Der aus Potsdam stammende Ulf Schüler stellte im Rahmen des Görwihler Kultursommers am Mittwoch seine Skulpturen in der Kapelle in Rüßwihl vor und nach einer kurzen Wanderung präsentierten die ebenfalls in Potsdam lebende Adelheid Fuss und die heute in Bremen ansässige Anne Karen Hentschel in Tiefenstein Grafiken sowie die Gemeinschaftsarbeit an einem Relief. Cellist Dilshod Nazarov bot dazu an beiden Orten verschiedene Improvisationen, begleitet von Wencheng Lee auf der Trommel.

Den Kontrast von Unschuld und Aggression hatte sich Ulf Schüler zum Thema gewählt. Mit seinen „Tagträumen“, repräsentiert einmal in der Holzfigur eines kleinen Jungen, der gleichsam schwebend in seiner ganz eigenen Welt lebt, zum Anderen in einer kleinen Bronze, die eine Gestalt im Eisbärenfell darstellt. Der Eisbär, so Schüler, repräsentiere für ihn den Status unbewusster Aggressivität, die sich im Grunde nicht gegen etwas richte, sondern einfach angestaute Energien freilasse.

Die Person, die den Eisbärenkopf abgesetzt hat, hat damit auch die Aggression abgelegt. Zwischen diesen beiden Figuren hatte Ulf Schüler „die ganze Welt“ aufgebaut in Form von Köpfen, die er aus alten Backsteinen herausmeißelte.

Diese Köpfe, die Menschen unterschiedlicher Länder und Völker darstellen sollen, inspirierten den Cellisten zu einer musikalischen Reise von China über den Vorderen Orient bis nach Europa, wobei in seiner Improvisation ganz deutlich zunächst pizzicato Anklänge an das chinesische Idiom, dann orientalische Melodiefloskeln und am Ende weiche melancholische Linien und temperamentvolle Rhythmen zu unterscheiden waren, mit denen er die russische Seele und das spanische Feuer assoziierte.

Die Improvisationen in der Tiefensteiner Kapelle gaben der Trommel mehr Raum und glichen sich ihr mit eher rhythmisch gestalteten Cellopassagen an. Dort hatte Anne Karen Hentschels Grafikreihe „Fluss“ auf der Seite der Kapelle, die zum Bach hin liegt, ihren Platz gefunden, während Adelheid Fuss’ mit Alufolie als Druckmaterial arbeitende, Berge darstellende Grafiken mit dem Titel „Landschaft“ zur Bergseite hin aufgehängt waren. Und auch die Abstufungen in den Wänden der Kapelle schienen wie gemacht für die unterschiedlichen Stufen des Reliefs, das die beiden Künstlerinnen auf dem Boden ausgebreitet hatten.

Adelheid Fuss (rechts) und Anne Karen Hentschel präsentierten in Tiefenstein Relief und Grafiken.
Adelheid Fuss (rechts) und Anne Karen Hentschel präsentierten in Tiefenstein Relief und Grafiken. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Sie erzählten, dass diese Arbeit mit dem Titel „Stadtfinden“ eine während des gemeinsamen Studiums in Halle begonnene Gemeinschaftsproduktion von ursprünglich vier Künstlerinnen gewesen war, wobei sich jede einen Wahrnehmungsaspekt im Zusammenhang mit ihrer Stadt als Wohnort ausgesucht hatte, nämlich einmal die Orientierung quasi aus der Vogelperspektive anhand von Grundrissen, dann mit Hilfe von Kameraansichten beispielsweise von Fassaden, zum Dritten anhand von flüchtigen Begegnungen, Szenen im Vorübergehen sowie schließlich in Form von Darstellung der Empfindungen bei der Wahrnehmung des Raumes. Die zu diesen Wahrnehmungsaspekten entstandenen Bilder druckten sie auf Tonkuben unterschiedlicher Höhe, die sich beliebig anordnen und zueinander in Beziehung bringen lassen.