Das digitale Zeitalter hat seine Tücken. Bei E-Mails genügt ein falsch gesetzter Punkt oder Buchstabe, und schon landet die Nachricht nicht dort, wo sie hin sollte, sondern ganz woanders. So ist es dem Hotzen-Neunerrat Rainer Kenne aus Görwihl ergangen, der den zwei Dörfer weiter lebenden Peter Schütz über die Ortsschilderaffäre in Oberalpfen am 1. Mai dieses Jahres auf dem Laufenden halten wollte. Begonnen hat die Konversation am 4. Juli, nachdem Oberalpfen monatelang ohne Ortsschilder war, worauf der Neunerrat die Sache in die Hand nahm: "Hallo Peter Schütz, anbei ein paar Bilder der neuen Ortsschilder von Oberalpfen. Klaus ruft dich morgen noch an wegen dem Text. Grüßle, Rainer."

Irrläufer weckt das Interesse

Schütz hat diese E-Mail aber nie bekommen, nur wusste das Kenne zu dem Zeitpunkt noch nicht. Zweite Nachricht aus Görwihl vom 5. Juli: "Hallo Peter, leider sind die Schilder schon wieder abgeschraubt worden. Spielverderber. Gruss Rainer." Darauf bekam er folgende Antwort: "Hallo Herr Kenne, ich bitte um Nachsicht, wenn ich Ihre – nicht für mich bestimmten – E-Mails lese. Ich verfolge Ihre Aktivitäten mit großem Interesse und würde mich sehr freuen, wenn Sie mich weiterhin beteiligt halten! Nur aus Interesse, nicht aus Neugier. Gleichwohl sollten Sie die E-Mail-Adresse korrigieren, damit der eigentliche Adressat – vermutlich ein süddeutscher Namensvetter – auch in den Genuss Ihrer Korrespondenz kommt! Freundliche Grüße aus dem sonnigen Hannover, Peter Schütz."

Zusammenfassung der Ereignisse

Kennes Antwort aus Görwihl: "Hallo Herr Schütz, da hat mir wohl ein Kollege die falsche Mail-Adresse angegeben." Am 24. August schrieb Kenne wieder nach Hannover: "Hallo Herr Schütz, habe Sie total vergessen. Sorry. Der Vollständigkeit halber noch folgende Info: Da wir beim Montieren der Spaßschilder gesehen wurden, hatten wir am darauf folgenden Montag bereits eine Anzeige im Haus. Diese hat sich dann allerdings nach Rücksprache mit der Polizei als nichtig erwiesen. Der Polizist hat selbst geschmunzelt und meinte nur, dass er der Sache halt nachgehen müsse, weil eine Anzeige im Raum steht. Im Nachhinein haben wir dann noch erfahren, dass derjenige, der uns angezeigt hat, selbst seinen Spaß an der Aktion hatte. Ach ja, falls ich es noch nicht erwähnt hatte: Ursache der ganzen Aktion war, dass zwischen Oberalpfen und Unteralpfen ein kleiner Gemeindekrieg herrscht. Irgendwer hat in der Walpurgisnacht alle Ortsschilder von Oberalpfen abgehängt. Und diese sind bis heute noch nicht wieder aufgetaucht. Mittlerweile hat sich Oberalpfen neue Schilder geleistet und eine Anzeige gegen Unbekannt steht noch im Raum. So, nun sind Sie auf dem Laufenden. Freundliche Grüße aus dem Hotzenwald, Kenne."

Der falsche Adressat informiert sich umfassend

Die Antwort: "Hallo Herr Kenne, ich habe inzwischen mal etwas recherchiert. Ober- und Unteralpfen sind in Norddeutschland (sicher völlig zu Unrecht) nicht sooo bekannt. Eine schöne Landschaft, ein herrlicher Wald (Räuber Hotzenplotz ist inzwischen wohl auch in die Jahre gekommen) und eine kreative Bevölkerung. Toll! Sie werden verstehen, dass ich in Ihrem Zwist nicht so gerne Partei ergreifen möchte. Der Unterhaltungswert Ihrer Aktionen ist jedenfalls erheblich. Der Wikipediaeintrag zu 'Oberalpfen' ist nicht so prickelnd illustriert, aber letztlich doch sehr aufschlussreich. Das hinterlegte Bild eines Wirbelknochens des dort (ehemals?) heimischen Ichthyosauriers belegt eindrucksvoll, dass die im Hotzenwald ansässige Bevölkerung zumindest seit Urzeiten Rückgrat hat und somit für kleine Scharmützel mit der Obrigkeit bestens gerüstet ist. Ihnen allen empfehle ich eine Gemeindepartnerschaft mit einem klitzekleinen, nie besetzten Dorf ganz weit draußen in der Bretagne. Ich gehe davon aus, dass die Römer während ihrer Besatzungszeit an den Ober- und Unteralpfenern auch nicht viel Freude hatten. Dem SÜDKURIER habe ich in dieser Angelegenheit entnommen, dass das Nervenkostüm des ehrwürdigen Ortsvorstehers Armin Arzner etwas ramponiert ist. Am besten macht er mal einen Urlaub in Norddeutschland. Hier hält sich die Renitenz der Eingeborenen in Grenzen. Ganz herzliche Grüße aus Hannover, Peter Schütz."