Herr Behringer, wo sehen Sie Ihre persönlichen Stärken?

Ich bin unabhängig, parteilos, geradlinig, bin bodenständig und kreativ, habe Durchsetzungsvermögen, kann zuhören und kann mich auch anderen Meinungen anschließen. Ich verfüge auch über eine gewisse Hartnäckigkeit, um Dinge zu erreichen.

Bei der Breitbandversorgung hat Grafenhausen in der Tat einen beispielhaften Schritt in die Zukunft getan. Welche Trends liegen den Bürgern weiterhin am Herzen?

Welche Wünsche die Bürger weiter haben, wollen wir bei den weiteren Workshops der Bürgerbeteiligungsprojekte erfahren, die im Herbst erneut stattfinden werden. Einzelne Dinge, wie die Teilentpflasterung des Rathausplatzes, werden derzeit schon ausgeführt. Einen Gesundheitswegweiser wollen wir schnellstmöglich umsetzen, so sollen auch in den Ortsteilen, für jedermann zugänglich, Defibrillatoren angeschafft werden. Sollte die Gemeinde in das Landessanierungsprogramm aufgenommen werden – und davon gehe ich im nächsten Jahr aus – dann können private Eigentümer für Sanierungen an ihren eigenen Gebäuden Zuschüsse in Höhe von 15 000 Euro beziehungsweise 30 000 Euro beantragen. Was mir persönlich auch noch sehr am Herzen liegt, ist, dass wir mit Gemeinderat und Bürgern das Thema „Tagespflege“ schnell angehen und bei Bedarf auch umsetzen. Mit Vertretern des Ortsseniorenrats war ich ja schon in einer Einrichtung im Kaiserstuhl und auch in der Tagespflege in Häusern. Auch sollten wir das Thema Jugendbeteiligung in der Kommunalpolitik im Herbst angehen.

Wo sehen Sie Möglichkeiten, die Attraktivität Grafenhausens zu steigern und bestehende Infrastruktureinrichtungen zu erhalten?

Grafenhausen hat eine sehr gute Infrastruktur, wegen der wir von vielen anderen Gemeinden beneidet werden. Dies wurde auch im Rahmen der stattgefundenen Bürgerworkshops deutlich. Es gilt nach meiner Meinung zunächst, diese Infrastruktur zu erhalten. Nach dem Umzug der Galgenvogelzunft in das ehemalige Schützenhaus kann im Dachgeschoss des Schwarzwaldhauses der Sinne der Themenbereich „Zeit“ erweitert werden.

Es wird aber die Kunst sein, all dies zu erhalten und auszubauen. Haben Sie hierfür ein Konzept?

Vor Jahren wurde ja der Schlühüwana-Pfad unter dem damaligen Förster Hartmuth Frank gebaut. Die Figuren, die von Herbert Hofmeier liebevoll gefertigt wurden, sind in „die Jahre“ gekommen. Es ist mir gelungen, zur Unterhaltung der Figuren Bernhard Heer und Franz Beck zu gewinnen. All diese Maßnahmen sind in enger Abstimmung mit Herrn Hofmeier erfolgt, der krankheitsbedingt diese Arbeiten leider nicht mehr ausführen kann. Für Ersatzbeschaffungen könnte ich mir vorstellen, dass wir zum Beispiel alle drei Jahre, ähnlich dem Künstlersymposium, ein Holzfigurensymposium veranstalten. Hier könnten Bildhauer, zum Beispiel im dritten Lehrjahr, passende Holzfiguren erstellen. Um insgesamt klare Zuständigkeiten zu schaffen, haben wir zum 1. August mit Yannick Albiez einen neuen Mitarbeiter im Bauhof eingestellt. Somit konnte Georg Müller – bisher Bauhof – sämtliche Hausmeistertätigkeiten übernehmen. Oliver Haberstroh wird sich um den Bereich Nahwärme kümmern.

Im Bereich Bildung ist vieles in Bewegung. Wie steht es um die Zukunft der Schlüchttal-Schule in Grafenhausen?

Nach Aussage des staatlichen Schulamtes und des Regierungspräsidiums Freiburg besteht für die Schlüchttal-Schule Bestandsschutz, da es sich um die einzige noch verbliebene Werkrealschule im östlichen Kreisgebiet handelt. Das bedeutet im Klartext: Auch wenn die Anmeldezahlen in der Klasse 5 einmal unter die magische Zahl von 16 Schülerinnen und Schüler sinken würden, bleibt die für die Region wichtige Schulart im Schlüchttal erhalten. Dies ist sicher ein großer Verdienst des bisherigen Rektors Henning Zillessen und des Konrektors Clemens Winterhalter. „Meine Bürgermeistertätigkeit kann ich durchaus als Traumberuf bezeichnen.“ Christian Behringer. Zum Beginn des neuen Schuljahres bekommt die Schule mit Frau Rotraut Neubauer eine neue Rektorin. Gemeinsam soll die Schlüchttal-Schule in Richtung Naturparkschule weiterentwickelt werden. Da ich als amtierender Bürgermeister unter anderem auch Mitglied im Gesamtvorstand Naturpark Südschwarzwald bin, werde ich auf diese Entwicklung ein besonderes Augenmerk legen. Im nächsten Schuljahr sollen umfassende Sanierungen erfolgen. Der Gemeinderat hat für Fenster und Rollläden Mittel in Höhe von rund 90 000 Euro beschlossen. Im Haushalt 2018 stehen für die umfangreichen Sanierungsarbeiten insgesamt 300 000 Euro zur Verfügung, die mit 135 000 Euro bezuschusst werden.

