Zu einem ökumenischen Gottesdienst anlässlich der 500-Jahrfeier der Reformation hatten der katholische Pfarrer Bernhard Stahlberger und die evangelische Pfarrerin Heidrun Moser am Sonntagabend in die Görwihler Pfarrkirche eingeladen. Musikalisch umrahmt wurde dieser Gottesdienst von der „Brass-Connection“ Oberwihl, die auch beim anschließenden Apéro die anwesenden Kirchenbesucher noch mit einigen schwungvollen Musikstücken unterhielt.

„Vielleicht ist es ein Geschenk Gottes für unsere Zeit, dass wir dieses Fest gemeinsam feiern können“, meinte Pfarrer Stahlberger zu Beginn des Gottesdienstes, der mit vielen symbolischen Gesten bereichert wurde, in dem aber vor allem die Predigt angelegt war in Form der beiderseitigen Nennung derjenigen Punkte, die den beiden Geistlichen an der je anderen Konfession am besten gefallen. Der Gottesdienst gipfelte in der Verknotung der von Brigitte Sommer im Rahmen des Görwihler Kultursommers geschaffenen Fahnen der beiden Kirchengemeinden vor dem Altar und dem Hand in Hand gesprochenen Satz „Wir gehören zusammen!“

Heidrun Moser erklärte, sowohl katholische wie evangelische Christen feierten in Christus die Rettung aus Not, Sinnlosigkeit und Angst vor dem Ende. Die Auferstehung sei für beide Konfessionen die Herrlichkeit, auf die sie warten, Katholiken indes könnten diesen Aspekt viel deutlicher darstellen als die evangelische Kirche. Die sei typischerweise karg und hauptsächlich auf die Ohren ausgerichtet, während die katholische Kirche die Verehrung des Wortes Gottes sichtbar in Szene setze, mit Kerzen, farbenfrohen Gewändern und hie und da auch mit einem Kuss auf die Bibel.

„Wer feiern will, braucht Riten“, meinte Pfarrerin Moser überzeugt, „das lernen wir gerade wieder“. Als Beispiel nannte sie die Taufkerze, die zu Beginn ihrer Tätigkeit noch nirgends zu sehen gewesen sei, sich inzwischen aber wieder in den evangelischen Gottesdienst zurückgeschlichen habe. Katholiken feierten immer schon ein bisschen den Himmel, evangelische Christen stünden tendenziell immer eher unter dem Kreuz, formulierte Heidrun Moser, zum Christ-Sein gehöre aber beides.

Pfarrer Stahlberger betonte in seinem Part das Geschenk, das die evangelische Kirchenmusik allen Christen gemacht habe, und zwar nicht nur mit großen Komponisten wie Bach oder Schütz, sondern allgemein mit dem deutschen Kirchenlied in einer Zeit, in der die katholische Kirche noch ganz von lateinischen Texten geprägt war. Nicht zuletzt Luther selbst habe einen erheblichen Anteil zu diesem Liedgut beigetragen. Damit habe die Musik die Katholiken sozusagen zum Heiligen Wort hingeführt, habe es doch recht lange gedauert, bis die Exegese, die Auslegung der Bibeltexte also, in der katholischen Kirche überhaupt Anerkennung gefunden habe.

„Die Reformation hat uns das Wort wiedergegeben“, formulierte Stahlberger und ergänzte, früher habe allein die Predigt des Pfarrers in der Messe gegolten, die Bibel dagegen sei nur als Symbol angesehen worden, das Lesen darin aber war verpönt. Angestoßen durch die Reformation, habe das Wort Gottes viele Künstler beflügelt, aber auch viele große Denker seien aus evangelischen Pfarrhäusern hervorgegangen, wie er, so Stahlberger, überhaupt die evangelischen Geistlichen um ihre Familien und die Lebendigkeit in ihren Pfarrhäusern beneide. Auch Klischees aufzubrechen und den Glauben zu befreien gelinge in einer solchen Umgebung viel leichter, Katholiken würden oft stärker in Schemata verhaftet bleiben. Daher sei er froh, dass das neue Leitbild der Seelsorgeeinheit offen sei für Ökumene, und dass, wo die Kirchenleitung sich oft noch schwer tue, das gleiche an der Basis im gemeinsamen Bemühen bereits möglich sei.

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