Im Ländle gibt es schon länger das alemannische Wörterbuch, Mundart-Kalender und sogar ein alemannisches Wikipedia. Solche Kuriositäten brachte mitunter die Sorge um schwindende Muttersprachler auf den Weg.

Für neuen Rückenwind sorgte zuletzt eine Dialekttagung im Dezember 2018 in Stuttgart, bei der Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Mundart zur Chefsache erklärte. Seither erfährt das Alemannische eine breite Förderung in der Kulturszene, etwa durch Mundart-Wettbewerbe, Stipendien, Preis- und Fördergelder für Künstler und Vereine.

Pandemie verpasst Dämpfer

Allerdings verpasst die Pandemie diesem Aufschwung derzeit mit abgesagten Veranstaltungen einen herben Dämpfer. Erst im Juni 2019 holten zwei Grundschulklassen aus Görwihl und Rickenbach für ihre alemannischen Theaterstücke jeweils einen ersten Landespreis der Muettersprooch-Gsellschaft nach Hause.

„Die Auseinandersetzung mit dem Dialekt wird auch vom Bildungslehrplan 2016 angestoßen und begleitet die Kinder während der gesamten Grundschulzeit. Dadurch erhalten sie einen besonderen Zugang zu ihrem Lebensumfeld“, erklärt Rektor Bernd Mugrauer von der Grundschule in Rickenbach. „Allerdings schränkt uns Corona derzeit in solchen Aktivitäten stark ein.“ Und nicht nur an Schulen; auch in Vereinen, allen voran den Narrenzünften, sind Mundart-Veranstaltungen pandemiebedingt abgesagt. „Online-Verkündungen werden gemeinsam Erlebtes und Gehörtes niemals ersetzen können“, meint Martin Zajac, Vorsitzender des Hotzen-Neunerrats in Görwihl, trotz erfolgreicher virtueller Fasnacht.

Einzig in der Literatur ist der Mundart-Trend noch ungebrochen: „Bücher in Mundart, überhaupt aus der Region, sind nach wie vor gefragt“, resümiert Renata Vogt von der Laufenburger Buchhandlung am Andelsbach. Vor allem Leser ab 50 plus greifen häufiger zu Büchern in Mundart, so Vogts Beobachtung. Doch der Mundartautor Markus Manfred Jung aus Zell im Wiesental weiß: „Mundart ist immer da lebendig, wo sie gesprochen wird.“ Seinen jüngsten Büchern liegen daher Hörfassungen bei, um die Sprache auditiv erfahrbar zu machen.

Hier befürchtet nun auch die Muettersprooch-Gsellschaft einen Rückgang, weil man sich während des Lockdowns nicht mehr aufs „Schwätzle“ trifft. Ein, in Folge des Runden Dialekttisches, neu ausgearbeiteter Fragebogen der Allianz für Beteiligung setzt hier an. „Man fragt über den Gartenzaun oder am Telefon, wie der andere manche Dinge bezeichnet, und schon spricht man über den eigenen Dialekt„, erklärt Uschi Isele vom Vorstand der Muettersprooch-Gsellschaft.

Wie so oft sind nicht die Antworten, sondern der Weg dahin die zielführende Idee. „Denn selbst wer sich über so profane Dinge austauscht, hält die Sprooch lebendig“, erklärt Isele. Der Gesprächsleitfaden wird derzeit von den Dialektvereinen erprobt und soll bald online abrufbar sein. Er könne zwar den massiven Ausfall an Mundartkultur nicht wettmachen, so Uschi Isele, halte aber in jeder Hinsicht das Motto der Mundart hoch: „Trau Di halt, schwätz Alemannisch!“ Diesen Spruch hat die Muettersproch-Gsellschaft unlängst auf Mundschutzmasken drucken lassen, die sie über ihr online-Lädeli vertreibt – ganz im Zeichen der Pandemie.