Zum Jahreswechsel haben wir den Bürgermeistern von Laufenburg, Murg, Görwihl, Rickenbach, Herrischried und Todtmoos zehn teils persönliche, teils die Gemeinde betreffenden Fragen zukommen lassen. Hier veröffentlichen wir die Antworten des Görwihler Bürgermeisters Carsten Quednow.

Sind Sie froh, dass 2020 vorüber ist?

Warum sollte man froh sein, wenn ein Jahr vorbei ist? Wir werden alle ein Jahr älter und das Thema an das viele denken, ist 2021 noch nicht vorüber. Bis die Impfungen den notwendigen Erfolg zeigen, werden viele Einschränkungen bestehen bleiben. Und einiges aus dem Corona Jahr ist doch nicht so schlecht gewesen. Sicher können wir einige Hygiene- und Anstandsregeln in der Zukunft weiter gebrauchen. Denn Abstand zu halten, hat in vielerlei Hinsicht nur Vorteile. Ich bin froh, dass an den Kassen weniger gedrängelt wird und die persönliche Distanz zwischen Menschen eingehalten wird. 2020 hat also auch Gutes mit sich gebracht.

Was hat Sie vergangenes Jahr besonders gefreut?

Der Zusammenhalt der Menschen untereinander und miteinander. Die vielen Einschränkungen wurden von der großen Masse sehr gut mitgetragen. Mein gesamtes Gemeindeteam hat in den ganzen letzten Monaten täglich bewiesen wie gut wir zusammenarbeiten und immer für unsere Bürger da sind. Zu sehen wie alle unter dieser Anspannung an einem Strang ziehen, war für mich ein ganz besonderes Erlebnis. Es wäre wahrscheinlich für die meisten unvorstellbar, wenn wir ein Rathaus in Quarantäne schicken müssten oder plötzlich nicht mehr in der Lage wären Winterdienste zu erbringen.

Was war für Sie besonders unerfreulich?

Wie viele andere durfte ich meinen 50. Geburtstag alleine im Kreis der Familie feiern. Vermisst habe ich 2020 ganz besonders die persönlichen Kontakte bei Hochzeiten, Geburtstagen, Vereinsfesten, Veranstaltungen und so vieles mehr.

2020 lagen die Nerven bei vielen Menschen blank und darauf schiebe ich einfach einige unerfreuliche Erlebnisse. So wurde ich teilweise mit Anschuldigungen und Unterstellungen sehr angegriffen. Das war zum einen respektlos und ungerechtfertigt, zum anderen aber auch sehr verletzend. Das Schöne daran war, dass diese Menschen nach solchen klaren Äußerungen ihr wahres Ich aufgedeckt haben. Damit kann einfach ein Schlussstrich unter gewisse Beziehungen gemacht werden. Diesen Menschen werde ich künftig keinen Platz mehr im eigenen Umfeld einräumen.

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Welches ist das wichtigste Projekt, das vergangenes Jahr in Ihrer Gemeinde verwirklicht wurde?

Ein einziges wichtiges Projekt gab es nicht. Vielmehr waren da, die Grundsteinlegung für den neuen Kindergarten in Görwihl, die Fertigstellung der ersten Tiefbaumaßnahmen für das Breitband in zwei Ortsteilen, der definitive Startschuss für die Tagespflege, die Fertigstellung der zwei Miethäuser in Görwihl.

Was ist die wichtigste Sache, die liegenblieb?

Liegengeblieben ist eigentlich in dieser Zeit nichts, nur richtig vorangegangen ist es bei ein paar Projekten nicht so wirklich. Leider haben die Grundstückseigentümer für die beiden Baugebiete in Strittmatt und Görwihl immer noch nicht dem Verkauf der Grundstücke an die Gemeinde zugestimmt. Beide Baugebiete sind seit den 70er Jahren in Planung und schon unter meinem Vorgänger nicht realisierbar gewesen. Mein anfänglicher Enthusiasmus, dass ich das hinbekomme, ist nun definitiv gebremst.

Ebenfalls nicht vorangekommen ist das Vereinsprojekt in Oberwihl. Diese lange Geschichte begann schon Anfang 2000, leider fehlte damals die Bereitschaft der Vereine zusammen mit dem Neubau für die Feuerwehr direkt etwas Gemeinsames zu entwickeln. Jetzt nach fast 2 Jahrzehnten wäre diese Bereitschaft endlich da, doch leider noch viele Punkte zu klären. Und dann hat der Gemeinderat noch die Aufgabe dieses Projekt zusammen mit den Bürgern zu finanzieren.

Warum könnte 2021 ein besseres Jahr für Ihre Gemeinde werden als 2020?

