Eine ansehnliche Runde war in die Görwihler Kirche gekommen, um Pfarrer Stahlberger zum Geburtstag zu gratulieren und das Jazzkonzert zu hören, zu dem er als Dank an die Kirchengemeinde eingeladen hatte, die stets ein offenes Ohr für sein Engagement im Rahmen des Görwihler Kultursommers zeigt. Zu Gast war an diesem Abend – als Weltpremiere sozusagen – die Gruppe „Ursa Major„ um den in Görwihl bereits bestens bekannten Bassisten Jonas Hoenig.

Die Gruppe „Ursa Major„, bestehend aus Trompeterin Karin Stock, Keyboarder Jens Fritz, Schlagzeuger Oliver Felbinger und eben Jonas Hoenig, diesmal am E-Bass, gab in Görwihl ihr erstes gemeinsames Konzert, bevor sie demnächst in Freiburg auftritt. Dabei versprach sie mit ihrem ganz eigenen Stil, den sie SpaceJazz nennt, den Zuhörern eine musikalisch-interstellare Reise zum großen Bären, nach dem sie ihr Ensemble benannt hat.

Manche der unter Verwendung verschiedener Effektgeräte erzeugten, wirklich sphärisch anmutenden Klänge schienen wirklich den Raum in ungeahnte Weiten zu öffnen. Vor allem Jens Fritz ließ sein Keyboard mal klingen wie ein Xylophon, mal wie eine Glasharmonika. Schlagzeuger Oliver Felbinger brachte mit kraftvollen Schlägen die Zuhörer auf die Erde zurück, beherrschte aber auch die leisen Töne, wenn er etwa zum weichen Flügelhornsound von Karin Stock seine Besen sanft über Becken und Trommel gleiten ließ.

Jonas Hoenig schließlich, der wie immer einige Eigenkompositionen ins Programm genommen hatte, könnte mühelos mit seinem E-Bass auch ein vollkommen solistisches Programm bestreiten, so spielerisch leicht wechselte er von den sich wiederholenden Begleitfloskeln zu virtuosen Läufen und übernimmt auch zwischendurch gerne mal die Melodiestimme.

In diesem Ensemble, so jung es noch ist, sind alle vier Musiker optimal aufeinander eingespielt. Abrupte Wechsel zwischen den treibenden Beats von Bass und Schlagzeug einerseits und geradezu meditativen Legatobögen des Flügelhorns andererseits, gepaart mit Echo- und Schwellereffekten, ergänzen die reizvolle Vielfalt der mitunter ganz zart traumverlorenen Passagen zum Weltraumsound.

Natürlich gehört zum Großen Bären auch der Kleine Bär, wenngleich letzterer im Falle von „Ursa Major„ zuerst da war, wie Jonas Hoenig verriet. Der Titel eines seiner Stücke nämlich lautet „Ursa minor“, und als die Vier einen Namen für ihre Band gesucht haben, bekam der Kleine Bär, den sie zu Beginn mit Begeisterung einstudiert hatten, ganz selbstverständlich seinen großen Bruder. Entsprechend durfte „Ursa minor“ auch in diesem Programm nicht fehlen. Bei der Zugabe gesellte sich spontan wie erfolgreich Cellist Dilshod Nazarov, der ebenfalls als Gratulant aus Freiburg angereist war, zu den vier Instrumentalisten hinzu.