In der Eucharistiefeier zum Anbetungstag der ehemaligen Pfarreien Görwihl, Strittmatt, Niederwihl und Herrischried in der Görwihler Pfarrkirche stellte Brigitte Sommer ihre Installation „Beflügelte Himmel“ vor und im Pfarrgarten die Holzplastik des Erzengels Michael. Cellist Dilshod Nazarov umrahmte mit Wencheng Lee am Klavier den Gottesdienst. Rosemarie Jensen improvisierte zu den von Brigitte Sommer gelesenen Versen in der Kirche und stimmte im Pfarrgarten einen freien Gesang zu Ehren des Erzengels Michael an, bevor Pfarrer Bernhard Stahlberger die Statue segnete.

Verse über Engel

Verse mit dem Titel „Beflügelte Himmel“ von Hans Arp las Brigitte Sommer zur Erläuterung ihrer Installation zweier Papierbahnen, die, so die Künstlerin, „bewusst von der Erde bis hinauf in den Himmel reichen“. Diese Verse charakterisieren Engel, unter anderem benannt als „klingende Sterne“ oder als „schwebende singende Unendlichkeit“, und Jensen brachte mit ihrer sensiblen Improvisation jedes Attribut zum Klingen. Sommer ging in ihrer Charakterisierung weiter, sprach Engel als Boten an, die kommen, wenn wir sie brauchen, „wir müssen sie nur sehen“. Pfarrer Bernhard Stahlberger hatte in seiner Predigt erklärt, wir alle könnten Boten sein für unseren Nächsten, könnten aber auch selbst den Blick wagen hinauf in den Himmel.

Engelsfigur folgt Bedürfnis

Die Künstlerin forderte die Anwesenden auf, Fürbitten zu formulieren, auf kleine Zettel zu schreiben, die sie austeilte, und sie als Papierrollen in die dafür vorgesehenen Löcher der Engelsfigur zu stecken, die dann mit einer vergoldeten Platte versiegelt würden. Sommer bedankte sich bei allen, die zur Entstehung dieser Engelsfigur beigetragen hatten, denn sie zu erschaffen, sei ihr ein großes Anliegen gewesen, ein Bedürfnis, das der politischen Situation geschuldet sei.

Persönliches Erlebnis als Motivation

In dem Ort, in dem sie mit ihrer Familie lebt, wurde ein Mädchen von einem Afghanen erstochen, und sie musste hautnah miterleben, wie Personen aller Couleur – ob Politiker, Nazis oder Hooligans – über diesen Ort hergefallen seien, ein riesengroßes Geschrei und unfassbaren Hass verbreitet hätten. Keine dieser Personen habe leidend ausgesehen, auch nicht ausgehungert wie die Menschen, die aus Kriegsgebieten zu uns kommen. „Auch dort gibt es, wie überall, nicht nur gute Menschen, aber wie können Christen einen solchen Hass entwickeln?“, fragte sie fassungslos. Sie habe sich gefühlt wie das Kaninchen vor der Schlange, eine reale Bedrohung verspürt und für sich entschieden: „So nicht.“

Brigitte Sommer stellte ihre Installation "Beflügelte Himmel" vor.
Brigitte Sommer stellte ihre Installation "Beflügelte Himmel" vor. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

„Wir alle brauchen den Erzengel Michael zur Verteidigung unserer Freiheit und unserer Demokratie“, erklärte Brigitte Sommer rundheraus. Sie hoffe, dass der Hass verschwinde, wenn man ihm mit Liebe begegne. Dazu müsse man die Angst überwinden und Engel sein für die Menschen, die gerade deshalb zu uns kommen, weil sie Sicherheit suchen. Pfarrer Stahlberger ergänzte, der Erzengel Michael sei der Patron Deutschlands, eines sicheren und wirtschaftlich gesicherten Landes, der dazu aufgerufen sei, den unsinnigen Neid aus der Welt zu schaffen. Rosemarie Jensen fügte eine kraftvolle Anrufung des Retters Michael an, durch den Jesus wirken möge.