Wenn der Anwalt keinen Bock zur Arbeit hat, dann steckt vielleicht das fatale Seniorentheater unter Leitung und Regie von Rita Maier dahinter? Hier werden Märchen einmal anders präsentiert in ironischer, fataler Interpretation. Die Zuschauer erlebten im Görwihler Pfarrsaal einen unterhaltsamen Märchenabend mit der Seniorengruppe aus Waldshut.

Um was geht es? Die Zuschauer wurden zu Beginn mit einem Poetry Reim in die Geschehnisse der Märchenfiguren eingeführt, der auch „Recht“ endete. So fanden sich die Märchenfiguren beim frühstückenden Anwalt ein, um ihr Recht zu bekommen. Der jedoch versuchte seine Unlust mit Wurst und Bier zu überwindet. Die Fischersfrau Ilsebill (Ulrike Müller) wollte die Scheidung, um aus ihrer trostlosen Einsamkeit mit dem ewig fischenden Mann, der die Überfischung des Meeres nicht wahrhaben will, zu entkommen. Ihr Recht wollten auch Hänsel und Gretel (Marlies Biema und Walter Rüttimann) einfordern – und zwar für die Aussetzung durch ihre Eltern. Der Anwalt (Rolf Bendel) war überfordert von dem ewig auf seiner Couch schlafenden Dornröschen (Konstanze Siebler), das nach dem 99-jährigen ihr Recht gegen die böse Stiefmutter einforderte. Doch nicht genug, wollte die gute Fee (Marlies Biema) ihr Anrecht auf Hartz 4 erklagen, da sie mittellos dasteht und doch jedem Hilfe anbietet. Dabei hilft ihr der Zauberstab nämlich nicht. Kissenschüttelnd tauchte auch Frau Holle auf und wollte die faulen Jungfern zur Arbeit bringen. Der Müllersohn forderte lautstark seine Rechte. Sofort erschien der Zauberstab der Fee und zaubert ihm einen helfenden Knüppel im Sack. Die Hexe, Edelgard Bär, hatte sich zur Altersvorsorge ihr Lebkuchenhaus gebaut und beklagte die durch die Jugend herausgeknabberten Lebkuchen an ihrem Häuschen. Ja, diese Jugend.

Und das Publikum? Das hatte die auf jedem Stuhl liegenden Golddukaten bereits vor Spielbeginn verspeist – dabei war noch ein Spiel mit ihnen geplant. Doch Regisseurin Rita Maier nahm‘s gelassen und führte souverän weiter durchs Programm. Der unterhaltsame Abend mit den sieben Schauspielern war das Ergebnis wöchentlicher Probenarbeit ein Jahr lang. Sie übernahmen bis zu drei Rollen und spielten diese gekonnt authentisch. Mit feinem Humor, überraschenden Gesten, gut präsentierten Texten und attraktiven Kostümen präsentieren sich die Märchenfiguren in einem neuen Licht.