Seit nunmehr 50 Jahren befindet sich das heutige Heimatmuseum Hüsli in Rothaus im öffentlichen Besitz. 1968 wurde das von der Konzertsängerin Helene Siegfried gebaute Schwarzwaldhaus mitsamt seinen historischen Einrichtungsgegenständen zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Seit der Kreisreform von 1973 gehört Grafenhausen-Rothaus zum Landkreis Waldshut. Rund 2,1 Millionen Museumsgäste besuchten seit der Eröffnung das Hüsli. Ein halbes Jahrhundert Museum ist ein guter Grund, dass im Oktober kräftig gefeiert werden soll.

Als die Hüsli-Erbauerin Helene Siegfried im Jahr 1966 in ihrem hundertsten Lebensjahr starb, wurde ihr Haus, dank der Initiative des damaligen Landrats des Landkreises Hochschwarzwald, Alfred Mallebrein, der Öffentlichkeit als Museum im Jahr 1968 zugänglich gemacht. Landrat Alfred Mallebrein setzte sich bereits zu Lebzeiten Siegfrieds dafür ein, die Sammlung auch über ihren Tod hinaus erhalten zu können.

Nachdem Mitglieder des Kreistags das Gebäude besichtigt hatten, war der Kauf durch den Landkreis Hochschwarzwald, zu dem Grafenhausen damals gehörte, nur noch eine Formsache. Am 26. März 1958 wurde in Hinterzarten einstimmig der Kauf des Hüslis durch den Landkreis Hochschwarzwald beschlossen. 1973 übernahm der Landkreis Waldshut im Zug der Kreisreform das bereits über die Kreisgrenzen hinweg bekannte Gebäude.

Im Landratsamt Waldshut wurde das Hüsli anfangs von Seiten der touristischen Abteilung verwaltet. Erst nachdem Jürgen Glocker Chef des Kulturamtes wurde, kam das Heimatmuseum Hüsli unter die fachliche Obhut der Kultur. Die Erbauerin des Hüsli, Helene Siegfried, hat sich gemäß ihren Träumen einen für damalige Verhältnisse luxuriösen Sommersitz geschaffen. Hier wollte die Künstlerin dem Berliner Trubel zumindest zeitweise entfliehen, um ihre „ruhebedürftigen Nerven“ zu schonen.

Ein Stück heimatliche Identität

„Ja, das Hüsli war schon zu Zeiten seiner Erbauerin Helene Siegfried ein Traum, und es ist auch heute noch traumhaft schön. Doch das Gebäude und das Museum erschöpfen sich durchaus nicht in diesem Traum, denn sie bewahren auf vielfältige Art und Weise Geschichte auf“, sagte der frühere Kulturreferent des Landkreises, Jürgen Glocker, zum 100-jährigen Bestehen des Hüsli und konkretisierte: "Geschichte in architektonischer Hinsicht, im Hinblick auf Mobiliar und Volkskunst, auf Lebensstil und Kultur."

Mit einem Ausdruck aus der Schwarzwälder Tradition der Schnapsbrennerei könne man das Hüsli, so Glocker, auch als eine Art Destillat bezeichnen, als eine Summe Schwarzwälder Bau- und Volkskunst, denn es sei das Anliegen von Frau Siegfried gewesen, sowohl zahlreiche Bauteile alter Schwarzwaldhöfe als auch schöne Kunstgegenstände aus der Umgebung zusammenzutragen und zu einem neuen Ensemble zu verschmelzen. „Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass eine großstadtgeplagte Sängerin Ruhe und Ausgleich auf dem Lande, in einer landschaftlich intakten Umgebung suchte. Helene Siegfried sehnte sich danach, wie sie selbst schrieb, im Südschwarzwald, in Grafenhausen-Rothaus, ihre ruhebedürftigen Nerven zu stärken,“ schloss Jürgen Glocker seine Ausführungen.

Berühmtheit durch die "Schwarzwaldklinik"

Mediale Berühmtheit erlangte das Hüsli als Drehort der Fernsehserie „Die Schwarzwaldklinik“, in der das Gebäude als Wohnort von Professor Brinkmann eine wichtige Rolle spielte. Rund 130 000 Besucher musste das Hüsli in dieser Zeit pro Jahr verkraften. Das Hüsli hat damals in seiner Bausubstanz gelitten, und einen solchen Besucheransturm hätte es über längere Zeit nicht unbeschadet überstanden. Mediale Vermarktung ja, aber nicht ständig Jubel, Trubel, Heiterkeit. Dafür war und ist wohl auch künftig das Kulturamt in Waldshut sicherlich ein Garant.

Doch zurück zum Jubiläum 50 Jahre Museum: „Wir wollen diesen Anlass sogar mit einem ganzen Jubiläums-Wochenende am Samstag, 6., und Sonntag, 7. Oktober, feiern“, betonte Stefanie Knopf vom Amt für Kultur, Archivwesen und Öffentlichkeitsarbeit im Landratsamt auf Anfrage. An beiden Tagen seien diverse Aktionen für die Fans aus nah und fern geplant, die Öffentlichkeit werde zum Mitfeiern eingeladen.

Verlängerte Öffnungszeiten

So sollen beispielsweise verlängerte Öffnungszeiten in die Abendstunden bei freiem Eintritt und spezielle Führungen durch „Prominente“ angeboten werden, auch für kleine kulinarische Überraschungen soll gesorgt sein. „Wir möchten das Fest einerseits ganz im Sinne von Frau Siegfried und dem Geist ihrer Zeit begehen, und gleichsam möchten wir dem medialen Teil der Geschichte des Hauses als Kulisse der Schwarzwaldklinik Rechnung tragen“, sagte Melanie Knopf und fügte an, dass die Einzelheiten über das konkrete Programm für das Jubiläumwochenende vom Kulturamt noch rechtzeitig öffentlich bekannt gegeben werden.