Das Wasser hat im Hotzenwald schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Davon zeugen die heute noch existenten Wuhre, die künstlich angelegten Wasserläufe, die wegen ihrer Bauweise und Funktion als einmalige Kulturgüter in Deutschland gelten. Nach heutigem Stand der Forschung wird davon ausgegangen, dass die drei Hotzenwälder Wuhre (auch Wühren genannt) – das Heidenwuhr, das Hochsaler Wuhr und das Hännemer Wuhr – im 11. oder 12. Jahrhundert angelegt worden sind. Deren Bau wurde vermutlich hoheitlich verfügt und umgesetzt. Die Wuhre stellten hohe Ansprüche an ihre Erbauer: Ihr Gefälle darf nicht zu groß sein, um Schädigungen der Seitenwände und der Sohle zu verhindern. Andererseits soll das Gefälle nicht zu gering sein, um Ablagerungen zu vermeiden. Deshalb muss die Strömungsgeschwindigkeit des Wassers etwas höher als 35 Zentimeter pro Sekunde sein.

Die Wuhre dienten den Hotzenwälder Bauern zur Bewässerung ihrer Wiesen – etwa im Frühjahr, um den Schnee abzuschmelzen, die Wachstumsperiode früher beginnen zu lassen und den Heuertrag zu vergrößern. Das Abschmelzen des Schnees erfolgte mit einem großen Wasserschwall: Bei einem angestauten "Schwallweiher" wurde das Stauwehr weggenommen und so schnell eine große Wassermenge in spatenbreite Wuhrgräben geleitet. Damit das Wasser nicht fest fror, wurde danach die Wiese kontinuierlich weiter überrieselt. Die Wuhre wurden aber auch für den Betrieb von Sägmühlen wie in Egg oder der mittelalterlichen Hammerschmieden in Laufenburg.

Über den Zeitpunkt des Wuhrenbaus gibt es keine verlässlichen Angaben. Roland Weis, Autor von kulturhistorischen Büchern, stellt in seinem Buch "Magisch – Mystisch – Megalithisch" die These auf, dass die Wuhre weder von mittelalterlichen Herrschern, noch von Mönchen, Alemannen oder Römern gebaut worden sind, sondern noch weiter zurück von den Kelten. "Das würde jedenfalls das völlige Fehlen jeglicher schriftlicher Belege und Zeugnisse zu Bau und Entstehung der Wuhre erklären", meint Weis, "denn die Kelten hinterließen generell nichts Geschriebenes". Auch Rudolf Metz, Autor des Buches "Geologische Landeskunde des Hotzenwaldes", legt sich nicht auf einen Zeitraum fest. Immerhin: "Da die Hammerschmieden, zu deren Betrieb das Wasser aus den Wuhren benötigt wurde, schon 1207 genannt sind, müssen auch die Wuhren schon damals bestanden haben", so Metz.

Das Heidenwuhr führt nicht nur durch den Wald, sondern auch – wie hier bei Bergalingen – über Wiesen. Bilder: Peter Schütz | Bild: Fricker, Ulrich
Klar ist, dass das eindrucksvolle Kanalsystem eine Besonderheit in der Kulturgeschichte des südlichen Schwarzwaldes – auch in Berau gibt es ein rund acht Kilometer langes Wuhr – darstellt. Rickenbachs Alt-Bürgermeister und heutiger Vorsitzender des Schwarzwaldvereins Georg Keller bezeichnet zum Beispiel das Heidenwuhr als "Kulturdenkmal". Die Gemeinden, durch die die Wuhre verlaufen, halten noch heute an deren Pflege fest. Die "Wührebachgenossenschaft Hänner-Laufenburg" mit knapp 50 Mitgliedern ist für das Hännemerwuhr zuständig. Bachobmann ist Wolfgang Vögtle. Etwas nördlicher ist der "Wasser- und Bodenverband Hochsaler Wühre" für ebendiese zuständig. Vorsitzender ist Klaus Boenke. Ihm stehen vier Wührenwarte aus Hogschür, Oberwihl, Hottingen und Rotzel zur Seite.

