann als jeder andere, denn er schwärmt von seiner Frau: „Sie macht das so gerne. Das ist ihr Leben. Es ist ihre freundliche Art, die die Gäste so mögen.“ Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit zu Ruhestandszeiten habe es die ein oder andere schlaflose Nacht gegeben. Aber nun sei auch er infiziert: „Sie hat mich angestachelt. Wir haben einen guten Humor und kommen mit den Menschen gerne ins Gespräch.“ Mit nagelneuer Kochmütze auf dem Kopf grinst Wolfgang Gampp verschmitzt: „Wenn ich jünger wäre, würde ich sogar noch Koch lernen.“

Seinen späten Einstieg in die Gastronomie an der Seite seiner Frau sieht Wolfgang Gampp auch aus dem therapeutischem Blickwinkel: „Am Anfang bin ich gerne in den Ruhestand gegangen. Das tut aber nicht gut. Man wird immer fauler. Und auf einmal tut es überall weh. Der Arzt hat gesagt, wenn Du nicht einrosten willst, musst Du irgendwas machen.“