Am Vorabend zu seinem 56. Geburtstag hat Pfarrer Bernhard Stahlberger zu einem von ihm finanzierten Konzert in die Görwihler Pfarrkirche eingeladen. Damit wollte er sich bei der Bevölkerung für das Vertrauen und das gute Miteinander bedanken, aber auch sein im vergangenen Jahr ausgefallenes Priesterjubiläum nachfeiern, das er auf unbestimmte Zeit verschieben musste. Die Resonanz auf seine Einladung war groß, ebenso groß war die Begeisterung der Zuhörer, die sich in stehendem Applaus für die beiden Musiker des Abends, die Kontrabassisten Jonas Hoenig und Markus Lechner, niederschlug.

Die Beiden hatten ein abwechslungsreiches Programm mitgebracht, das vom Barock bis zum Jazzstandard reichte – immer auf der Suche danach, wie Jonas Hoenig erklärte, was mit zwei Kontrabässen möglich ist. Eindringlich musizierten sie eine Aria von Telemann sowie ein Menuett von Bach. Bei dem getragenen Stück von Telemann zelebrierte Markus Lechner die melodische Kantilene, während Jonas Hoenig ihn legato gestrichen begleitete. Bach boten die Beiden zunächst in einer sanft dahingleitenden Moll-Version dar, um dann im besser vertrauten Dur-Part zum flotten Staccato zu wechseln.

Den fetzigen Eingang bot ein kurzes Stück, „Super Bass Theme“, ursprünglich geschrieben für drei Kontrabässe, ein grandioser Vorgeschmack auf das Kommende, pizzicato kurz und knackig, in rasantem Unisono vorgetragen. Der Jazzstandard „Bye Bye Blackbird“ erklang gezupft und beschwingt. Ein Stück aus der Feder von Jonas Hoenig, nach dem kleptomanischen Zwerg aus der Romanserie „Artemis Fowl“ des Iren Eoin Colfer „Mulch Diggums“ betitelt, fuhr mit seiner wechselnden Führungsstimme und den fröhlich einander haschenden Imitationen den Zuhörern unweigerlich in die Füße.

Eine andere Facette seines Könnens präsentierte Hoenig mit seiner Version des Beatleshits „Yesterday“, die das Material stark variiert aufscheinen lässt. Eine unterhaltsame Variante von Werken für Kontrabass brachten die Künstler durch Stücke ihres Kollegen Stefan Schäfer nach Görwihl. Von ihm stammen die Titel „Running“ und „Waiting“, zwei Teile einer Suite, die beschreibt, wie zwei Studenten zum Bus rennen, diesen verpassen, und sich nach kurzer Niedergeschlagenheit, die sich im Ärger Luft macht, mit dem Warten abfinden. Ein weiteres Stück von Schäfer, „Inspecteur Cherier“, hört sich an wie ein Kriminal-Tango mit französischem Flair – und schreit nach Assoziationen.

Mit dem von Hoenig komponierten „Le Maillot Jaune“, auf das gelbe Trikot der Radrennfahrer anspielend, bewiesen die Kontrabassisten ihre Fingerfertigkeit und die enorme Präzision ihres Zusammenspiels. Mit Stevie Wonders „Isn‘t She Lovely“ beendeten sie das Programm. Beim ersten Zugabestück, „Downtown“ von Stefan Schäfer, konnten die Zuhörer dann ihre Begeisterung durch Mitschnipsen mit den Fingern kundtun. Die zweite Zugabe war die Wiederholung von „Running“, was sich Pfarrer Stahlberger schon im Vorfeld gewünscht hatte.