Mit „Liedern zur Sommerzeit“ gastierten Sopranistin Juliane Brittain, Lautenist Wolfgang Dauss und Akkordeonist Roman Lemberg in der Görwihler Kirche. Nicht nur der Reiz der ungewohnten Besetzung, sondern auch die Tatsache, selten Gehörtes aus der Feder der beiden Italiener Bellini und Donizetti genießen zu können, machten dieses Konzert zu einem besonderen Erlebnis.

Historisch unmöglich

Das Trio hatte sich für die historisch unmögliche Kombination der zu Zeiten der beiden Komponisten schon im Niedergang befindlichen Laute und des damals noch nicht erfundenen Akkordeons entschieden. Der gefühlsbetonte musikalische Ausdruck, der dadurch möglich wurde, gab ihnen recht.

Sehnsucht und Liebe

Lieder rund um die bevorzugte Thematik „Sehnsucht und Liebe“ versprach Roman Lemberg, der durch das rein italienische Programm führte. Obwohl die beiden Protagonisten hauptsächlich als Opernkomponisten bekannt seien, habe das Trio keine Opernarie mitgebracht. Stattdessen hatte es eine Reihe von Liedern ausfindig gemacht, die, teilweise ebenso dramatisch wie Opernarien, jeweils kleine, in sich abgeschlossene Einheiten bilden.

Instrumentalstücke als Auflockerung

Als Auflockerung spielten Laute und Akkordeon zwei Instrumentalstücke, ein Donizetti zugeschriebenes gefühlsbetontes neapolitanisches Lied mit gut nachvollziehbarer Periodik sowie einen spanischen Tanz aus der Feder Rossinis mit markantem Wechselbass in der Laute und subtil getupften Akkorden der linken Hand auf dem Akkordeon. Zu ihnen gesellte sich die nach und nach immer schneller werdende und in rasendem Staccato endende Melodie der rechten Hand hinzu.

Lieder von Bellini

Juliane Brittain interpretierte mit ihrer dunkel timbrierten Sopranstimme zunächst Lieder Bellinis. Darunter war ein fröhlich-aufgeräumtes Stück über den schönen Tod einer Rose, die im Ausschnitt der Angebeteten ihre letzte Ruhe findet. Außerdem ein Lied, das überschwänglich die Melancholie der ersehnten ländlichen Einsamkeit preist. Lyrisch fließend bedeckte der Mond die Szene mit seinem Silberschein, alles passend begleitet, mal mit den typischen Akkorden der Laute als traditionellem Liebesliedbegleiter, dann wieder mit sehnsuchtsvollen Seufzern des im Ausdruck äußerst flexiblen Akkordeons.

Porträt einer Zigeunerin

Temperamentvoll wurde es schließlich bei Donizettis Lied der spanischen Zigeunerin, die feurig tanzt und impulsiv ihre Künste des Handlesens anpreist, um sie dann lyrisch werbend an einem möglichen Liebhaber zu erproben. Im beschwingten Dreiertakt schließlich besang Donizetti und mit ihm Juliane Brittain den Bau eines Hauses, zusammengefügt aus Gold, Pfauenfedern und Sonnenstrahlen.

Volkslied als Zugabe

Als Zugabe präsentierte das optimal aufeinander eingespielte Trio ein neapolitanisches Volkslied. Die romantische Serenade „Marechiaro“ spielt auf das Fenster eines Hauses in dem Vorort von Neapel an, an dem ein Fischer jeden Abend vorbeikam, wenn er an Land ging, um in die strahlenden Augen seiner Liebsten zu schauen.