Die Zukunft der medizinischen Versorgung beschäftigt die Görwihler Bevölkerung. In der jüngsten Gemeinderatssitzung übergab Helmut Jeserich Bürgermeisterstellvertreter Matthias Eschbach einen in kurzer Zeit von 280 Personen unterzeichneten „Einwohnerantrag an die Exekutive Görwihl über die sofortige Aufnahme einer medizinischen Versorgungsplanung“. Als „Berechtigte, die Unterzeichnenden zu vertreten“ sind neben Helmut Jeserich auch Johannes Romacker und Friedrich Jehle aufgeführt.

Jeserich sagte: „Wir vermissen eine Rückstellung im Haushalt für die medizinische Versorgungsplanung.“ Ausschlaggebend für den Antrag ist der Umstand, dass in Görwihl nur zwei Ärzte für Allgemeinmedizin praktizieren. Neben Johannes Romacker ist dies Gerhard Geis-Tyroller, bei ihm ist jedoch aufgrund seines Alters (74) unsicher, wie lange er noch weitermacht.

Gute medizinische Versorgung als Ziel

Jeserich wies in der Sitzung auf eine Äußerung von Landrat Martin Kistler von 2018 hin: „Auch wenn der Sicherstellungsantrag für die ambulante medizinische Versorgung bei der Kassenärztlichen Vereinigung liegt, muss es unser gemeinsames Ziel sein, eine gute und wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung auch in Zukunft sicherzustellen.“ Matthias Eschbach antwortete auf Jeserichs Vorstoß so: „Wir sind mit Hochdruck da dran.“ Und: „Wir sind uns bewusst, dass es möglichst schnell eine Lösung geben muss.“ In der Angelegenheit sei auch der Ortsseniorenrat Görwihl mit dem Vorsitzenden Alfred Laffter initiativ tätig geworden, sagte Eschbach – was Laffter auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte, ohne Details zu nennen. Eschbach weiter: „Sobald ein Ergebnis da ist, werden wir es zeitnah öffentlich machen.“ Auch sei im Gemeinderat über ein Ärztehaus diskutiert worden, erklärte er.

Hindernisse für ein Ärztehaus

In der Dezembersitzung 2018, als der Gemeinderat über zwei Sozialbauten mit Einfachwohnungen im Baugebiet „Breite“ im Kernort beriet, regte Matthias Schauer (CDU) an, eines der Gebäude als Ärztehaus zu verwenden. „Wir werden in diesem Bereich handeln müssen“, sagte Schauer. Aber: Architekt Peter Schanz riet davon ab: „Ein Ärztehaus hat mehr Infrastruktur und würde wesentlich teurer werden.“ Der Alternativvorschlag von Bürgermeister Carsten Quednow: Beide Gebäude mit den Einfachwohnungen sollen nach hinten versetzt werden, sodass der vorderste Bauplatz an der Einfahrt in die „Breite“ für ein Ärztehaus genutzt werden könnte. Womit der Gemeinderat einverstanden war. Pläne zum Bau eines Ärztehauses gibt es derzeit nicht. Im Frühjahr 2017 hatte der mittlerweile verstorbene „Adler“-Wirt Rolf Störk die Idee an die Öffentlichkeit gebracht. Diese Einrichtung sollte im „Adler“ entstehen, aber daraus wurde nichts.