Dass Kunstwerke Irritationen auslösen können, hat neulich der in Oberwihl lebende Skulpturist und Maler Karl-Heinz Uphaus erlebt. Uphaus beteiligte sich mit einigen Arbeiten an einer Schau mit verschiedenen Künstlern im Forum der katholischen Kirche St. Anna im schweizerischen Glattbrugg im Kanton Zürich. Die Schau ist seit dem 20. Oktober beendet, wirkt aber immer noch auf den Oberwihler Künstler nach.

Uphaus war der Einladung eines ihm bekannten Schweizer Künstlers, Michael Wendel, gefolgt. Wendel hatte die Ausstellung kuratiert und zunächst keine Einwände, als Uphaus eine Skulptur mit dem Namen „Der Gehörnte“ aus bemaltem Beton auf einen Sockel stellte.

Die Skulptur stand bei der Vernissage auf ihrem Platz. Zwei Tage später wurde sie jedoch entfernt und nach weiteren zwei Tagen wurde der Künstler letztlich darüber informiert. Das heißt im Klartext: Die Skulptur wurde zunächst aus der laufenden Ausstellung entfernt, ohne den Künstler miteinzubeziehen.

Hier sollte eigentlich die Skuptur "Der Gehörnte" stehen. Doch ohne Rücksprache mit dem Künstler hatte der Kurator Michael Wendel das Werk entfernt.
Hier sollte eigentlich die Skuptur "Der Gehörnte" stehen. Doch ohne Rücksprache mit dem Künstler hatte der Kurator Michael Wendel das Werk entfernt. | Bild: Roger Suter/Stadt-Anzeiger Opfikon

Sie habe nicht in dieses Umfeld gepasst, erklärte Wendel gegenüber dem „Stadt-Anzeiger“, dem amtlichen Publikationsorgan von Glattbrugg. Der Haken war, dass Karl-Heinz Uphaus vor der Vernissage nicht über diesen Schritt informiert worden war. „Die Figur war einfach verschwunden“, blickt er zurück. Hinzu kam, dass der „Gehörnte“, eine Büste mit menschlichen Zügen und Hörnern, plötzlich auch die Bezeichnung „Dämon“ hatte. Dies habe einigen Besuchern der Vernissage Mühe bereitet, argumentierten die Ausstellungsmacher, so dass die Figur noch vor Eintreffen von Uphaus entfernt wurde.

Woran sich Teile des Publikums auch störten, war der Umstand, dass direkt gegenüber des „Gehörnten“ ein „Jesus“-Gemälde hing. Dabei hatte Uphaus seine Skulptur platziert, bevor das „Jesus“-Bild aufgehängt worden war. Karl-Heinz Uphaus stellt gegenüber dieser Zeitung klar: „Es war zu keiner Zeit meine Absicht, mit dieser Skulptur zu provozieren“.

Und: „Ich bin erstaunt, dass sie auf manche anscheinend provozierend wirkt.“ Denn: „Ich sehe im Gehörnten nur einen karikierten Menschen mit Hörnern“, so Uphaus. Beim Einrichten der Ausstellung habe es eine Diskussion mit dem Kurator und dem Pfarradministrator gegeben, berichtet er. Dabei seien die Bedenken ausgeräumt worden, denn der Gesichtsausdruck der Skulptur sei als wohlwollend angesehen worden.

Künstler fühlt sich zensiert

Kurator Wendel hingegen sagte gegenüber dem „Stadt-Anzeiger“, er habe Uphaus beim Aufstellen der Figur nahe gelegt, dass diese nicht ins Kirchgemeindehaus passe, wo es um eine „gewisse Symbolik“ gehe. Außerdem, so Wendels Argument, würden Kinder für den Religionsunterricht ein- und ausgehen. So oder so: Karl-Heinz Uphaus fühlte sich zensiert und wandte sich an den schweizerischen Berufsverband für visuelle Kunst (Visarte). Von dort kam die Antwort: „Das Entfernen einer Skulptur aus einer Ausstellung ohne Rücksprache mit dem Künstler ist nicht zulässig.“ Der Verband empfahl Uphaus, das Gespräch zu suchen. Was denn auch geschah. Der „Gehörnte“ wurde trotzdem nicht mehr auf den Sockel gehoben. Jetzt befindet er sich wieder in Oberwihl.