Das Gutachten für die Sicherung der seit über drei Jahren wegen Felssturzgefahr gesperrten Albtalstraße liegt jetzt vor. Wie das Regierungspräsidium Freiburg am Mittwoch mitteilte, stellt es einen Maßnahmenkatalog unter Einbezug aller bisherigen ingenieurgeologischen Erkenntnisse und Geländeaufnahmen zusammen. Dieser sieht 38 Einzelsicherungsbereiche sowie eine passive Sicherung mit Hochenergiezäunen vor. Einen Kosten- und Zeitplan nannte das Regierungspräsidium in seiner Mitteilung nicht. Doch gehen die Bürgermeister von Albbruck und Görwihl davon aus, dass die Straße nicht vor 2022 wieder befahrbar sein wird.

38 Einzelsicherungsbereiche umfasst der Maßnahmenkatalog laut Regierungspräsidium. "Neben örtlichen Verankerungen, Geröllfängen und Steinschlagnetzen im Bereich der Straßenböschung wird laut Gutachten im Oberhang der Albtalstraße auf über zwei Kilometern Länge die Installation von Hochenergiezäunen zusätzlich erforderlich", schreibt die Behörde in ihrer Pressemitteilung. Die Hochenergiezäune begrenzten als passive Scherung einen Auffangraum für Steinschlag- und Felsstürze. Einzelne labile Felsbereiche, die einen Schutzverbau überbeanspruchen würden, müssten zusätzlich gesichert werden.

Seit Mai 2015 ist die Albtalstraße auf etwa 2,4 Kilometer Länghe zwischen dem Albbrucker Weiler Hohenfels und dem Görwihler Ortsteil Tiefenstein wegen Felssturzgefahr gesperrt. Eine Wiedereröffnung ist laut Regierungspräsidium erst nach vollständiger Sicherung der Straße möglich. Anfang dieses Jahres hatte das Ministerium für Verkehr in Stuttgart unter Beteiligung der regionalen Abgeordneten sowie von Vertretern der Gemeinden, des Umweltministeriums, des Regierungspräsidiums und des Landratsamts Waldshut bekannt gegeben, dass das Landratsamt als zuständige Behörde des Landes Baden-Württemberg die erforderliche Verkehrssicherung im Bereich der Landesstraße umsetzen soll.

Das Landratsamt hatte sich im Wege der Amtshilfe an das beim Regierungspräsidium ansässige Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) gewandt, um ein ingenieurgeologisches Gutachten zur erforderlichen Böschungs- und Hangsicherung erstellen zu lassen. Die erforderlichen Erhebungen waren im Winter/Frühjahr 2018 vor der Vegetationsperiode durchgeführt werden. Das Landratsamt kann nun auf Basis des vom LGRB vorgelegten Maßnahmenkatalogs ein externes Fachbüro mit der Vor- und Entwurfsplanung beauftragen.

In einer ersten Reaktion begrüßten die CDU-Abgeordneten Felix Schreiner (Bundestag) und Sabine Hartmann-Müller (Landtag) die Fertigstellung des Gutachtens und verlangten, die Planung für die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen noch dieses Jahr zu beginnen und möglichst schnell abzuschließen. Das Land habe nach intensiven Gesprächen im Januar seine feste Zusage für die Finanzierung der Sanierung gegeben. "Jetzt müssen die Arbeiten auch bald begonnen werden!“ Die Betroffenen litten seit nunmehr drei Jahren an der Sperrung.

Schreiner und Hartmann-Müller mahnten weiter den vom Land und dem Regierungspräsidium zugesagten beständigen Austausch an. „Die Sanierung der Albtalstrecke ist eine Mammutaufgabe. Da brauchen wir eine funktionierende Zusammenarbeit des Landkreises mit dem Regierungspräsidium Freiburg und dem Verkehrsministerium“, so die beiden CDU-Abgeordneten.

Erst am Montag hatte Bürgermeister Stefan Kaiser bei einem Sachstandsbericht im Albbrucker Gemeinderat erklärt, es sei "vorschnell" aus der Finanzierungszusage des Landes zu folgern, "dass der betroffene Streckenabschnitt zwischen Hohenfels und der Tiefensteiner Brücke in ein bis spätestens zwei Jahren wieder offen steht“. Kaisers Amtskollege Carsten Quednow hatte am Mittwoch zuvor in der Hauptversammlung der Freien Wähler Görwihl das Jahr 2022 als frühestmöglichen Termin für die Wiedereröffnung der Straße genannt.