Schulträger der Schlüchttal-Schule ist der Schulzweckverband, der in der letzten Zeit vollkommen in der Versenkung verschwunden ist. Kocht zwischenzeitlich wieder jede Gemeinde ihr eigenes Süppchen?

An den Schulzweckverband hatten sicher alle Beteiligten andere Erwartungen. Sowohl die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule als auch die Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe in der Raumschaft Bonndorf hat sich leider zerschlagen. Wir (Bürgermeister Tobias Gantert, Bürgermeister Michael Scharf, Bürgermeister Joachim Burger, Bürgermeister Christian Mauch und ich) wollen in Abstimmung mit den Gemeinderäten im jetzt beginnenden Schuljahr mit allen Rektoren Gespräche führen, ob und wie die Aufrechterhaltung des Schulzweckverbandes Sinn macht oder nicht.

Welche Bedeutung hat für Sie die Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen?

Zweifelsohne eine sehr große. Die Gemeinde Grafenhausen arbeitet im Bereich der Feuerwehr sehr eng mit der Gemeinde Schluchsee (Ortsteile Schönenbach und Staufen) zusammen. Daneben ist die Gemeinde Grafenhausen auch Mitglied im Zweckverband Gruppenwasserversorgung (Bonndorf, Schluchsee, Ühlingen-Birkendorf und Lenzkirch). Wir haben im Bereich Breitband eine interkommunale Zusammenarbeit mit Bonndorf, Stühlingen, Ühlingen-Birkendorf und Wutach. Mit Ühlingen-Birkendorf haben wir einen Gemeindeverwaltungsverband in Bezug auf Flächennutzungsplanung. Die Gemeinde ist ebenfalls Mitglied im Zweckverband Breitband (Landkreis Waldshut und Gemeinde Schluchsee).

Herr Behringer, zum Abschluss noch ein Blick auf die vergangenen acht Jahre. Was waren die größten Projekte und wie steht es um die Finanzen der Gemeinde?

Da gibt es unglaublich viele Projekte, die gemeinsam umgesetzt wurden beziehungsweise noch umgesetzt werden. Beispielhaft sei hier die Sanierung der Grundschule, die Investitionen bei der Werkrealschule und im Kindergarten, große Investitionen im Bereich der Abwasserentsorgung, dem Umbau des Haus des Gastes zum Schwarzwaldhaus der Sinne, die Erschließung des Neubaugebietes Schulstraße, der Beginn des Ausbaus mit Breitband/Glaserfaser und den Bau der Nahwärmeversorgung zu nennen.

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Aus meiner Sicht sind die Finanzen geordnet. Wir haben im Zeitraum von 2011 bis 2017 insgesamt über 14 Millionen Euro investiert und 2,7 Millionen Euro Zuschüsse erhalten. Dabei wurden die Ausgaben und Zuschüsse für die Breitbandversorgung noch nicht berücksichtigt, da diese erst 2018 kassenwirksam werden. Zum 31. Dezember 2017 summieren sich die Rücklagen im Kernhaushalt auf 1,7 Millionen Euro. Daneben hat der Kernhaushalt (Kameralhaushalt) dem Eigenbetrieb Versorgungsbetriebe noch ein sogenanntes Inneres Darlehen von 1,4 Millionen Euro gewährt, welches jährlich verzinst und mit entsprechender Tilgung zurückfließt. Der Schuldenstand im Kernhaushalt beträgt rund 40 000 Euro (18 Euro pro Einwohner). Aus Gründen der Transparenz und der Unabhängigkeit der Haushalte wurde der Eigenbetrieb Versorgungsbetriebe (Nahwärmeversorgung und Wasser) gegründet. Die Verbindlichkeiten im Bereich Nahwärmeversorgung konnten allein im Jahr 2017 von 2,4 Millionen Euro auf 2,1 Millionen Euro zurückgeführt werden. Es handelt sich in diesem Bereich um sogenannte „rentierliche Schulden“, das heißt, die jährlichen Zins- und Tilgungsausgaben können vollständig durch Einnahmen/Erträge aus dem schuldfinanzierten Investitionsobjekt gedeckt werden. Bei der Nahwärmeversorgung (Heizzentrale und neun km Leitungen) konnte ein Vermögen von 6 Millionen Euro geschaffen werden. Hier sind wir auf einem sehr guten Weg.

Genauso wird es sich beim Eigenbetrieb Breitband verhalten. Die Umstellung des Kameralhaushaltes (Kernhaushalt) auf das Neue Haushaltsrecht (Doppik) läuft bereits über zwei Jahre. Die Eigenbetriebe werden schon nach dem neuen Haushaltsrecht geführt.

Warum sollen die Wählerinnen und Wähler in Grafenhausen Ihnen ihre Stimme geben?

Ich kenne die verschiedenen Förderprogramme sowie die in der Region maßgeblichen Landtags- und Bundestagsabgeordneten, die ich regelmäßig im Kreistag treffe, dem ich auch angehöre. In den acht Jahren, in denen ich Bürgermeister in Grafenhausen sein durfte, hat sich die Gemeinde positiv weiterentwickelt. Ich freue mich auf die anstehenden Herausforderungen und kann meine Bürgermeistertätigkeit durchaus als Traumberuf bezeichnen.