Die beiden Organisten boten ein abwechslungsreiches Programm, das Hansfrieder Zumkehr noch dadurch bereicherte, dass er an einigen Stellen zum Akkordeon griff.

Der Abend begann mit einer Fantasie von Adolph Friedrich Hesse, bei der die Strittmatter Orgel teilweise klanglich an die großen Welte-Mignon Philharmonie-Orgeln erinnerte, die für die riesigen Luxusliner wie die Titanic oder deren Schwesterschiff, die Britannic, gebaut worden waren, mit wirklich sinfonisch anmutender Klangfülle. Das folgende Präludium mit Fuge von Johann Georg Albrechtsberger nutzte die vierhändige Anlage hauptsächlich zur Kontrastierung von Melodie und Begleitung in Form von Laufwerk einerseits und kurzen Akkordtupfern andererseits.

Franz Schuberts Fuge e-moll hingegen hatte sich eine enorme Satzdichte zum Ziel gesetzt, wobei die vielfach ineinander verwobene polyphone Anlage zu einer frappanten Hörwirkung gleichzeitigen Zusammenfallens des Klanggebäudes bei auseinanderstrebender Bewegung der Außenstimmung führte. Johann Baptist Vanhals Sonatine setzte spielerisch zunächst ein befehlshaberisch auftrumpfendes und ein zurückhaltend lyrisches Motiv einander gegenüber und schmückte am Ende dank der beiden zusätzlichen Hände die Verarbeitung des kompositorischen Materials mit allerlei aparten Trillern und kleinen Verzierungen aus.

Bei den folgenden beiden Stücken, einer „Voluntary“ von John Stanley sowie einer „Sonata“ von Giovanni Bernardo Zucchinetti, griff Hansfrieder Zumkehr anstelle an der Orgel Platz zu nehmen, zum Akkordeon, was den beiden, nach dem Frage-Antwort-Prinzip aufgebauten Stücken, einen zusätzlichen klanglichen Reiz verlieh, indem immer abwechselnd ein Instrument die Phrase des vorausgegangenen übernahm.

Im nächsten Programmblock präsentierten sich die beiden Organisten je einzeln. Zunächst interpretierte Christa Wetter eine alte Tanzsuite eines anonymen Komponisten der Renaissance, wobei sie durch die geschickte Registrierung einmal eine Spielmannstruppe mit schnarrender Drehleier und Schlagwerk vor das geistige Auge der Zuhörer zauberte, einmal eine Hirtenschalmei hören ließ, und auch eine flotte „Ungarescha“ intonierte, die als pfiffiger Vorläufer von Mozarts berühmter „alla turca“ verstanden werden könnte.

Hansfrieder Zumkehr bot zwei höchst amüsante Stücke des 1955 geborenen Andreas Willscher dar, einen genial ein gregorianisches Te deum einbauenden echt feurigen „Tango da chiesa“ sowie eine „Toccatina“ mit beinahe jazzigem gegenrhythmischem Drive.

Weitere Höhepunkte auf der Programm-Hitliste waren die beiden abschließenden Werke, das suitenähnliche „ländliche Hochzeitsfest“ von Franz Adolf Berwald sowie die Bearbeitung von Edward Elgars berühmtem Marsch Nr. 1 (Land of Hope and Glory) aus seinem fünfteiligen „Pomp and Circumstances“.

Stehende Ovationen des Publikums waren die Reaktion. Als Zugabe kredenzte Hansfrieder Zumkehr noch den Lieblingsmarsch von Pfarrer Bernhard Stahlberger, ein Stück des 1904 in Kent geborenen Nicholas Choveaux, das er eigens noch vor dem Konzert schnell einstudiert hatte.