Mamma Mia, war das wieder eine Aufregung im Albtal. Am Dienstag machte sich Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, ein Bild von den Ursachen, die zur Sperrung der Straße zwischen Hohenfels und Tiefenstein geführt hatten. Aber er war nicht allein. Eine kleine Gruppe Männer und Frauen aus der Gegend ließ es sich nicht nehmen, ihm auf den Zahn zu fühlen. Das hörte sich dann so an: „Sagen Sie uns, wann die Straße wieder geöffnet wird.“ Das kann ich nicht.“ „Ja aber, das geht doch nicht, Sie müssen uns doch sagen können, wann die Straße wieder geöffnet wird.“ „Nein, das kann ich nicht. Oder soll ich Ihnen irgendeine Zahl nennen?“ „Ja, nennen Sie eine Zahl.“ „Nein.“ „Doch.“ „Na gut“ – Lahl überlegte kurz – „vier Jahre“. Vier Jahre? Das kam natürlich nicht so gut an. „Vier Jahre? Aber hallo, was macht Ihr denn die ganze Zeit?“ So ging das eine Weile hin und her. Währenddessen traf ein Radfahrer ein, zwängte sich durch die Absperrung und begrüßte alle freundlich. Später kam ein anderer Radfahrer dazu, auch er meisterte die Absperrung. Noch etwas später gingen Fußgänger einfach so die Albtalstraße hinauf, Verbotsschild hin oder her. Keiner regte sich auf. Und weil die Gäste aus Ministerium, Bundes- und Landtag zu den abgestürzten Felsen vordringen wollten, mussten auch sie die Sperrung umgehen. Was einen Behördenvertreter zur Überlegung hinriss, dass wegen Missachtung des Verbots für Fahrzeuge und Fußgänger vor Ort verhängte Bussen zur Sanierung der Albtalstraße beitragen könnten. Vielleicht würde es dann flotter vorwärtsgehen. Aber so? Wenn ein Gutachten nach dem anderen und wenn’s dumm läuft Gutachten X über Gutachten Y erstellt werden muss, bevor der erste Bagger losfährt? Vier Jahre also. Ich werde dann 62 sein. Als die Straße gesperrt wurde, war ich erheblich jünger, nämlich 55. Anderen Menschen ergeht es gleich. Auch sie werden älter. Auch sie müssen erfahren, dass das Leben endlich ist. Im Gegensatz zur Albtalsperrung, die ein Mann als „unendliches Theater“ bezeichnete, während ein anderer ein Schild in die Höhe hielt mit der Aufschrift: „Wir wollen die Albtalstraße zurück! Endlich.“ Endlich oder unendlich – es kommt, wie es kommen muss. Ach ja, jemand hat gesagt, dass Dornröschen im Albtal eingezogen sei. Es fühle sich dort sehr wohl und habe schon viele Freunde. Einer davon sei Froschkönig. Schönes Märchen.