Görwihl – Anhaltender Beifall belohnte Flötist Teun Wisse und Cembalist Teun Braken für ihre Ausgrabungen unbekannter niederländischer Komponisten des 18. Jahrhunderts, die sie in ihrem Konzert in der Görwihler Kirche vorstellten und demnächst auf CD aufnehmen werden. Die beiden Musiker, die seit zehn Jahren zusammenarbeiten, haben eindrücklich demonstriert, dass nicht nur die allseits bekannten Meister wie Vivaldi, Pergolesi oder Bach hörenswerte Sonaten komponiert haben – vor allem, wenn sie so lebendig und spielfreudig dargebracht werden wie von „Teun & Teun“.

Vorgestellt wurden drei Sonaten des Grafen Wilhelm van Wassenaer sowie Werke von Jean-Baptiste Loeillet de Gant, Sibrando van Noordt und Willem de Fesch. Van Wassenaer veröffentlichte seine Werke anonym, so dass sie zunächst fälschlicherweise Pergolesi zugeschrieben wurden, was im Grunde bereits ihre Könnerschaft dokumentiert. Von Jean-Baptiste Loeillet, der, um nicht mit seinem in London wirkenden Vetter verwechselt zu werden, de Gant (aus Gent) an seinen Namen anhängte, sind in Amsterdam 54 Blockflötensonaten gedruckt worden. Sybrandus van Noordt italienisierte seinen Vornamen zu Sibrando, möglicherweise in der Hoffnung, damit mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen. Seine Ausgabe von vier Sonaten mit unterschiedlichen Besetzungen nannte er in der zweiten Auflage „Mélange Italien“.

Teun Wisses unterschiedliche Flöten, Nachbauten von niederländischen Originalen aus dem 18. Jahrhundert, zwitschern und klagen, schmeicheln und liebkosen unter seinen Händen, als wollten sie ganze Generationen genervter Eltern von Blockflötenschülern Lügen strafen, und Teun Braken gestaltet seine Basso-Continuo-Begleitung so zauberhaft leicht und graziös wie ein Solist, und dennoch so unaufdringlich und selbstverständlich, dass auch die tatsächlich solistisch besetzten kurzen Vor-, Zwischen- und Nachspiele sich vollkommen einreihen.

Die meist viersätzigen Sonaten sind im Gegensatz zur späteren klassischen Sonate gewöhnlich noch in der Folge „langsam – schnell – langsam – schnell“ angeordnet. Dabei weisen die ersten Sätze oft punktierte Rhythmen, sequenzierende Floskeln und kurze Echoeffekte auf. Die zweiten Sätze bilden hierzu einen aparten Kontrast mit fröhlich auftrumpfendem Spielwerk. Die dritten Sätze gedehnte Tonrepetitionen und sehnsüchtig-klagende Legatomelismen. Die vierten Sätze bildeten den idealen Abschluss der in der Regel relativ kurzen Werke.