2020 war in vielen Punkten ein besonderes und für uns alle ungewohntes Jahr. Da sind wir uns einig, aber schlecht war 2020 doch nicht. Für Görwihl kann ich sagen, dass wir durch das Corona-Jahr sicherlich weit weniger belastet waren, als die Ballungszentren. Da kam uns die ländliche Struktur sehr entgegen. An dieser Stelle möchte ich meinem ganzen Team, den vielen Vereinen, Organisationen und den Bürgerinnen und Bürgern herzlich danken. Sie sind alle gemeinsam mit dieser unerwarteten Situation toll umgegangen.

Was wünschen Sie sich 2021 als Bürgermeister für Ihre Gemeinde?

Besonders freue ich mich wieder auf persönliche Gespräche und Besuche nach Corona, auf langsam beginnende Feste und Veranstaltungen und auf ein lebendiges Vereinsleben. Sicherlich anders als vorher, denn die Erfahrungen aus Corona, werden bestimmt unseren Alltag noch eine Weile weiter prägen.

Von meiner Bevölkerung und den Gemeinderäten erwarte ich, dass Sie die Finanzen der Gemeinde nicht aus dem Blick verlieren. Unsere „Aufgabenliste“ hat ein Volumen, wie ich es in meinen 25 Jahren in Görwihl noch nie erlebt habe. Das geht nicht alles auf einmal und braucht mehr als ein Jahrzehnt zur Verwirklichung. Das braucht Geduld und einen langen Atem. Vor allem darf die Gemeinde die Handlungsspielräume nicht verlieren. Wenn man sich einmal zu stark finanziell bindet, verzettelt oder die Folgekosten nicht im Blick behält, belastet dies unsere künftigen Generationen. Mit einer nachhaltigen und weitsichtigen Politik hätte das dann nichts mehr zu tun.

Was wünschen Sie sich 2021 persönlich?

Etwas mehr Ruhe und Gelassenheit, um die Dinge hinzunehmen, die man sowieso nicht ändern kann. Weiterhin viele liebe und verständnisvolle Menschen in meinem persönlichen Umfeld. Diese haben unserer Verwaltung und mir persönlich 2020 viel Kraft und Unterstützung gegeben.

Wenn Ihre Gemeinde einen Sechser mit Superzahl im Lotto hätte, was sollte sie mit dem Geld tun?

Da fällt mir spontan viel zu viel ein und das bisschen Gewinn wäre schnell weg. Den tollen ehrenamtlichen Einsatz von Menschen in so vielen Bereichen unserer Gesellschaft würde ich unterstützen. Nach dem Breitbandausbau müssen wir noch einige Millionen in den Straßenbau investieren. Da käme ein solcher Geldsegen sehr gelegen.

Dann würde ich noch gerne dem Land Baden-Württemberg die Albtalstraße für 1 Euro abkaufen. Dann hätten wir zwar die Verantwortung dafür. Ich denke aber, wir würden damit sehr gut umgehen können und die Risiken und notwendigen Unterhaltungen sehr gut abschätzen können.

Welche Schlagzeile über sich selbst oder über Ihre Gemeinde würden Sie 2021 gerne lesen?

Lesen möchte ich insgesamt wieder mehr Gutes und ich möchte gerne, dass die Menschen aus diesen Berichten erkennen können, in welch schöner und wertvoller Gemeinde wir leben dürfen.

Schön wären Schlagzeilen über das tolle ehrenamtliche Engagement unserer Vereine, Jugend- und Seniorenkreise und der verschiedenen Organisationen. Darüber wie das ehrenamtliche Miteinander der Vereine wieder auflebt und wir gemeinsam beginnen können wieder Feste zu feiern. In einer separaten Berichtreihe könnte man die Betriebe würdigen, die während Corona immer durchgearbeitet haben und unsere Gesellschaft am Laufen gehalten haben.

2021 sollten wir negative und frustrierende Entwicklungen in unserer Gesellschaft abstreifen, den Demonstranten auf der Welt, dem Thema Verweigerer, der falschen Darstellung unser Polizeiarbeit, dem Brexit und der Wahl in Amerika weniger Platz einräumen. Das alles steht vielen zum Hals heraus und ist nur Nährboden für Menschen mit einem labilen Gemüt.

„Unsere Demokratie darf nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.“ Diese Gefahr ist vor allem in einem Super-Wahljahr wie 2021 präsent. Zuerst die Landtagswahl und danach die Bundestagswahl, hier wird die künftige Richtung in unserer Gesellschaft vorgegeben.

Den Menschen müssen die Konsequenzen Ihrer Stimmabgabe vor dem Wahltag vor Augen geführt werden. Das ist mir ein Anliegen für 2021.