Wenn Steine sprechen könnten, dann wäre für die Hobby-Heimatforscher sicher einiges leichter zu erfahren. Manch einer wundert sich, dass es in verschiedenen Gemeinden unserer Heimat Gewanne oder Straßen mit Namen wie Burgweg oder bei der Burg oder sogar Burghalde gibt, obwohl doch gar keine Burg zu sehen ist. So auch in Eggingen.

In Untereggingen gibt es die Burghalde und ältere Einwohner wissen noch genau, wo diese liegt. Heute zeugen nur noch Reste der einstmaligen Mauern und viele kreuz und quer übereinanderliegende Quader an einem Hang oberhalb des Dorfes von dieser einstigen Anlage. Wer diese gebaut hat, das ist nicht bekannt.

Sicher ist jedoch, dass die Ansiedlung Untereggingen oder Erchinga beziehungsweise auch Ekkinga genannt schon vor der Römerzeit bestanden haben muss. Funde von Keltengräbern auf Gebieten unterhalb der Burgreste zeugen davon. Ob die Römer einstmals diese Burg erbaut haben, ist ebenso ungewiss wie die Frage nach einem Adligen Geschlecht derer von Untereggingen. Fest steht, dass urkundlich Untereggingen im Jahr 884 erstmals erwähnt wird.

Gallus Ohem, ein Chronist und Conventuel des Klosters Reichenau, berichtet in seiner Chronik von einer Stiftung des Kaisers Karl III an das Kloster Reichenau unter dem Abte Rudo und benennt darin neben den Orten Zurtzach, Kadilburgk auch Erchinga an der Wutta. Eine andere Urkunde aus dem Jahr 888 besagt, dass Graf Adelbert II als Graf des Albgaues Besitzungen in Gurtweil und Erchinga besaß.

Festgehalten sind diese Informationen in den Abhandlungen von Martin Wanner in Luzern als Cartular von Rheinau sowie von Samuel Pletscher aus Schleitheim in der Abhandlung „Die Klettgaugrafen vor dem 12. Jahrhundert“. Ob nun einer dieser genannten der Erbauer der Burg gewesen ist, das konnte bisher nicht ausfindig gemacht werden.

Die Gemeinde Eggingen hat das Jahr 1988 zum Anlass genommen mit einem großen Jubiläumsfest die 1100 Jahrfeier zu begehen. Auch Heinz Voellner hat sich bereits mit der Burg in Eggingen befasst und in seiner Reihe „Die Burgen und Schlösser zwischen Wutachschlucht und Hochrhein“ (erschienen 1975) befasst. Zur Recherche hat sie Kreisarchivar Cornel Hirth zur Verfügung gestellt. Seinen Ausführungen ist zu entnehmen, dass die Burg in Untereggingen aus einer Vor- und einer Hauptburg bestanden hatte, zu der auch ein Turm gehörte. Dieser Turm könnte jedoch auch als Wachtturm gedient haben, denn die vorspringende Fläche der Terrasse bot, ehe der inzwischen gewachsene Wald die Sicht versperrte. Dass die Burg auch einen Zusammenhang mit der Burg Küssaburg haben könnte, wie Voellner das beschreibt, ist durchaus möglich, denn obwohl hochgewachsene Bäume vielfach die Sicht versperren, kann man die Küssaburg deutlich sehen. Auch der Name des Gewannes oberhalb der Burg in Richtung Obereggingen „Wacht“ genannt, könnte eine Hinweis auf eine derartige Anlage sein.

Um die Burg in Eggingen rankt sich auch eine Sage. Einstmals soll ein blinder Klausner auf dieser Burg gehaust haben, der mit eigenen Händen die erste Kapelle auf einem Bergvorsprung unterhalb der Burg als Sühne für seine Missetaten erbaut habe. Wer oder wie die Burg einstmals zerstört wurde, ob sie einem Erdbeben zum Opfer gefallen ist oder einfach aufgegeben wurde, ist nicht bekannt. Viele Steine der Burg wurden von der Bevölkerung abgetragen und als Befestigung von Hängen, auf denen einstmals Weinreben standen, verwendet. Bäume und Gras bedecken heute fast vollständig die Mauerreste der Ruine.