Es hat ja lange gedauert, aber am Narrenratsabend am Donnerstag in Rüßwihl wurden endlich Nägel mit Köpfen gemacht: Rüßwihl erklärte sich autonom und unabhängig von der Gemeinde Görwihl. Ein mutiger Schritt in eine Zukunft voller Hoffnungen, aber auch Ungewissheiten, den der seines Amtes enthobene Bürgermeister aus sicherer Entfernung sicher mit Argwohn beobachten wird. Zumal ja auch schon ein anderes, seit über 40 Jahren zu Görwihl gehörendes Dorf die Eigenständigkeit ausgerufen hat: Oberwihl. Das ist zurzeit auf gelben Ortsschildern im Ort nachzulesen. Darauf steht: „Hexe City – Freistaat Oberwihl“. Nun ist ja bekannt, dass es in Oberwihl einige Kaiser gibt. Die müssen sich jetzt einig werden, wer der alleinige echte Kaiser ist. Vielleicht gibt es noch einen König, der dann über dem Kaiser steht. Natürlich gibt es noch andere, ebenso bedeutende Herren, die Ansprüche auf den Thron erheben könnten, wie Mutter, Denz, Menzel oder Maier. Aber es kann halt nur einen geben, und wenn es trotz allem keinen gibt, gibt es vielleicht eine Sie. Mann ist heutzutage ja nicht so pingelig. Auch in Rüßwihl wird man sich Gedanken machen, wer künftig die Regentschaft übernimmt. Auch dort gibt es Kaiser, König und Mutter, außerdem ganz viele, die auf den Namen Eschbach hören. Die nächsten Tage werden also spannend. Entspannt darf nur der Bürgermeister auf die Geschehnisse in den beiden südlichen Enklaven gucken, denn er weiß, dass der Spuk schon nächste Woche ein Ende hat. Kuschen wird danach zwar niemand, aber wer weiß, vielleicht wird’s zwischendurch unverhofft mal ein bisschen kuschelig. Zum Beispiel im Hallenbad bei einem gemeinsamen Quietschentenplausch.

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