Einen ganz besonderen Abschluss fand der Görwihler Kultursommer nach einem Workshop mit Werkstattkonzert am Nachmittag mit dem Beatles-Konzert auf vier Saiten von Jonas Hoenig am Freitagabend in der Pfarrkirche in Strittmatt. Jonas Hoenig, mit Otto Huber, der am Nachmittag das Soundpainting angeleitet hatte, befreundet, wuchs in Herbolzheim auf und kam über Blockflöte und Gitarre zum E-Bass und schließlich zum Kontrabass. Er studierte Jazz und Popularmusik in Freiburg und ist derzeit an der Hochschule in Luzern eingeschrieben.

Er habe in seiner Jugend immer mitgesungen, wenn er Beatles gehört habe, erzählt der 27-Jährige, und seine Liebe zum E-Bass habe er in dem Moment entdeckt, als seine Schwester ihn darauf aufmerksam gemacht habe, dass er nicht die Melodie, sondern die Basslinie mitsinge. Da war er 12. Für E-Bass selbst bearbeitet hat er das erste Beatles-Stück vor vier Jahren, und diesem ersten sind etliche weitere gefolgt. Seine neueste Errungenschaft sind zwei Beatlesbearbeitungen für Kontrabass, die er in Strittmatt ebenfalls vorstellte.

Wer gedacht hätte, sich Beatles auf einem Solobass anzuhören sei unmöglich oder zumindest gewöhnungsbedürftig, wenn nicht sogar todlangweilig, der sah sich angesichts der beinahe eineinhalb Stunden bester Unterhaltung, die Jonas Hoenig präsentierte, grundlegend getäuscht. Im Gegenteil erlebten die Zuhörer, dass Beatles auf vier Saiten nicht nur eindeutig verifizierbar sind, sondern zudem hinreißend melodisch, extrem spannungsgeladen, aber auch faszinierend kontemplativ sein können.

Jonas Hoenig versteht es ausgezeichnet, die einzelnen Titel sozusagen auf ihren Kern zu reduzieren, deren Essenz hörbar zu machen. So arbeitet er mit Glissandi und Flageoletts, wie beispielsweise in "Here and There and Everywhere", oder baut geschickt perkussive Details und Steigerungskurven ein, etwa in "While My Guitar Gently Weeps", dem Song, von dem er seinen Konzerttitel "While My Bass Guitar Gently Weeps" abgeleitet hat. Einmal streicht er die typische Harmoniefolge in seiner Bearbeitung heraus, wie in dem George Harrison-Titel "Something", bei einem anderen Stück konzentriert er sich mehr auf die Melodielinie, wie beispielsweise bei "Lucy in the Sky with Diamonds", wo er hochvirtuos die höchsten Lagen seines E-Basses für die Melodiegebung nutzt und zugleich selbstverständlich das Bassfundament in seiner Interpretation mit berücksichtigen kann.

Ungemein lyrisch wirken seine Beatles streckenweise, etwa bei einem seiner Lieblingsstücke, "She's Leaving Home", in dem er mit zart gehauchten Flageoletts arbeitet. Jonas Hoenig bringt seinen E-Bass zum Singen und zum Träumen. Eine Spur wuchtiger wirkt zunächst der Kontrabass, irgendwie bodenständiger, handfester, obwohl Hoenig auch auf diesem Instrument Zartheit, ja Zärtlichkeit zu zelebrieren vermag. Beim Titel "You've Got to Hide Your Love Away" forderte er das Publikum zum Mitsingen auf. Begeistert folgten die Anwesenden dieser Aufforderung, während er spielend langsam mit dem Kontrabass in Richtung Ausgang wanderte – ein wunderbar sanfter Abgang, dem natürlich ein riesiger Applaus folgte. Als Zugabe bekamen die Beatles- und jetzt auch Hoenig-Fans nach der obligatorischen Überreichung des Honigs vom Wald durch Pfarrer Stahlberger anstelle von Blumen oder Wein noch einmal eines der Lieblingsstücke von Jonas Hoenig zu hören, "Strawberry Fields Forever".