Sie ist das Wahrzeichen von Untereggingen, die Kapelle auf dem "Helle", und nicht nur die Unteregginger schätzen den dortigen Kirchgang. Es gibt niemanden mehr, der sagen kann, seit wann in der Kapelle St. Johannes des Täufers erstmals der wöchentliche Schülergottesdienst gegeben hat. Doch jetzt ist Schluss damit: Schülergottesdienste finden künftig in der Kirche St. Gallus in Obereggingen statt. Einige Unteregginger finden das bitter, wo doch in diesem Jahr am Gedenktag des Kirchenheiligen das erste Mal seit Menschengedenken das Patrozinium feierlich gefeiert worden war.

Blumenschmuck von Schwestern

Für viele Generationen von Schülern war es eine Selbstverständlichkeit, dass mindestens ein Mal in der Woche in der Kapelle ein Schülergottesdienst stattfindet. Bis Mitte der 60er Jahre, als die Benediktinerinnen aus dem Kloster Neusatzeck als Kinderschwestern und Krankenschwestern in Eggingen ihren sozialen Dienst leisteten, kümmerten sie sich auch um die Kapelle. Sie sorgten für regelmäßigen Blumenschmuck, übernahmen das Vorbeten beim Rosenkranz, der zu dieser Zeit noch jeden Abend eine Selbstverständlichkeit war und sorgten auch dafür, dass regelmäßig sauber gemacht wurde.

Traditionen in der Kapelle Untereggingen

Tradition war es auch, dass die Erstkommunikanten am Montag nach dem Weißen Sonntag – die Mädchen im weißen Kleid, die Buben im ersten kompletten Anzug – zu einer feierliche Messe in der Kapelle waren. Genau so verhielt es sich bei den Maiandachten und auch den Bittprozessionen. Dies alles war nicht etwa so, weil ab 1958 die Schule gleich oberhalb der Kapelle eingeweiht worden war, sondern auch schon zu der Zeit, als die Schule sich im ehemaligen Rathaus im Dorf unterhalb des Kapellen-Bucks befand. Dies bestätigte der frühere Gemeinderechner Emil Schmutz. Für die Einschulungs-Jahrgänge ab 1958 war die Kapelle auf dem Schulweg ein fester Punkt, und oftmals wurden auf der Kapellentreppe noch Hausaufgaben abgeschrieben. Im Winter war der Kapellen-Buck eine Schlittenbahn.

Gedenkstätte für Gefallene

Was heute viele nicht mehr wissen: Vor dem Kapellenturm war eine Gedenkstätte für die Gefallenen der beiden Weltkriege aus Untereggingen. Jetzt befindet sich diese Gedenkstätte zwischen Unter- und Obereggingen auf dem Friedhof.

Kirchengeschichte auf dem Kapellenbuck

Schon einmal hatte der Kapellenbuck und die Kapelle in Untereggingen Kirchengeschichte geschrieben. Als im Jahr 1858 die Genehmigung kam, dass sich die Unteregginger Kirchengemeinde von Degernau lösen und Obereggingen anschließen durften, das alles nach dem großen Kirchenstreit, donnerten Böllerschüsse vom Kapellenbuck hinab ins Tal, sehr zum Ärger der Degernauer. Wenn vom Turm der Kapelle das Wetterglöcklein mit seinem hellen Ton erklingt, dann wissen die Unteregginger bis heute, dass aus ihrer Mitte jemand verstorben ist.