65 Jahre alt wird im Januar die Dogerner Wiischmöckcherzunft. Gefeiert wird mit einem großen Narrentreffen über das Wochenende 4. und 5. Februar. Mehr als 60 Gastzünfte mit rund 2500 Masken- und Hästrägern haben ihr Kommen bereits zugesagt.

Bis zu Beginn der 1950er Jahre erlebten die Dogerner eher ruhige Fasnachtstage. Lediglich Adolf Bachmann, Hubert Agster, Clemens Müller und Josef Montag unternahmen immer wieder den Versuch, etwas Stimmung und Humor in das Dorf hineinzutragen. Die Resonanz seitens der Bevölkerung allerdings war recht gering. Dies änderte sich im Jahr 1952. Die Genannten wollten das fasnächtliche Geschehen auf eine breitere Basis stellen und luden deshalb sämtliche Vereinsvorstände auf den 6. Januar zu einer Versammlung ins Gasthaus "zum Bahnhof“ ein. Bald bestand Einigkeit darüber, eine Narrenzunft zu gründen.

Erster Präsident, auch Narrenvater genannt, wurde Josef Montag, dem man, wie es im damals verfassten Protokoll heißt, den für dieses Amt notwendigen „Narrengeist“ und darüber hinaus auch „Theaterblut“ zuschrieb. Schriftführer wurde Karl Wehrle und als Beisitzer fungierten Clemens Müller sowie Adolf Bachmann.

Erster Präsident, auch "Narrenvater" genannt, war Josef Montag.
Erster Präsident, auch "Narrenvater" genannt, war Josef Montag. | Bild: Repro: Alfred Lins

Zwei Wochen später folgte die Wahl eines Elferrats, dem Josef Montag (Narrenvater), Adolf Bachmann (Kraftfahrer), Clemens Müller (Metzgermeister), Karl Wehrle (Gemeinderechner), Friedrich Kuner (Oberlehrer und Schulleiter), Willi Haferkorn (Schreinermeister), Leo Tröndle (Landwirt und Musikvereinsdirigent), Fridolin Mutter (Elektromeister), Josef Winkler (Kaufmann und Vorsitzender des Sportvereins), Albert Brödlin (Sägewerksbesitzer) und Karl Agster (Bürgermeister) angehörten. Aus heutiger Sicht interessant liest sich im Protokoll die Bedingung des Bürgermeisters für seinen Beitritt zum Elferrat: Er wolle nur mitmachen, „wenn die Veranstaltungen den sittlichen Grundsätzen nicht widersprechen“.

Als zunächst schwierig erwies sich die Suche nach dem Zunftnamen. Viele Vorschläge wurden diskutiert und wieder verworfen. Schließlich beauftragten die Zunftmitglieder den in der Ortsgeschichte kundigen Lehrer Anton Englert, in den Überlieferungen des Gasthauses zum Hirschen Nachforschungen anzustellen. Englert stieß auf den Küfermeister Fridolin Bürgin, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebte und im Dorf „Fass-Fridli“ genannt wurde. Einen hohen Bekanntheitsgrad erlangte dieser durch sein außergewöhnliches Riechvermögen. Es genügte, dass er seine Nase über einem Glas kreisen ließ oder diese in das Spundloch eines Fasses steckte, und schon konnte er den Namen des Weines und sogar dessen Jahrgang benennen. In Erinnerung an dieses Original erhielt die Zunft den Namen „Wiischmöckcher“.

So etwa mag der Fass-Fridli ausgesehen haben. Das Bild hängt im Historischen Museum in Bern. <sup></sup><em>Repro: Alfred Lins</em>
So etwa mag der Fass-Fridli ausgesehen haben. Das Bild hängt im Historischen Museum in Bern. Repro: Alfred Lins

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €