Eine recht große Zuhörerschar versammelte sich am Sonntag in der Niederwihler Kirche, um dem Klang-Konzert mit keltischen Gesängen und irischen Segenssprüchen von Roland Kroell zu lauschen, mit dem Kroell gleichzeitig sein 50-jähriges Bühnenjubiläum beging. Kroell hatte in den Jahren 1983 und 1984 in Niederwihl gewohnt und sei eben hier auf dem Hotzenwald, wie er am Ende des Konzertes bekannte, auf seinen spirituellen Weg gelangt. Unterstützt wurde er bei seinem Konzert von Claudia Libor-Kroell und Michael Rudigier. Imposant wirkte allein schon das Arsenal der an den Stufen zum Altarraum aufgebauten Instrumente. In der Mitte thront ein überdimensionaler Gong, davor ein Glockenspiel und etwas seitlich davon eine Bordun- oder Griffbrettzither. Umrahmt wird dieses Ensemble von Sandawa, einer mehrsaitigen Obertonharfe, und Wasser-Trommel auf der einen und Didgeridoos sowie einer Doppelflöte und der das Meeresrauschen täuschend ähnlich nachahmenden Ocean Drum auf der anderen Seite.

Ein meditatives Klang-Konzert zu seinem 50-jährigen Bühnenjubiläum gab Roland Kroell in der Kirche in Niederwihl, unterstützt von Claudia Libor-Kroell und Michael Rudigier.
Ein meditatives Klang-Konzert zu seinem 50-jährigen Bühnenjubiläum gab Roland Kroell in der Kirche in Niederwihl, unterstützt von Claudia Libor-Kroell und Michael Rudigier. | Bild: Karin Steinebrunner

Claudia Libor-Kroell eröffnet das Konzert durch zartes Streichen über die Harfensaiten mit der einen und sanftes rhythmisches Klopfen auf die schwimmende Holzkugel der Wasser-Trommel mit der anderen Hand. Aus dem Hintergrund treten die gedämpften Klänge von Roland Kroells Krummhorn und Michael Rudigiers Didgeridoo hinzu. Die meditative Stimmung dieses Klangflusses zu Beginn setzt sich während des gesamten Konzertes fort, einerseits durch nahezu lückenlose Übergänge zwischen den einzelnen Beiträgen, andererseits durch den Aufbau der einzelnen Stücke selbst, die gebetsmühlenartig quasi wie in Trance Melodiefloskeln wiederholen.

Roland Kroell feiert sein 50. Bühnenjubiläum.
Roland Kroell feiert sein 50. Bühnenjubiläum. | Bild: Karin Steinebrunner

Hinzu kommt der wirkmächtige, sehr flexible Ausdruck von Kroells Interpretationskunst. Die erstreckt sich vom Summen, das bis zur perfekten Imitation vibrierender Didgeridooklänge reicht, über alle Nuancen des Sprechgesangs bis zur kraftvollen Singstimme. Der Jubilar steht dabei stets im Mittelpunkt, die beiden Triopartner halten sich dezent zurück, bilden einen sanft in sich wiegenden, atmosphärischen Klangteppich, auf dem sich der zitherbegleitete Gesang entfalten kann.

Die Lieder mit Texten des Schriftstellers James Joyce und irischen Segenssprüche von John O’Donohue, die Kroell zunächst auf Deutsch rezitiert, handeln von der Läuterung der Gedanken im Anblick der Natur, von der Schönheit des Sonnenaufgangs, von der inneren Reise zum eigenen Selbst, vom Wunsch nach Verbundenheit und Gemeinschaft. Beschwörend gruppieren sich die wie die archaischen Anrufungen eines Naturpriesters anmutenden keltischen Gesänge dazwischen. Am Ende packt Kroell dann noch seinen irischen Dudelsack aus und singt, begleitet von der Ocean Drum Rudigiers und der Gitarre von Claudia Libor-Kroell, ein Weihnachtslied von der Isle Of Man, und als Zugabe gemeinsam mit den tief berührten Zuhörern ein keltisches Friedenslied.

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