Armer Görwihler Gemeinderat. Musste in der Sitzung letzten Montagabend verbal Prügel einstecken für etwas, was er mehrheitlich eigentlich ganz prima findet. Die von ihm beschlossene Hundesteuererhöhung um 100 Prozent flog ihm derart um die Ohren, dass keine rosarote Brille auf der Welt in der Lage gewesen wäre, die Sache schön zu malen.

Im Amtsblatt war sie Mitte November noch harmlos als „Anpassung der Hundesteuer“ angekündigt worden (wahrscheinlich, damit niemand die Lunte riecht), und jetzt hat sie sich zu einem dicken Hund entwickelt.

Einer, der zornig aufbegehrt. Der mit den Füssen stampft, bis der Boden wackelt. Die Hundehalter stellten eingangs der Sitzung unbequeme Fragen, sagten, was sie dachten, während der Bürgermeister tat, wofür andere ins Seminar gehen, nämlich sich in Ruhe und Gelassenheit üben.

Ein paar Konter hatte er auch auf Lager. Viele Bürger würden sich über die Entscheidung des Rates freuen, sagte er, es gab Gratulationen zur Hundesteuererhöhung. Rückendeckung bekam er aus den Reihen des Gemeinderates, zum Beispiel von Christian Denz, der seine im SWR genannte Zahl des zu entsorgenden Hundekots von zehn bis 13 auf 22,8 Tonnen pro Jahr nach oben schraubte.

22,8 Tonnen Hundekot! Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Norbert Lüttin ließ wissen, dass die Einnahmen der Hundesteuer für Mülleimer und Tütenspender drauf gehen, um dann zu verkünden, dass auch andere Steuern auf den Prüfstand kommen werden. So schafft man es, sich beliebt zu machen.

Schließlich Roland Lauber, der aus heiterem Himmel 200 Meerschweinchen ins Spiel brachte und dann den empörten Zuhörern zurief: „Sie können sich gerne als Kandidaten zur Verfügung stellen!“

Das war des Bellens zu viel. Die Gäste verließen nach 45 Minuten den Saal und manch einer dachte sich knurrend: Jaja, Herr Lauber, in einem halben Jahr ist Gemeinderatswahl. Wie auch immer diese ausgehen mag: Die 45 Minuten Hundesteuerdebatte hatten Einfluss auf das Jahresessen des Gemeinderates, das im Anschluss an die Sitzung um 20.30 Uhr hätte beginnen sollen.

Daraus wurde aber nichts. Denn die Gemeinderatssitzung endete mit über einstündiger Verspätung, woraus ersichtlich ist, dass nicht nur die Hundehalter schuld daran waren. Die Damen der Herren Gemeinderäte und die Herren der Damen Gemeinderätinnen mussten also lange warten, bis sie das Essen im Gasthaus „Adler“ in Niederwihl genießen durften. Und was hat es gegeben? Ganz viele leckere Sachen. Nur eines nicht: Hot Dog.


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