Für die geplante Zentralklinik im Landkreis Waldshut gibt es derzeit neun Bewerbungen aus acht Orten. Görwihl überrascht mit einem eigenen Standortvorschlag.

Bis vor einer Woche war offen, wie sich die Gemeinde Görwihl zu den bis dahin eingegangenen Standortvorschlägen für die geplante Zentralklinik im Landkreis Waldshut äußern will. Letzten Mittwoch überraschte Landrat Martin Kistler jedoch mit der Information, dass sich die Gemeinde Görwihl selber mit einem Standort auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche zwischen Oberwihl und Niederwihl im "Hart" bewirbt.

Die Entscheidung zur Bewerbung habe der Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung einstimmig gefasst, erklärte Bürgermeister Carsten Quednow. Das sich in Privatbesitz befindende Areal biete die nötigen Voraussetzungen für einen Klinikstandort, so Quednow. Dem Gemeinderat sei es dabei auch "ums Prinzip gegangen", fügte er hinzu. Quednow konkret: "Eine solche Standortsuche lebt von Vielfalt und geeigneten Alternativen." Doch wie ergeht es dabei Quednows Amtskollegen aus der Region? Und wo sehen sie den besten Standort für eine Zentralklinik?

Auf Anfrage dieser Zeitung hat Christof Berger, Bürgermeister der Gemeinde Herrischried, so auf die Görwihler Bewerbung mit dem Standort im "Hart" reagiert: "Aus Sicht der Herrischrieder und Görwihler Bevölkerung wäre dies sicher ein netter Standort. Aber es geht ja nicht nur um die Herrischrieder und Görwihler, sondern auch um die Jestetter und Bonndorfer.

Von daher ist es für mich fraglich, ob der Görwihler Standortvorschlag konsensfähig ist." Bergers Problem: Da er nicht im Kreistag vertreten ist, würden ihm relevante Fakten "aus erster Hand" fehlen. "Es wäre sinnvoll, wenn man etwas mehr wissen würde", sagte er. Und: "Erst wenn wir mehr Informationen haben, können wir das Thema im Gemeinderat qualitativ besprechen." Woran er sich stört: Dass die Standortfrage Geheimsache ist. "Das verstehe ich nicht auf den ersten Blick", so Berger.

Ähnliches Problem für Dietmar Zäpernick, Bürgermeister der Gemeinde Rickenbach: Auch er ist nicht im Waldshuter Kreistag vertreten, auch ihm fehlen relevante Informationen zur Standortdebatte. Deshalb "würde ich gerne noch abwarten", sagte er. Für eine Besprechung im Gemeinderat sei es noch zu früh, so Zäpernick, das können wir machen, wenn die wirklichen Daten da sind".

Immerhin: "Ich habe eine persönliche, private Meinung", erklärte Zäpernick, "ich bin für Albbruck". In eine ganz andere Richtung zieht es Janette Fuchs, Bürgermeisterin der Gemeinde Todtmoos. Auch sie ist nicht im Kreistag, hat jedoch eine klare Meinung: "Der nächste Standort ist logischerweise für mich Favorit", sagte sie. Und das wäre Wehr, weil "Wehr um die Ecke ist und topografisch für uns Todtmooser günstiger liegt als andere Standorte", so Fuchs. Sie werde das Thema vorerst aber nicht im Gemeinderat zur Diskussion bringen, erklärte sie.

 

Die Standorte

Für die geplante Zentralklinik im Landkreis Waldshut gibt es derzeit neun Bewerbungen aus acht Orten. Demnach gibt es mögliche Standorte unter anderem in Wehr-Brennet, beim Umspannwerk Tiengen und in Oberalpfen auf Gemarkung der Gemeinde Waldshut-Tiengen. Albbruck hat einen Standort am Rhein nahe der ehemaligen Papierfabrik, Görwihl zwischen Niederwihl und Oberwihl ins Spiel gebracht. Auch aus Dogern kommt ein Vorschlag. Zudem stehen Grundstücke in Weilheim und Wutöschingen zur Diskussion. Die Bewerbungsfrist endete am 9. Februar. Die Grundstückskommission des Landkreises Waldshut wird sich Ende März mit den eingereichten Vorschlägen beschäftigten. Der Kreistag wird diese Ergebnisse Mitte Mai bekanntgeben. Eine frühere Veröffentlichung hat der Kreistag letzte Woche abgelehnt.