Seltsame Dinge geschehen im Albtal. Letzte Woche hängten beherzte Kommunalpolitiker und solche, die es werden wollen, drei neue Protestschilder bei der Absperrschranke an der Tiefensteiner Brücke auf.

Auf einem Schild war zu lesen: „Scoping (geht‘s auch deutsch?), eine weitere Umweltstudie beginnt. Es reicht! Macht die Straße auf“, auf einem anderen „Die Albtalstraße wurde gebaut für Menschen, nicht für Eidechsen. Straßen sind Verkehrswege, kein Biotop.“

Auf dem dritten Schild stand geschrieben: „4 Jahre Gutgutachten. Tolle Leistung. Die Schweizer würden sich kaputtlachen.“ Warum die Schweizer sich kaputtlachen würden, kann mehrere Gründe haben. Einer davon ist sicher das Wort „Gutgutachten“, von dem ein einigermaßen gebildeter Eidgenosse denken könnte, dass die Deutschen nicht mal Deutsch können, weil es doch Gutachten heißen muss. Was der Eidgenosse halt nicht weiß, ist der Umstand, dass Gutachten selten alleine kommen, sondern gern im Huckepack.

Aber eben: Kaum sind die Schilder aufgehängt worden, sind sie schon wieder weg. Fort, entfernt. Weil bei den Felsen, an denen sie prangten, sich neuerdings eine Baustelle mit schwerem Gerät und eindrucksvollerer Absperrung als nebenan befindet.

Dazu erklärt das Landratsamt auf Anfrage: „Es findet dort zur Verlegung des Backbone eine Spülbohrung unter der Erde statt. Eine oberirdische Verlegung ist hier nicht möglich, sodass unterhalb der Erde/Felsen vorgegangen werden muss, damit die Verbindung nach oben geführt und dort auf den Feldwegen weitergeführt werden kann.“

Ziemlich sicher bleibt die Baustelle übers Wochenende bestehen. Was ein Problem für die Salpetererbewegung Pro Albtalstraße sein könnte. Diese will heute um 15 Uhr ihrem Unmut über die Straßensperrung zwischen Tiefenstein und Hohenfels Luft verschaffen.

Was wiederum den ominösen Felsbrocken, der aufgrund seiner lotterhaften Existenz zur Straßensperrung geführt hat, sicher brennend interessiert. Denn er hat sich gemacht. Er ist nicht mehr nur ein Felsbrocken, sondern der Stein der Weisen. So steht‘s auf ihm mit blauer Farbe geschrieben.

Als Stein der Weisen hat er sicher auf viele Fragen eine Antwort. Zum Beispiel darauf, warum ausgerechnet jetzt, wenn sich Leute zum Protest versammeln wollen, eine Baustelle dazwischen kommt. Aber es sollte ihn keiner fragen, wie lange noch die Albtalstraße gesperrt bleibt. Das könnte ihn überfordern.


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