Zwei wesentliche Themen bestimmten die jüngste Pfarrgemeinderatssitzung in Görwihl. Ein großes Thema mit viel Diskussionsbedarf war die Kirchenentwicklung 2030, ein weiteres Thema war die Gemeindeversammlung. Sie findet am 16. November in der Rotmooshalle in Herrischried statt. Außerdem dankte der Pfarrgemeinderat dem ausscheidenden Mitglied Wolfgang Böhler für seine Arbeit, die er nun in andere Bereiche verlagern wird.

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Ausgangspunkt für das Thema der Kirchenentwicklung 2030 war die Pastoralkonferenz vom 15. und 16. Februar in Freiburg. Erzbischof Stephan Burger hat dazu ein Papier herausgegeben, in dem er von der Prämisse ausgeht, dass die Zahl der derzeit 224 Kirchengemeinden auf 40 reduziert werden soll. Das bedeutet zugleich, dass die derzeit 1057 Pfarreien zu 40 – wie er es nennt – Pfarreien (neu) umgebaut werden und in jeder dieser Pfarreien ein „Pastorales Zentrum“ eingerichtet werden soll.

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Dabei setzt er voraus, dass das bisherige Bild der Pfarrgemeinde als lebendige Gemeinschaft „nicht mehr trägt“ und setzt dagegen eine Pfarrei (neu) „als einen geografischen Raum, in dessen Gebiet Pastoral und Verwaltung koordiniert und organisiert werden. Hierfür sichert die Erzdiözese eine Grundversorgung. Das heißt: Die Erzdiözese garantiert mit Ressourcen an Personal und Finanzen, dass die Sakramente in diesem Raum gefeiert werden und Kirche auch amtlich präsent und erkennbar ist. Die Leitung einer Pfarrei obliegt dem Pfarrer im Rahmen der Vorgaben des Kirchenrechts.“

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Gegen die Überzeugung des Erzbischofs, dass das bisherige Bild der Pfarrgemeinde nicht mehr tragfähig sei, erhob sich in Görwihl deutlicher Widerspruch. Auch die Befürchtung wurde laut, dass sich der Bischof bei seinen Überlegungen zu sehr auf die Basis des Kirchenrechts beschränke. Die Reduzierung auf 40 Pfarreien (neu) würde etwa bedeuten, eine Einheit zwischen Alb und Wehra zu etablieren, ähnlich dem früheren Einungsgebiet, wofür die Görwihler den Begriff der Pfarrei eher als irreführend ansehen, auch wenn in Klammern dahinter das Wörtchen „neu“ eingefügt ist.

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Wenn Erzbischof Stephan Burger weiter schreibt: „Ich wünsche mir…, dass ehrenamtliche Frauen und Männer (Mit-)Verantwortung für die Seelsorge tragen, unterstützt von hauptberuflichen Kräften, die selbst in Verantwortung stehen und führen und motivieren können“, ergibt sich bei der Frage, was das für die Seelsorgeeinheit auf dem Hotzenwald bedeuten könnte, die bange Zukunftsvision, ob das bisher Erreichte durch die neue Struktur in Frage gestellt wird. „Wir haben in unserer jungen Seelsorgeeinheit gerade erst eine gute Vernetzung erreicht“, sagte Pfarrer Bernhard Stahlberger, „viele Ehrenamtliche sind engagiert und motiviert bei der Sache, sie sollten sich nicht überfordert fühlen oder gar ausgebremst werden.“ Er selbst wolle auf jeden Fall auf dem Wald bleiben, er fühle sich dort inzwischen stark verwurzelt.

Brief an den Erzbischof

In der Pfarrgemeinderatssitzung wurde die Frage gestellt: „Was wollen wir für uns und unsere Kirchengemeinde?“ Daraus ergab sich das Vorhaben, einen offenen Brief an den Erzbischof zu richten. Zumal dieser zur Kommunikation aufgefordert hat und in einer zweiten Sitzung der Diözesanen Pastoralkonferenz am 12. und 13. März 2021 die Rückmeldungen bündeln und weiterführen will. Bis Ende 2021 sollen die Grundzüge der Entwicklung der Pastoral feststehen und entschieden sein.

Wünsche für die Zukunft

Das zweite Thema, die Gemeindeversammlung, beleuchtete und konkretisierte die Wünsche der Seelsorgeeinheit an eine Kirche der Zukunft. Es ist ebenfalls eine Antwort auf die Vorgaben des Erzbischofs. Eine Arbeitsgruppe „Kommunikation“ bereitet die Versammlung vor, in der sich die einzelnen Gruppierungen präsentieren sollen. „Wir wollen einen Markt der Möglichkeiten bieten und alle ansprechen, die eine geistige Heimat suchen, unabhängig davon, ob sie mit Kirche bisher etwa anfangen konnten oder nicht“, erklärt Pfarrer Stahlberger, „ein ökumenisch orientiertes Zentrum für Körper, Geist und Seele“. Am 13. Mai um 19.30 Uhr soll ein Brainstorming-Abend stattfinden, die nächste Pfarrgemeinderatssitzung ist am 28. Mai. Im September wird es eine Pfarrgemeinderatsklausur geben.