Der Landtagsabgeordnete Reinhold Pix (Grüne) besuchte am Freitagnachmittag die Schwarze Säge im Lindauer Tal. Dort soll nach Plänen der Naturschutzbehörde des Regierungspräsidiums Freiburg der Oberwasserkanal im Zuge einer so genannten Renaturierungsmaßnahme einmalig abgelassen und trocken gelegt werden. Gegen das Vorhaben haben die Eigentümer der Schwarzen Säge, Richard und Lenore Eschbach, mehrfach Einwände geäußert. Zuletzt haben Bernd und Iris Wallaschek (Ortsverband Hotzenwald Bündnis 90/Die Grünen) eine von 22 weiteren Privatpersonen unterzeichnete Petition eingebracht und somit ein Stillhalteabkommen, weil während des Verfahrens keine Fakten schaffenden Maßnahmen ergriffen werden, erwirkt. Ein Teil der Unterzeichner war am Freitag persönlich vor Ort, unter anderem der Gewässerbiologe Heinz-Michael Peter, Karl-Heinz May vom Görwihler Schwarzwaldverein sowie Jörg Kasseckert vom Landesnaturschutzverband. Dabei waren außerdem der Görwihler Bürgermeister Carsten Quednow, Gemeinderat Johannes Herrmann, Annka Mickel (Naturparkschule) und Hans-Peter Behrens vom Petitionsausschuss des Landtags Baden-Württemberg. Letzterer wird, so Reinhold Pix, „wahrscheinlich einen Vorort-Termin mit den Personen, die am Verfahren beteiligt sind, machen“, also mit Vertretern von Behörden und „mindestens zwei Abgeordneten“. Der Termin werde vermutlich nach der Landtagswahl (14. März 2021) stattfinden, sagte Pix. Das Petitionsrecht bezeichnete er als „ein wichtiges Element, womit man ein staatliches Handeln in Frage stellen kann“. Pix weiter mit Blick auf die Petition in punkto Schwarze Säge: „Das war eine gute Maßnahme, dass man rechtzeitig die Bremse reingemacht hat.“ Je nach Ausgang des Verfahrens „würde noch das Klagerecht bleiben“, erklärte Pix. Seine Einschätzung: „Es geht darum, die ganze Umgebung mit einzubeziehen, das ist ein komplexer Blick.“

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Zuvor hatte Richard Eschbach die vom RP angeordnete Renaturierung in Frage gestellt. „Was ist ökologisch wertvoller?“, fragte er, „Renaturierung oder lassen, wie es ist?“. An der Besichtigung wurde mehrfach der Ist-Zustand in den Vordergrund gerückt und somit auch die möglichen Konsequenzen, die das Ausbaggern und Ablassen des Kanals haben könnte. Bernd Wallaschek: „Man kann nur raten, was mit den Sedimenten passiert und wie Flora und Fauna darauf reagieren.“ Jörg Kasseckert erklärte, dass nach einem Eingriff in den Kanal das Wasser im neuen Bachbett nach jedem Regen blitzschnell abfließen würde, anstatt wie jetzt im Stau oberhalb des Wehres und im höheren Grundwasserspiegel gespeichert zu bleiben. Dies würde „eine erhebliche Verschlechterung für Mikroklima, Wasserhaushalt und Artenvielfalt darstellen und wäre gewässerökologisch kontraproduktiv“. Kasseckert wies darauf hin, dass zum Beispiel Forellen eine bestimmte Temperatur zum Laichen benötigen „und die gibt es nur hier“. Annka Mickel stellte fest, dass, wenn der wie ein Stauraum funktionierende Kanal verschwinden würde, „der Druck auf die Moore wachsen wird“. Denn, so Mickel: „Hier wird Wasser in der Landschaft gepuffert, und das ist für die Moore wichtig.“ Mickel weiter: „Warum werden hier Finanzen versenkt, um ein Sekundärbiotop zu zerstören? Mir sträuben sich die Haare.“

Die Petition

Die Verfasser der Petition fordern die Aussetzung des geplanten Baggereinsatzes am Schwarzenbach sowie eine Neubewertung der Planung und der Einschätzung des Ministeriums Umwelt. Hintergrund: Das Naturschutzreferat des Regierungspräsidiums Freiburg plant zur Umsetzung der EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie die Wiederherstellung des naturnahen Gewässerlaufs des Schwarzenbächles, das mit dem quer im Gewässer angeordneten Wehr der Schwarzen Säge künstlich aufgestaut wurde. Dies soll mit einem dauerhaften Verschluss des Einlaufs in den Oberwasserkanal und einer Modellierung des Geländes – es soll trocken gelegt werden – bis zum naturnahen Gewässerlauf erreicht werden. Nun wollen die Verfasser der Petition ein Überdenken dieses Vorhabens erreichen. „Wir vermissen und fordern eine exakte Planung sowie vor allem auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung für den Eingriff im Naturschutzgebiet“, heißt es in der Petition. Laut Jörg Gantzer (Erste Landesbeamter Landratsamt Waldshut) hat das Land Baden-Württemberg 2018 an der Teilfläche, auf der sich der Oberwasserkanal befindet und die randlich in einem Naturschutzgebiet liegt, „aus naturschutzrechtlichen Gründen das Vorkaufsrecht gegenüber der Voreigentümerin (Schluchseewerk AG) ausgeübt“. Seither steht diese Teilfläche im Eigentum des Landes.

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