„Wir müssen ökologische Leistung positiv entlohnen“: So brachte der Grünen-Landtagsabgeordnete Martin Hahn seine Vorstellung von einer modernen Landwirtschaft mit Zukunft in einer Diskussionsrunde am Mittwochabend in Engelschwand auf den Punkt. Das größte Problem in der Agrarpolitik sei, „dass die Vorgaben der Bundesregierung in die falsche Richtung gehen“. Hahn konkret: „Wir müssen weg von der flächenbezogenen Bezahlung.“ Zu dem Austausch mit dem Landtagsabgeordneten aus Überlingen hatte der Grünen-Ortsverband Hotzenwald in das Gasthaus „Engel“ eingeladen. Mit dabei waren unter anderem die Gemeinderäte Susanne Köstlin, Roland Mutter (Grüne, Görwihl), aus Herrischried Ulrich Gottschalk, Dirk Bürklin (Grüne) und Bernhard Kühnel (CDU), außerdem als Gastgeberin Iris Wallaschek, Kreisrätin und Vorsitzende der Grünen Hotzenwald. Martin Hahn hatte bis zu seiner Wahl in den Landtag 2011 bio-dynamischen Landbau (Demeter) nach anthroposophischen Grundsätzen betrieben, er weiß, wovon er spricht. Ein „Bio-Fanatiker“ sei er aber nicht, erklärte er in Engelschwand. Ihn beschäftige die Frage, wieviel ökologische Landwirtschaft man haben will. Die Antwort gab er gleich selber: „So viel, dass man eine Familie ernähren kann.“

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Hahn weiter: „Wir brauchen einen Businessplan, der passt.“ Was jedoch bei den „unterschiedlichen gesellschaftlichen Interessen nicht einfach ist“. Der Preisdruck auf die Landwirtschaft sei in den letzten Jahren „enorm gestiegen“, was zu „schlechter Stimmung auf den Höfen geführt hat“. Deshalb stehe die Landwirtschaft vor großen Herausforderungen. Ein „Weiter so“, argumentierte die Runde im Engel, nützt nichts. Zu groß sei der Verlust der Artenvielfalt, zu schwer sind die Umweltbelastungen und zu schlecht die Zukunftsaussichten vieler Landwirte. Für die moderne Landwirtschaft von morgen seien neue Antworten nötig, um Produktivität, Tierwohl und Umweltschutz in Einklang zu bringen. Aber: Wie können diese unterschiedlichen Belange in einem fairen Prozess verhandelt und verlässliche Rahmenbedingungen für einen Wandel in der Landwirtschaft geschaffen werden?

"Zur Qualifizierung gehört die Regionalisierung"

„Wenn wir in der Landwirtschaft etwas erreichen wollen, brauchen wir eine Qualifizierung von Produkten“, erklärte Martin Hahn, „und zur Qualifizierung gehört die Regionalisierung“. Die Regionalisierung halte er „für eine wichtige Geschichte, da müssen wir mit ganz viel Power reingehen“. Insbesondere die Fleischkennzeichnung erachtete er als „zentralen Weg, Verbrauchersicherheit zu kriegen“. Hahn weiter: „Wenn wir es schaffen, 30 bis 40 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe zur qualifizierten Tierhaltung zu bringen, haben wir viel erreicht.“ Worauf er auch den Fokus hat, ist die Digitalisierung. „Der digitale Markt ist für Spezialregionen wichtig“, sagte er.