Ich wär so gern ein Schlumpf. Dann könnt ich an dem großen Schlumpftreffen in einer Woche in Lauchringen teilnehmen. Aber nein, das geht nicht, meint Flöti, der kleine Vogel, der sich neulich auf mir niedergelassen hat. „Weil, um ein Schlumpf zu sein, du blau sein musst, du bist aber ein Schneemann und deshalb weiß.“

Ich könnte mich ja blau färben, wie die Menschen es tun, wende ich ein, aber Flöti findet, das würde mir nicht gut stehen und ich soll bleiben, wie ich bin, „denn weiß ist grad total in“.

„Finde ich auch“, redet jemand dazwischen. Frau Maier ist's. Sie scheint mir etwas durch den Wind zu sein. „Mein Mann macht mich wahnsinnig“, ruft sie. „Seit er sich in den Kopf gesetzt hat, Gemeinderat zu werden, hängt bei uns der Haussegen schief. Und jetzt will er noch am Schlumpftreffen mitmachen, weil er meint, dass dadurch seine Chancen, gewählt zu werden, steigen“.

Dann wären wir ja schon zwei, die dorthin wollen, rechne ich vor. „Nichts da“, antwortet Frau Maier resolut, „ihr bleibt gefälligst hier. Mein Mann kommt eh fast jede Nacht blau heim, dann muss er nicht noch blau herum schlumpfen“. Wieso er denn jede Nacht blau heimkommt, will ich wissen. „Weil er im Wahlkampfmodus ist. Da muss man geistreich sein, behauptet er, weshalb er im Gefasel mit anderen Leuten Bier und Rum und anderen Fusel in sich hineinkippt. Und am nächsten Tag macht er blau.“

Wasser tät es doch auch, finde ich, worauf Flöti fröhlich „Wir lagen vor Madagaskar“ anstimmt. Maier sei halt Maier, lege ich nach, was dessen Gattin aber nicht lustig findet: „Du musst ja nicht mit ihm unter einem Dach leben“, packt ihre Sachen und stapft zornig davon.

„Siehst du, Pütz“, grinst Flöti, „das sind die Auswirkungen der Kommunalpolitik. Vor der Wahl geht's drunter und drüber, kein Stein steht mehr auf dem anderen. Manche Leute wollen die Dinge eben selber in die Hand nehmen, wollen mitreden und mitbestimmen, wegen der Demokratie“.

„Oha“, lache ich, „was weißt du schon über Demokratie.“ „Mehr, als du denkst, du zausiger Schneemann“, erwidert der Vogel, „ein Vogel ist ja nicht dumm. Ich für meinen Teil bin in der Politik ziemlich gut drauf. Wenn Wahlkampf ist, sitze ich am liebsten auf den Plakaten mit den Kandidaten. Von dort habe ich den totalen Überblick.“

Wen er denn wählen würde, wenn er könnte, frage ich. Flötis Antwort: „Weder Kaiser noch König. Eher Kern, Mücke oder Wurm. Die hab ich zum Fressen gern.“


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