Rose Vollmer und Gabriele Grund gestalteten in der Kapelle Maria Schmerzen in Hartschwand einen Abend des Görwihler Kultursommers im Zeichen des Weinstocks. Im Wechsel las Rose Vollmer Verse aus dem Hohenlied, die sie zu ihrem Ausstellungsthema „Ich bin der Weinstock“ inspiriert hatten. Gabriele Grund brachte die Musikstücke, die sie auf der Querflöte interpretierte, in den Zusammenhang mit dem Weinstock.

Rose Vollmer las in Hartschwand aus dem Hohenlied.
Rose Vollmer las in Hartschwand aus dem Hohenlied. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner
Rose Vollmer hat großformatige Kunstwerke geschaffen, die fast die gesamte Hartschwander Kapelle einnehmen.
Rose Vollmer hat großformatige Kunstwerke geschaffen, die fast die gesamte Hartschwander Kapelle einnehmen. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Rose Vollmer hatte ihr Thema mehrschichtig bearbeitet. Zum Einen hatte sie lange, in satten Farben leuchtend mit abstrahierten Pflanzengebilden bemalte Papierbahnen so geschnitten und mit Fäden verbunden, dass sie wie pralle, vom Stock herabhängende Weintrauben wirkten. Diese Bahnen dominierten nahezu den gesamten Raum der kleinen Kapelle.

Bilder, die wie Porträts von Weinstöcken erscheinen, hat Rose Vollmer ebenfalls erschaffen.
Bilder, die wie Porträts von Weinstöcken erscheinen, hat Rose Vollmer ebenfalls erschaffen. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Dazu hatte sie vier kleinformatige, quadratische Bilder ausgestellt, deren unterschiedliche Farbgebung beinahe wie Porträts alte, knorrige Weinstöcke in den verschiedenen Jahreszeiten und Naturstimmungen darzustellen scheint. Außerdem hatte sie kleine Bücher ausgelegt, in deren Farbauftrag sie kurze Stellen aus dem Hohenlied in Spiegelschrift eingefügt hatte. Diese Büchlein konnten die Besucher mit nach Hause nehmen.

Gabriele Grund ließ die selten zu hörende Alt-Querflöte erklingen.
Gabriele Grund ließ die selten zu hörende Alt-Querflöte erklingen. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Gabriele Grund hatte eine selten zu hörende Alt-Querflöte mitgebracht, die ihr mit ihrem weichen, dunkel-samtigen Klang ideal zum Thema zu passen schien. Sie interpretierte den zweiten Satz der Solopartita für Flöte von Johann Sebastian Bach, eine langsame Sarabande, deren melodiöse Setzweise, vorgetragen in weit schwingenden Bögen, den ganzen Kirchenraum wohlig einhüllte.

Bach-Werke wie ein wuchernder Weinstock

Wie die Sarabande von Bach-Vater die gedankliche Verbindung zu reifem, lange gelagertem Rotwein möglich machte, weckten die beiden Sätze aus einem Werk von Bach-Sohn Karl Philipp Emanuel die Assoziation eines wilden, sich ausbreitenden und alles überwuchernden Weinstocks. Der erste der von Gabriele Grund mit der gewohnten Querflöte vorgetragenen Sätze breitete dabei den weiten Ambitus des Instrumentes in seiner ganzen Fülle aus, setzte gleich zu Beginn in ausladendem Schwung die Eckpunkte fest und bestätigte diese Spanne im Verlauf des Stücks immer wieder bewusst mit großen Intervallsprüngen.

Jubilierende Sinnesfreude

Der lebhaftere zweite Satz wirkte wie die Auffüllung dieser Spanne durch arabeskenartig verschlungene Linien und Figuren, die Anmut, Grazie, aber auch jubilierende Sinnesfreude zum Ausdruck brachten. Die von Rose Vollmer ausgesuchten Verse des Hohenliedes, die das Gegenüber mit liebendem Blick beschreiben und dabei immer wieder Bilder aus der Natur verwenden, wirkten wie geschaffen, um zu dieser Musik vorgetragen zu werden.

Japanische Komposition

Schließlich stellte Grund ein Requiem des japanischen Komponisten Kazuo Fukushima vor, dessen Klang sie mit dem Winter auf dem Weinberg verglich. Das Werk entwickelt sein Material aus einen lang gehaltenen Ton heraus, zeichnet gewissenhaft jede einzelne Falte, jede Nuance eines Porträts nach, charakterisiert jeden Zug, mal schroff, dann wieder meditativ. Vor dem Apéro der Hartschwander Frauengemeinschaft bot Grund eine Vertonung des Verses „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben“ dar, die sie mit vielen Verzierungen ausschmückte.