Ein Teil der Hochsaler Wühre führt nicht das ganze Jahr, sondern nur von April bis Dezember Wasser. An Nikolaus wird der Zulauf von der Murg bei der Hetzlenmühle in Herrischried mit einer Stauschwelle gestoppt. Erst bei Oberwihl führt die Hochsaler Wühre auch im Winter wieder Wasser, weil sie dort vom Seltenwuhr gespeist wird. Was Ende der 1990er Jahre dazu führte, dass die Wühre zwischen Rotzel und der Wintersäge südlich von Oberwihl übers Ufer trat und eine Überschwemmung auf der Landestraße verursachte – die völlig vereist war und für den Verkehr gesperrt werden musste.

Die Wührenaufseher zeigen Umsicht, indem sie dafür sorgen, dass Hindernisse, die zum Überlaufen der Wühre führen können, schnell beseitigt und kleinere Schäden in den Bachläufen behoben werden. Davon profitieren die Wiesenbesitzer, Gefällenutzer und Fischteichbesitzer, die das Wasser der Wühren wirtschaftlich nutzen. Sorge bereitet dem Wasser- und Bodenverband Hochsaler Wühre die verbotene Nutzung des Wührewassers. So ist es schon vorgekommen, dass ein Anlieger aus Hogschür sein eigenes Schwimmbad mit Wührewasser befüllt hat, ein anderer hat seinen Rasen damit bewässert. "Das ist nicht gestattet", stellt Klaus Boenke klar, "erlaubt ist nur, der Wühre Wasser mit einer Gießkanne zu entnehmen".

Drei große und einige kleine Wuhre

  • Wuhre: Der Name "Wuhr" ist wahrscheinlich aus dem Mittelhochdeutschen hergeleitet. "Wuor" oder Wuore" bedeutet "ein Damm zum Ableiten von Wasser", im alemannischen Sprachgebrauch ist dies die Bezeichnung für Kanal. Die Wuhre sind hauptsächlich zur Wiesenbewässerung sowie für Gewerbebetriebe von Menschenhand angelegt worden. Sie dienen Fischen, Krebsen und anderen Lebewesen sowie Pflanzen als Lebensraum. Die Wuhre haben in der Regel einen rechteckigen Querschnitt. Sie sind, je nach Bedeutung, zwischen 0,3 und 1,4 Meter breit und 0,2 bis 0,7 Meter tief. Der Hotzenwald weist drei große und einige kleinere Wuhre auf.
  • Heidewuhr: Das Heidenwuhr im Westen leitet das Wasser über eine Länge von rund 14 Kilometer nach Bad Säckingen. Seine erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1457.
  • Hänner Wuhr: Im Hotzenwald fließen zwei weitere Wuhre ins Rheintal: das Hännemer Wuhr, auch Hänner Wuhr genannt, und das Hochsaler Wuhr. Diese Wuhre werden heute noch wirtschaftlich genutzt. Das Hännemer Wuhr beginnt beim Energiemuseum in Hottingen (Gemeinde Rickenbach), leitet das Wasser aus der Murg ab und führt es über eine Länge von elf Kilometer nach Laufenburg in den Rhein. 1477 wird es zum ersten Mal urkundlich erwähnt.
  • Hochsaler Wuhr: Das längste Wuhr ist das Hochsaler Wuhr im Osten des Hotzenwaldes: Mit Seltenwuhr und Rotzler Wuhr kommt es auf 19 Kilometer. Es verläuft durch Herrischried, Rickenbach, Görwihl und Laufenburg. Zunächst speist es sich aus der Murg und wird später über das Seltenwuhr mit Wasser aus dem Einzugsgebiet aus der Alb verstärkt. Vor allem über das Rotzler Wuhr wurden die Wasserräder der Hammerschmieden und Mühlen in Laufenburg, unterwegs auch Mühlen und Sägewerke, mit Wasser versorgt. Der erste urkundliche Hinweis stammt aus dem Jahr 1453.