Nicht als roter Faden, sondern eher als ein dickes buntes Seil, zieht sich die Kunst in etlichen Konstellationen durch das Leben von Marcel Wagner. Der heute 54-jährige gebürtige Schweizer Künstler mit deutschem Pass, der sich auch als „Master Coffee“ bezeichnet, hat sich seit 2010 ganz der Kunst verschrieben. Er lebt seit 2014 in Strittmatt. Sein Markenzeichen ist das Malen mit Kaffee.

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Marcel Wagner ist als Künstler kein Spätberufener, denn schon in seiner Jugend entdeckte er sein kreatives Talent. Intensive Kontakte zu Künstlern und Aufenthalte in Künstlerateliers formten seine Begabung. Dennoch dauerte es etliche Jahre und intensive private Lebensabschnitte aber auch berufliche Stationen im Beriech der Kunst-, Mal- und Gestaltungstherapie, bis er sich ganz dem kreativen Tun hingab. „Die ersten 50 Lebensjahre war es Hobby, die zweiten 50 Jahre widme ich mich aktiv der Kunst und die dritten 50 Jahre bin ich pensioniert“, erklärt Wagner mit einem Augenzwinkern.

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Eigentlich sei es gar nicht so ungewöhnliches mit Kaffee zu malen, berichtet Marcel Wagner. Denn Kaffee ist ein organischer Stoff und es sei eine alte Technik, mit natürlichen Pigmenten aus organischen Stoffen Kunstwerke zu schaffen. Als Beispiel nennt Wagner die Freskomalerei, die bereits in der Antike entstand. Aber auch Buch-Illustratoren im Mittelalter wandten diese Technik an. Um diese Pigmente auf dem Bildträger zu fixieren, sind Bindemittel nötig, Wagner verwendet dazu meist Eiweiß. Allerdings lässt Wagner nicht allzu tief in die Geheimnisse des Prozesses der Herstellung seiner Malmittel blicken. Viele Experimente waren notwendig, bis er seine Farben so hatte wie er es sich vorstellte.

Künstler erkundet den Menschen

Obwohl in der Wahl der Technik und der Farben nach seinen Aussagen eher nichts Ungewöhnliches ist, sind seine Werke in einer Ei-Tempera-Technik auf Leinwand und nicht zufällig ausgewählten Zeitungsseiten dennoch etwas ganz besonderes. Marcel Wagner erkundet in seinen Arbeiten den Menschen. Körper und Gesichter zeigt er als Ausdruck der Seele. Dabei gelingt es ihm diese in gekonnt zeichnerischer und malerischer Art in einer Ton-in-Ton-Malerei ästhetisch auf die Leinwand zu bringen. Die Freude beim Malen steht für ihn im Vordergrund seines Tuns. Aber auch die Begegnung und die Auseinandersetzung mit Betrachtern und Künstlerkollegen sind ihm wichtig.

Mobile Kunst-Kaffee

„Ich brauche die Konfrontation“, betont er. Als Künstler will er heraus aus der „Kuschel-Komfort-Zone“, wie er erklärt. Und wenn die Menschen nicht zur Kunst kommen, dann bringt er die Kunst zu den Menschen. Dies geschieht mit einem seiner jüngsten Projekte, dem mobilen Kunst-Kaffee. Dabei zeigt er an nur einem Tag in öffentlichen Räumen, beispielsweise in Cafés, seine Werke und lässt sich direkt vor Ort beim Malen zuschauen. Diese Begegnungen sind für ihn, natürlich bei einer Tasse Kaffee, ein großer Genuss, wie er betont.

Ausstellung: Bis zum Sonntag, 14. Juli, sind Arbeiten von Marcel Wagner im Café „Stellwerk“ in Waldshut täglich, außer Montag, zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.