Die markante Erhebung bei Dogern, der Bürgelrain, war auch dem Waldshuter Heimatdichter Paul Körber (1876 bis 1943) im Lied „Haimet am Hochrhy“ eine Strophe wert, die mit dem Vers „… dä Blick macht riich und froh“ endet. Seit vielen Jahrzehnten befindet sich auf dem Bürgelrain ein Kreuz, und bei Bedarf nehmen einzelne Bürger aus Traditionsgründen und aus Volksfrömmigkeit eine Instandsetzung vor. Auch kürzlich, und dieses Mal mit einem hellen Anstrich, sodass es weithin sichtbar ist.

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Mit „birgle Rain“ wird die langgezogene Geländestufe im Dogerner Gemarkungsplan von 1800 bezeichnet, die vom Rheintal aus betrachtet zwar kegelförmig erscheint, nach Norden hin, wo sie in den Wald hinein reicht, sich jedoch als langgestreckter Hang zeigt. Flurnamenforscher bezeichnen einen Rain als schmalen Abhang und ein Birgle oder Bürgle als kleine Burg.

Im Plan von 1800 des Geometers Johann Hünerwadel sind die vielen Rebengrundstücke des Bürgelrains enthalten, hoch oben das Kreuz sowie erstmals erwähnt der Flurname „birgle Rain“.
Im Plan von 1800 des Geometers Johann Hünerwadel sind die vielen Rebengrundstücke des Bürgelrains enthalten, hoch oben das Kreuz sowie erstmals erwähnt der Flurname „birgle Rain“. | Bild: Richard Kaiser

Der langjährige Rektor der Dogerner Grund- und Hauptschule Anton Englert (1908 bis 1980), der die Dorfgeschichte erforschte, war sich ziemlich sicher, dass auf dem Bürgelrain einst eine kleine Burg stand. Er ließ jedoch offen, ob es sich um einen römischen Wachturm oder um eine keltische Befestigung handelte.

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Der in der Nähe liegende vorgeschichtliche Grabhügel schließt seiner Meinung nach Letzteres nicht aus. Das bewog Heinrich Dold, versierter Kenner der Heimatgeschichte, 2010 eine geophysikalische Untersuchung durchführen zu lassen, die bis in eine Tiefe von drei Metern harte Gesteinsanhäufungen mit sich brachte. Zwar nicht im vorderen, sondern im hinteren, bewaldeten Bereich. Um endgültig Klarheit zu gewinnen, wäre aber eine weitere zeitaufwendige Untersuchung erforderlich, die bislang an den sich ergebenden Kosten scheiterte.

Seit langer Zeit steht auf dem 412 Meter hohen Bürgelrain ein Kreuz. Sein Standort ist bereits in der ältesten Dogerner Gemarkungskarte von 1777 vermerkt. Es muss damals, und vermutlich noch früher, eine große Bedeutung gehabt haben, denn es war das einzige Kreuz, das in dieser Karte enthalten ist. Leider gibt es im Pfarrarchiv Dogern keine diesbezüglichen Aufzeichnungen aus jener Zeit.

Wie aus dem Gemarkungsplan von 1777 des Geometers Fridolin Leimgruber ersichtlich, stand schon zu jener Zeit ein Kreuz auf dem Bürgelrain.
Wie aus dem Gemarkungsplan von 1777 des Geometers Fridolin Leimgruber ersichtlich, stand schon zu jener Zeit ein Kreuz auf dem Bürgelrain. | Bild: Richard Kaiser

Der fest in der Heimat verwurzelte Josef Amann wusste aber zu berichten, dass das jetzige Kreuz 1972 in der Werkstatt seines Vaters, des Schreinermeisters Heinrich Amann, angefertigt wurde. Er hatte den Auftrag von dessen Bruder Johann Amann (1900 bis 1991), der den Weihermatthof am westlichen Fuß des Bürgelrains bewirtschaftete. Dieser wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet. Schon der Vater von Johann Amann, der aus Gaiß stammende Joseph Amann (1866 bis 1941), der Theresia Bächle (1863 bis 1943) vom Weihermatthof heiratete, pflegte das Kreuz immer wieder oder erneuerte es, wie zuvor sein Schwiegervater.

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Der Kreuzerhaltungs-Tradition der Bewohner des ursprünglichen Bächle-Anwesens kam jetzt der Urenkel des Hofgründers, Schreinermeister Josef Amann nach, der die Werkstatt seines Vaters Heinrich übernahm. Er setzte das 1972 geschaffene und inzwischen marode Kreuz wieder instand, versah es mit einem hellen Anstrich und restaurierte den Korpus, der schon am Vorgängerkreuz angebracht war. Dieser wurde von der Eisengießerei Emil Nägele hergestellt, die in Albbruck ab 1870 Abgüsse für Industrie und Landwirtschaft und ebenso für Flur- und Grabkreuze fertigte.

Josef Amann hatte bereits vor drei Jahren dem Dogerner Rüttebuck-Kreuz zu neuem Glanz verholfen. Unterstützung erhielt er dabei von Alfons Tröndle und Roland Fäßle, die auch bei der jetzigen Bürgelrain-Aktion tatkräftig mitwirkten.