Der Name sagt es schon: Turmfalken lieben es, menschliche Bauwerke als Brutplatz zu nutzen – und zwar hoch oben. Doch einen eher ungewöhnlichen Ort für die Aufzucht des eigenen Nachwuchses hat ein Turmfalkenpärchen in Görwihl gefunden – in einem Nistkasten unter dem Dach eines alten Bauernhauses, der eigentlich für viel kleinere Vögel gedacht war. Der Vogelfreund Rolf Kravitz, der hier im Frühjahr 2004 hochgezogen ist, hatte damals 15 Nistkästen für Spatzen, Meisen und Amseln rund um sein Dach angebracht. „Ein Turmfalkenpaar, das am eigenen Haus brütet, ist wirklich etwas Besonderes“, sagt er. Für ihn sei das eine besonders große Freude.

Ein Turmfalkenpaar, das am eigenen Haus brütet, ist wirklich etwas Besonderes, findet Rolf Kravitz aus Görwihl.
Ein Turmfalkenpaar, das am eigenen Haus brütet, ist wirklich etwas Besonderes, findet Rolf Kravitz aus Görwihl.

Seit etwa zwei Wochen beobachtet er nun von seinem Gartenhäuschen aus das Treiben des Vogel-Paares rund um die etwa drei bis vier Jungen, die im Nistkasten heranwachsen. Das Haus liegt umsäumt von weiten Wiesen, was ein ideales Jagdrevier für die Vogel-Eltern darstellt, die fleißig etwa alle zehn Minuten mit neuem Futter für die Jungen anfliegen und mit lautem Geschrei willkommen geheißen werden. Sind die Jungen versorgt, schwingen die Eltern sich rasch wieder auf, um über den Wiesen zu kreisen auf der Suche nach Nahrung, bevorzugt Mäusen.

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Rudi Apel, der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Görwihl, schätzt, dass die Jungen bis in etwa einer Woche groß genug sein werden, um das Nest zu verlassen. Ungewöhnlich spät sei die Turmfalkenfamilie damit dran, meint er. Wahrscheinlich habe das Turmfalkenpaar lange keinen geeigneten Ort gefunden und schließlich den freien Nistkasten bei Rolf Kravitz bezogen. Gefährlich sei es allerdings für alle Jungvögel, hier aus dem Nest zu fallen; zwar werden sie weiterversorgt von den Eltern und verkriechen sich in den üppigen Büschen rund ums Haus, doch Katzen und Raubvögel lauern, schildert Apel die Risiken.

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Geht alles gut und werden die jungen Falken flügge, kehren sie abends immer wieder in das Nest zurück. „Und zu erwarten ist auch, dass im kommenden Jahr wieder Turmfalken hier Junge aufziehen werden“, sagt Apel. Rolf Kravitz freut sich jedenfalls darüber, denn als Mitglied des Schwarzwaldvereins sei er von Hause aus auch ein Naturfreund und besonders am Schutz von Vögeln interessiert.

Der Nabu-Görwihl hat auf der Gemarkung Görwihl einige Turmfalkennistkästen angebracht und beobachtet die Bruttätigkeit der kleinen Raubvögel. „Turmfalken sind vor allem Felsbrüter, die bevorzugt in Spalten und Höhlen brüten. Sie bauen keine Nester, nutzen gerne Nester anderer Vogelarten, wie beispielsweise von Krähen, oder aber nehmen unsere Nistkästen an“, sagt Rudi Apel.

Diese speziellen Falken-Nistkästen seien jedoch um einiges größer als der am Hause von Kravitz. Der Turmfalkenfamilie bei Rolf Kravitz aber scheint es dort zu gefallen und sie lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen, wenn sie vom Gartenhäuschen aus beobachtet wird und im Rampenlicht von neugierigen Blicken steht. Und Rolf Kravitz weiß ganz genau, wann sie sich zeigen und wann nicht. „Steht ein Auto etwa in der Einfahrt, bleiben sie weg, da wittern sie Gefahr“, hat er beobachtet.

Für Rolf Kravitz jedenfalls, dem seine Turmfalken ans Herz gewachsen sind, ist diese Vogelfamilie etwas ganz Besonderes und die Aussicht darauf, dass im nächsten Jahr wieder eine Turmfalkenfamilie hier einzieht, mache ihn überglücklich.