Die Gruppe Hochrhii-Hotzenwald der „Muettersproch-Gsellschaft“ kämpft ums Überleben. Denn sollte sich bis zur Hauptversammlung am Mittwoch, 7. März, keinen Nachfolger für die bisherige Vorsitzende Erika Hirtler finden, ist die Gruppe gezwungen, die Geschäfte ruhen zu lassen. Seit 1980 gibt es die Gruppe „Hochrhii-Hotzenwald“ und dient der Pflege der alemannischen Mundart. „Es ist einfach eine Entwicklung der Gesellschaft, dass die alemannische Mundart immer weniger gepflegt wird“, weiß Erika Hirtler.

Bereits sei sechs Jahren ist sie die Vorsitzende der Gruppe Hochrhii-Hotzenwald und möchte das Amt jetzt abgeben. „Meine Gesundheit macht nicht mehr mit“, sagt sie. Alle drei Jahre wird bei der Muettersproch-Gesellschaft gewählt. Und bereits bei der Bestätigung ihrer zweiten Amtsperiode, hat Hirtler angekündigt, dass das ihre letzte Amtsperiode sein werde. Momentan gehören knapp 100 Mitglieder aus Wehr, Schwörstadt, aus dem gesamten Hotzenwald bis St. Blasien und bis Albbruck, der Gruppe an.

„Aber niemand möchte den Vorsitz übernehmen“, bedauert es Hirtler, obwohl sie bereit wäre, weiter im Vorstand mitzuarbeiten. Nur eben das Amt der Vorsitzenden ist ihr zu viel. Am liebsten wäre es, wenn sich jüngere Mitglieder zur Verfügung stellen würden. Aber genau darin liege das Problem, betont es die Vorsitzende. Denn: „Aber den Jungen gefällt es nicht bei den Alten“, so Hirtler weiter. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder zu gemeinsamen Lesungen. Vor Jahren hatte der Verein noch viele eigene Autoren, die regelmäßig Geschichten und Gedichte in Mundart verfasst und vorgetragen hatten.

„Heute kommen die Leute von außerhalb und lesen vor“, sagt Erika Hirtler. Also kein Programm, was junge Leute wirklich begeistern könnte. „Leider haben wir es bereits vor vielen Jahren versäumt, eine Jugendgruppe zu bilden“, sagt sie. Und auch sie selbst hat sich eine Jugendgruppe nie zugetraut: „Ich hatte mein Leben lang mit Zahlen zu tun, aber nichts mit jungen Menschen“, so Erika Hirtler weiter. So kam auch nie wirklich frischer Wind in den Verein, dessen Mitglieder einen Altersdurchschnitt von 70 Jahren haben. „Junge Leute würden wieder ganz neue Ideen bringen und ziehen so etwas einfach ganz anders auf“, ist die Vorsitzende der Meinung. Eine gewisse Zeit hat die Gruppe Bücher mit Geschichten auf Alemannisch in den Kindergärten verteilt oder Vorlesewettbewerbe in Mundart in Schulen durchgeführt. Doch waren die Bemühungen vergeblich. Momentan ist Verein intensiv auf der Suche nach einem Nachfolger für Erika Hirtler. „Aber es zeichnet sich leider nichts ab“, erklärt die Vorsitzende. Jetzt fürchtet Erika Hirtler um die Gruppe und den Erhalt der Mundart. „Die Leute sehen einfach nicht, dass Mundart ein schützenswertes Gut ist“.