Eine höchst vergnügliche und dabei noch ausgesprochen informative Einleitung zum sechsten Görwihler Kultursommer erlebten gut 50 begeisterte Zuhörer am Sonntagabend in der Görwihler Pfarrkirche mit dem Ensemble „Trio de la Plata“. Heike Ettingshausen (Bandoneon), David Alberts (Violine), und Corinna Liebler (Klavier und Moderation), präsentierten „Tango Argentino“. In seiner Begrüßung erklärte Pfarrer Bernhard Stahlberger, er wolle mit dem Konzert die Vorfreude auf den Kultursommer wecken, und tatsächlich waren stehende Ovationen des Publikums am Ende der Dank für diesen gelungenen Auftakt.

Höchst gelungene Vorfreude auf den Görwihler Kultursommer mit dem „TRio de la Plata“ aus Stuttgart
Höchst gelungene Vorfreude auf den Görwihler Kultursommer mit dem „TRio de la Plata“ aus Stuttgart | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Corinna Liebler erläuterte nicht nur die ehemals deutsche Herkunft des Bandoneons, des Instrumentes, mit dem der argentinische Tango heute auf der ganzen Welt verbunden wird. Sie berichtete auch über den sozialen Aspekt der Tangokultur. Die forcierte Einwanderungspolitik des europafreundlichen Argentinien um 1900 schlug völlig fehl, denn anstelle der erwarteten Künstler und Intellektuellen kamen aus Europa die Verlierer der industriellen Revolution, und der überwiegende Teil von ihnen blieb in den Hafenvierteln von Buenos Aires hängen. Das dort entstandene bunte Völkergemisch verständigte sich quasi in Form einer gemeinsamen, ihre Leidenschaft, ihre Verzweiflung, eben ihr ganzes Lebensgefühl ausdrückenden Musik, dem Tango.

Ventil sozialer Unruhen

Dieser Tango als Ventil verhinderte letztlich soziale Unruhen, wie sie in den Nachbarstaaten durchaus an der Tagesordnung waren. Die kraftvollen Rhythmen des Klaviers, teilweise vom Bandoneon unterstützt durch ruckartige, das Instrument im Staccato auf den Knien hüpfen lassende Akzente, dann wieder einer schmelzenden Geigenmelodie Raum gebend, waren einfach mitreißend. Der spezielle Charakter des Bandoneons kam besonders eindrucksvoll zur Geltung in Piazzollas berühmtem „Oblivion“, aber auch in den beschwingten Tango Vals-Titeln. Kraftstrotzend, höchst virtuos in seinem leidenschaftlichen Aufbegehren, erklang Piazzollas „Libertango“. Dass der Tango auch heute lebt, bewies das Trio mit drei modernen Tango-Kompositionen. Mit zwei spritzigen Milongas, oft als die „fröhlichen Schwestern“ des Tangos bezeichnet, in denen Corinna Liebler ihre Daumen bei rasanten Glissandi heiß laufen ließ, beschlossen die drei Künstler ihr grandioses Konzert.

Der Görwihler Kultursommer dauert von Samstag, 24. August, bis Sonntag, 1. September. Den Auftakt macht am Samstag um 20 Uhr die Eucharistiefeier zum Patronatsfest St. Bartholomäus mit dem Kirchenchor Görwihl und der Hotzenwald-Bauernkapelle sowie einer anschließenden Fackelprozession durch den Ort. Am Sonntag findet nach der Eucharistiefeier in Herrischried um 11 Uhr die Eröffnungsmatinée statt mit der „Fliegenden Tuba“ von Ping Qui und frühmittelalterlichen Gesängen von Juliane Brittain, begleitet von Wolfgang Dais. Abends um 19 Uhr folgt, wiederum in Görwihl, Gesang, dann aus dem Frankreich des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, mit Klavierbegleitung von Christoph Hoffmann. Dazu zeigt Boris Ferreira Zeichnungen aus seinem eigens für den Kultursommer gestalteten Görwihl-Zyklus.