Nach aktueller Einschätzung der genau vor einem Jahr gegründeten Waldgenossenschaft Südschwarzwald ist derzeit die Waldbewirtschaftungslage noch dramatischer als nach dem Jahrhundertorkan „Lothar“, der an Weihnachten 1999 im Südwesten einen großen Sturmwurf verursachte. Zum Erscheinungsbild des Hotzenwaldes gehören daher seit Monaten die zahlreichen an Wegrändern oder Waldplätzen gelagerten Stammholzmengen.

Holz bleibt länger liegen

Sie machen die schwierige Lage deutlich, in der sich seit dem Sommer viele Waldbesitzer wie Verkaufsorganisationen und auch Sägewerke befinden. „Für die im Hotzenwald angefallenen großen Sturmwurfmengen konnten damals noch verschiedene Absatzmöglichkeiten in Europa und in Asien gefunden werden – das war im vergangenen Jahr aber viel schwieriger.

Somit blieben im Wald die nach dem Sturm „Burglind“ und dem später folgenden Borkenkäferbefall eingeschlagenen Holzmengen so lange liegen“, berichtet der frühere Görwihler Förster Stefan Rehm. Er kümmert sich heute bei der Waldgenossenschaft um den Holzverkauf aus den zahlreichen Privatwaldbeständen des Hotzenwaldes.

Anders als beim Orkan Lothar gab es im vergangenen Jahr auf größeren Flächen nicht nur in Deutschland große Sturmwurfschäden, zu denen noch die Schäden durch den Borkenkäferbefall hinzukamen. Der Klimawandel, so verweist Rehm auf die Untersuchungen der Freiburger Forstlichen Versuchsanstalt, zeigt überall seine Wirkung. Nachdem in mehreren europäischen Ländern die Holzeinschlagsmengen 2018 drastisch stiegen, wurde auch der Holzabsatz trotz florierender Wirtschaftslage schwieriger.

Probleme bei Sägewerken

Hinzu kam, dass Sägewerke den im vergangenen Jahr gegenüber Normaljahren verdoppelten Holzeinschlag nicht verkrafteten. Die Erhöhung von Sägekapazitäten wird nach Mitteilung Rehms aber auch durch Personalmangel erschwert.

„Es ist heute schon schwer, einen normalen Schichtbetrieb aufrechtzuerhalten und hinzukommen noch die zunehmenden Betriebsbehinderungen durch Arbeitskämpfe“, informierte Rehm mit dem Zusatz, dass die derzeitigen Gelbwestenaktionen in Frankreich auch Auswirkungen auf den Absatz von Rundholz aus dem Hotzenwald haben.

Preisabfall für Rundholz

Größere Sägewerke und französische Wirtschaftsunternehmen, die deutsches Holz aufkaufen, seien von den Streikbewegungen betroffen. Stabile Absatzmöglichkeiten gebe es immerhin in China, was aber für die Waldbesitzer die Erlöse mindert, weil die Transportkosten hoch sind. Alle Faktoren zusammen hätten zu einem enormen Preisabfall für das Rundholz geführt.

Mit dem früheren Preis von 80 Euro pro Festmeter eines normalen Holzsortiments können Hotzenwälder Waldbesitzer nicht mehr rechnen. Für das sogenannte B-Holz, zu dem auch das vom Käfer befallene Rundholz gehört, erhalten die Eigentümer künftig sogar nur noch 30 bis 35 Euro pro Festmeter.

„Für unsere Waldgenossenschaft, die ja vor allem zur Stützung der vielen kleinen Privatwaldbesitzer gegründet wurde, ist diese Situation, die auch noch keinen Silberstreif am Horizont erkennen lässt, sehr betrüblich“, betonte Rehm, der wie die Hotzenwälder Forstwarte in diesem Jahr mit viel Käferholz rechnet, weil die Schädlingspopulation sehr groß ist.