Görwihl Bauernkapelle galaktisch gut

Die Hotzenwald-Bauernkapelle auf großer Reise: Ihr gut besuchtes Jahreskonzert am Samstag fand zwar auf Mutter Erde in der Hotzenwaldhalle statt, entführte die Zuhörer jedoch in die endlosen Weiten des Weltalls. Dirigent Andreas Dörnte leitete das konzentriert aufspielende Orchester sicher auf der elliptischen Bahn um die Sonne, machte Halt am Saturn und tummelte sich im Musical „Starlight Express“ – ein abwechslungsreicher Konzertabend also, der keine Wünsche offen ließ.Die futuristische Reise nahm ihren Anfang mit „Olympic Spirit“, einer kräftig vorgetragenen Einstimmung auf das, was noch kommen sollte.

Mit dem nächsten Stück bewahrte sich die Kapelle zwar die Bodenhaftung, indem sie Russische Erzählungen intonierte. Allmählich war das Kribbeln aber doch zu spüren. Oder lag es am mit Spannung erwarteten Solo von Marion Lüttin?

Die Klarinettistin behielt die Nerven und meisterte das komplexe „Concertino“ aus der Feder von Carl Maria von Weber mit Bravour. Kein Ton ging daneben, alles passte wie der Handschuh zur Hand. Diesem ersten Höhepunkt des Abends folgte der Ruf nach einer Zugabe – auch die spielte Marion Lüttin ohne Fehl und Tadel.

Dann hieß es: Platz nehmen auf der Abschussrampe, und los ging es in den Kosmos. Die kraftvolle und turbulente Komposition „Saturn“ ging ab wie eine Rakete. Wobei das Mystische und das Unheimliche nicht zu kurz kamen. Die Bauernkapelle lieferte eine akustische Vorstellung des Ringplaneten mit Finesse und Raffinesse. Plötzlich eine Kehrtwende: „The Blues Factory“ brachte die Musiker wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Aber wie: mit einem unwiderstehlich sexy Blues.

In der Pause verriet Andreas Dörnte, dass er die Kapelle bald einen Meter über dem Boden schweben sehen möchte. Rein physisch betrachtet natürlich eine Unmöglichkeit. Immerhin: Der Auftakt zum zweiten Konzertteil mit „Chanson d'Amour“ hatte diese Leichtigkeit, die Flügel verleiht. Die Kapelle verstand es scheinbar mühelos, den Kern der Komposition, ihre Eleganz und Sensibilität, in den Vordergrund zu rücken. Ein Stein, wer sich dabei nicht angenehm umschmeichelt fühlte. Gegen Konzertende wurde es wieder stürmischer. Herb Alperts „Golden Hits“ war ein klarer Fall für die Trompetensektion. Vizedirigent Alexander Mutter gab schließlich einen Vorgeschmack auf die lüpfige Seite der Bauernkapelle, wie sie an den Sommerkonzerten öfter zu hören sein wird.

Zum Gelingen des Abends trug auch Ernst Waßmer bei. Seine Erläuterungen waren sachlich und hatten Witz – so macht Moderation Spaß. Waßmer berichtete, dass die musikalische Reise der Hotzenwaldkapelle nun schon seit über 150 Jahren anhalte. Und er meine, dass die Kapelle mit jedem Jahr heller scheine. Wie ein Stern eben, der Licht ins Dunkle bringt.

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