Knapp zwei Wochen vor der Wahl des 19. Deutschen Bundestages fühlte das "Podium uffm Wald" am Montagabend fünf von acht Bewerbern um ein Direktmandat aus dem Wahlkreis 288 auf den Zahn.

Geschäftsführer Daniel Poznanski (FDP, 46) aus Bonndorf, Rechtsanwältin Martina Nicola Böswald (AfD, 50) aus Staufen im Breisgau, Unternehmer Ulrich Martin Drescher (Grüne, 64) aus Kirchzarten, Kinderarzt Lothar Schuchmann (Die Linke, 77) aus Freiburg sowie die amtierende Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD, 54) aus Lauchringen standen an der von rund 100 Personen gut besuchten Veranstaltung im Görwihler Pfarrsaal Rede und Antwort zu verschiedenen Themen. Mit dabei war außerdem Gabriele Schmidt als Vertreterin des derzeitigen Landtagsabgeordneten Felix Schreiner (CDU, 31) aus Lauchringen.

Die Christdemokratin Schmidt ist seit 2013 die zweite Bundestagsabgeordnete aus dem Kreis Waldshut, verzichtet jedoch auf eine erneute Kandidatur. "Ich bleibe aber ein politischer Mensch", erklärte sie an der von Peter Keck und Karl-Heinz May moderierten Diskussion. Die sich unter anderem um die Bildungs- und Rentenpolitik drehte. "Da ist noch lange nicht alles abgedeckt, was relevant ist", sagte Karl-Heinz May, "wir werden nicht in die Tiefe kommen". Man werde aber Unterschiede herausarbeiten und eine Hilfestellung für die Bundestagswahl am 24. September leisten können, so May.

Der Haken bei der Podiumsdiskussion war die Zeit. Zwar hatten sich die Moderatoren pro Themenblock eine Viertelstunde vorgenommen und um "kurze Antworten" gebeten, aber das haute aufgrund des immensen Redebedarfs mancher Podiumsteilnehmer wie Lothar Schuchmann und Martina Böswald nicht hin.

Die Diskussion brachte außer großer Meinungsverschiedenheiten auch Spannungen zwischen einzelnen Kandidaten zu Tage. Insbesondere Rita Schwarzelühr-Sutter und Martina Böswald waren sich nicht grün und fielen sich manchmal gegenseitig ins Wort. Dennoch blieb die Diskussion weitgehend sachlich, was sicher auf die gute Vorbereitung der beiden Moderatoren zurückzuführen war.

Die Hilfestellung für die Wähler funktionierte besonders beim Thema "Rentenversicherung" gut, weil es aufzeigte, wie viele Ideen mit unterschiedlichem Potenzial derzeit im Raum stehen. "Wir müssen länger arbeiten, auch wenn es uns nicht schmeckt", fand Daniel Poznanski, der zudem um einen "je nach Beruf flexibleren Renteneintritt" warb. Gabriele Schmidt bemerkte, "dass wir heute eine bessere Situation in der Rentenversicherung haben als vor fünf Jahren vorhergesagt worden ist". Was Martina Böswald so konterte: "Es ist ein heilloses Durcheinander in der Rentenversicherung" und "Die reichste Volkswirtschaft Europas schickt ihrer Rentner in die Altersarmut".

Ulrich Martin Drescher erklärte sich als Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens, während Rita Schwarzelühr-Sutter darauf hinwies, "dass Frauen einen generell niedrigeren Lohn haben, da kommt bei der Rente dann weniger raus". Einen Konsens gab es lediglich bezüglich des Kooperationsverbotes, wonach Bund und Länder im Bereich der Bildung nur in eng umrahmten Ausnahmefällen miteinander kooperieren dürfen. Dieses Verbot gehöre abgeschafft, forderten die Podiumsteilnehmer übereinstimmend.