Weihnachten, Silvester, Neujahr und Dreikönig sind eben erst vorbei, schon schielt die Fasnacht um die Ecke. Die auch Fastnacht genannt und gerne als fünfte Jahreszeit bezeichnet wird und von der manche Leute sich wünschen, dass es die einzige Jahreszeit im Jahr wäre. Was wäre das für ein Leben. 364 Tage im Jahr tagein, tagaus Fasnacht. Ohne Kompromisse, vielleicht mit kurzen Verschnaufpausen, aber immer gespannt, wer im Hochsommer im Giraffenkostüm den Einkaufswagen im Supermarkt vor sich herschiebt. Keinen würde es wundern, wenn der Nachbar im Frühling als Eichhörnchen verkleidet den Rasenmäher anwerfen, der Bürgermeister die Bürgersprechstunde im Eulenspiegelkostüm absitzen und der Schwarzwaldverein unisono mit knallroten Hütchen auf Wanderschaft gehen würde.

Das ganze Jahr über dürfte jeder, dem danach wäre, ein freches Liedchen auf dem Marktplatz oder im Gasthaus anstimmen, natürlich immer unter Wahrung von Sitte, Anstand und Respekt. Vielleicht würde es irgendwann etwas langweilig werden, weil ein Narr nicht ständig ein Narr sein kann und weil dann die Wirtschaft bachab geht. Vorbei wäre es mit Exportrekord und Aufschwung, sogar dem Finanzamt, der Fasnacht sonst nicht abgeneigt, käme der ganzjährige Trubel nicht gelegen, weil – nun ja, welcher ganzjährige Narr würde sich überzeugen lassen, dass die Steuern zu bezahlen sind? Und überhaupt: Immer nur Spaß haben, ist nicht lustig. Deshalb ist es gut so, wie es ist.

Die Fasnacht kommt und geht, und sie kommt schon bald und ist in einem Monat wieder Geschichte. Erfreuen wir uns also in den nächsten vier Wochen an Nachtumzügen, Hurli- und Kinderbällen, an Neunerratsabenden, Frauenfasnacht, Guggentreffen und der Kälte trotzenden Gardistinnen. Die heute schon im Einsatz sind. In Görwihl beim Rathaus. Dort wird um 15 Uhr der Narrenbaum gestellt. Dazu wird Mehlsuppe gereicht und spielt die Hotzenblitz-Zunft närrische Musik.

Wer ist sonst noch dabei? Selbstverständlich die, ohne die es das Narrenbaumstellen nicht geben würde, nämlich die Baumsteller. Ein knackiger Trupp Männer, mit Bizeps und Verstand, sehr eifrig und im grünen Gewand. Sie machen heute wieder ihren Job und würden sich über Zuschauer freuen. Applaus sei des Künstlers Lohn, heißt es. Für Baumsteller gilt: Geselligkeit ist auch schön.

saeckingen.redaktion@suedkurier.de