Ein Eröffnungskonzert mit Bravorufen und stehenden Ovationen erlebte der fünfte Görwihler Kultursommer in der Pfarrkirche St. Bartholomäus. Das Kappelberg Quartett aus Fellbach bei Stuttgart präsentierte Werke von Bach, Debussy, Beethoven und Haydn. Der Leiter Mark Johnston brillierte als Geiger und ersetzte auch den erkrankten Pianisten. Künstler Tobias Eder stellte in diesem Rahmen sein Vortragekreuz vor.

Virtuoser Beginn als Solist

Johnston begann mit Bachs dritter Solopartita für Geige. Im „Preludio“ dieser Tanzsuite fesselte Johnston mit Fingerfertigkeit und Echowirkungen die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Die „Loure“ war durch die Ausschmückung mit Doppelgriffen und melodischen Verzierungen nicht weniger anspruchsvoll.

Cello wird quasi zur Gitarre

Danach wurde Johnston zum Klavierpartner in Debussys Sonate für Cello und Klavier. Resolut begann das Klavier, gefolgt vom Cello, das die dramatische Steigerung im Klavier mit sanglichen Bögen beantwortete. Im zweiten Satz gab das Cello mit Pizzicato ein romantisches Ständchen zum Besten, ironisiert durch gestrichene Einwürfe. Auch in der Beethovensonate begleitete Johnston seine Geigenkollegin am Klavier, wobei er den beruhigenden Part innehatte. Der zweite Satz ist ein ausgefallenes Menuett, das mit teils scherzhaft rhythmisierten, teils zuckersüßen Abschnitten sein Spiel treibt.

Überraschungsmomente bei Haydn

Ein Glanzlicht war das Haydn-Quartett. Das Kappelberg Quartett kitzelte aus den Noten die Überraschungsmomente heraus und bot eine lebendige und nuancenreiche Interpretation. Der gemütvolle Beginn wurde durch markante Striche und heftige Sforzati durchbrochen. Im dritten Satz begannen Cello und erste Geige ein Techtelmechtel, der vierte Satz war ein Virtuosenglanzstück für die Geige.

Das Vortragekreuz aus dem 3-D-Drucker symbolisiert laut seinem Schöpfer mit seiner fortlaufenden Kreuzlinie den Impuls Christi, als Mensch auf die Welt zu kommen.
Das Vortragekreuz aus dem 3-D-Drucker symbolisiert laut seinem Schöpfer mit seiner fortlaufenden Kreuzlinie den Impuls Christi, als Mensch auf die Welt zu kommen. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Tobias Eder stellte sein Vortragekreuz vor. Um neue Ideen für die Gegenstände im Kirchenraum zu sammeln, habe das liturgische Institut Trier einen Wettbewerb ausgeschrieben. Sein Entwurf war ausgezeichnet und in einem Fachblatt beschrieben worden. Dadurch erhielt Pfarrer Bernhard Stahlberger davon Kenntnis und gab die Ausarbeitung des digitalen Entwurfs in Auftrag.

Tobias Eder stellte sein preisgekröntes Vortragekreuz vor.
Tobias Eder stellte sein preisgekröntes Vortragekreuz vor. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Das Kreuz wurde in 3D-Druck hergestellt. Eder erklärte, es formuliere den Impuls Christi, als Mensch auf die Welt zu kommen, gekennzeichnet durch das Kreuzzeichen als zusammenhängende Linie. Dass Eder mit den Neuen Medien auch den Blick des Betrachters auf das Werk zu formen imstande ist, demonstrierte er mit einem weiteren Kunstwerk: einem Video-Loop, der von Mittwoch bis Sonntag im Görwihler Pfarrsaal laufen wird.