Die Görwihler Pfarrkirche, herbstlich geschmückt im Kerzenlicht bot ein schönes Ambiente für den Auftritt des Ensembles Musica Poetica aus Freiburg. Im ersten Teil erwarteten die Zuhörer zwei geistliche Konzerte des späten 17. Jahrhunderts. Im zweiten Teil waren zwei Kantaten des frühen 18. Jahrhunderts zu hören. Geistliche Konzerte sind die Vorläufer der Kantate im 17. Jahrhundert. Die Musiker wollen an diesem Abend diesen Übergang in die Kantate des 18. Jahrhunderts aufzeigen. Dabei sind Psalmen in deutscher und lateinischer Sprache die Textgrundlage der geistlichen Konzerte. Sie werden in motettischer Reihungsform vertont.

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Heinrich Ignaz Franz Biber mit „Nisi Dominus“ – wenn nicht der Herr das Haus baut, ist alles vergeblich – klingt vom Bass Sebastian Mattmüller gesungen sehr getragen, die Violinstimme, gespielt von Andrea Bergmann, dagegen lebhaft teils mit rasanten Läufen. Im Hintergrund sind die beruhigenden Continuoklänge der Viola da Gamba, Rahel Baltensperger-Mattmüller, und der kleinen Orgel hörbar. Diese Orgel, gespielt von Stefan Baltinger, besteht aus einem quadratischen Holzwürfel mit Stromantrieb für den Blasebalg.

Virtuose Geigenklänge

Die geistliche Welt des Johann Baal (1677) taucht klanglich auf in der Sonate für Violine und Basso Continuo. Die Violine führt dabei geschickt in Melodiebögen, flattert wie ein Vogel empor und bietet Ersatz für eine Singstimme. Der Bass erklingt im folgenden geistlichen Konzert „Confitebor tibi Domine“ – ich glaube an Dich, Herr. „Die Anbetung des Göttlichen“ von J. J. Flixius wird in virtuosen Geigenklängen, die rücksichtsvoll die warme Bassstimme untermalen, ausgeführt.

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Im zweiten Teil beschwört Georg Philipp Telemann mit „Ich will den Kreuzweg gerne gehen“ das Rezitativ nach Erdmann Neumeister, der Texter der Kantaten des 18. Jahrhunderts. Nun gibt es mehrsätzige Sonaten und Konzerte. Sie lösen die Reihungsform des vorigen Jahrhunderts ab. „Preludio-Sarabande-Gigue“ von Johann Sebastian Bach in der Suite a-moll mit Violine und Basso Contunio lässt sich in schnellen Melodiebögen hören, dezent begleitet von Gambe und Orgel. Die Violinstimme ertanzt sich ihren Part mit wehmütigen Tönen in der Sarabande, in der Gigue wird sie leicht und anmutig – Andrea Bergmann holt alles aus ihrer barocken Violine heraus.

Kraft der Poesie

Dagegen bei Graupner „Mein Herz erschrick nur nicht“ hält sich die Geige zugunsten der sonoren Bassstimme ganz zurück, ja mit ihrem Echopart bietet sie eine wunderbare Verstärkung des Basses, die auch im letzten Satz von der Gambenstimme übernommen wird. „Dieses Leben bin ich satt“ führt Bass Sebastian Mattmüller mit kräftiger Stimme in die Hoffnung „Ein Erlöser wird kommen“ in der Graupner Kantate. Die Zuhörer wurden mit diesen geistlichen Musikwerken in die Zeit des 17. Jahrhundert versetzt und erlebten die Kraft der in der Kantate gesungenen Poesie untermalt von den Klänge historischer Instrumente.