Wanderer und Radfahrer, die zwischen April und Oktober an Wochenenden die Dogerner Kanalbrücke überqueren, werden nicht selten Zeugen eines spektakulären Geschehens. Direkt neben der Auffahrt zur Brücke liegt der Aubeckenring. Ferngesteuerte Modellrennautos der Modelle 1:8 und 1:10 drehen hier ihre Runden und erreichen auf der Geraden nicht selten eine Spitzengeschwindigkeit von 120¦Stundenkilometern. Spannende Überholversuche, aber gelegentlich auch Karambolagen mit der Bande oder der zwei PS starken Flitzer untereinander, schaffen eine spezielle Rennatmosphäre, die immer wieder zahlreiche Zaungäste in ihren Bann zieht.

Die asphaltierte Rennstrecke hat eine Länger von 217¦Metern und ist zwischen 2,5¦und drei¦Metern breit. Den Rundenrekord hält Dirk Stammler mit 13,39¦Sekunden. Im Einsatz sind mehr und mehr Elektrofahrzeuge. „Fahrzeuge mit durch ein Methanol-Öl-Gemisch angetriebenen Verbrennungsmotoren sind auf dem Rückzug“, so der Vorsitzende Herbert Gisy, „der Geräuschpegel erfährt so eine deutliche Reduzierung“. Den Piloten, die von einem Fahrerpodest aus ihre Auto lenken, ist ein großes technisches Geschick zueigen, bauen sie ihre Fahrzeuge aus Bausätzen doch selbst zusammen. Selbst bis unmittelbar vor dem Rennen wird im Fahrerlager geschraubt und experimentiert und so für die notwendige Feinabstimmung gesorgt. Feste Termine im Jahresablauf sind sechs Rennen um die Clubmeisterschaft und gelegentlich ein Lauf um den Schweizer Cup (80¦Prozent der Mitglieder sind Schweizer Staatsbürger).

Derzeitige Titelträger sind Nicola Prisciantelli, Stefan Weik und Werner Bobst. Nicht geeignet für die Anlage sind 1:5-Modelle und Off-Road-Fahrzeuge. „Bei den erreichten Geschwindigkeiten ist dies für die Zuschauer zu gefährlich“, so der Vorsitzende. Die Anlage ist nicht frei zugänglich. „Aus Versicherungsgründen ist das Betreten nur den Vereinsmitgliedern und Inhabern einer Tageskarte erlaubt“, klärt Gisy auf.

Initiator zur Gründung des Vereins war der Dogerner Otto Fetsch. Als Modellrennsportfan scharte er zu Beginn der Achtzigerjahre Gleichgesinnte um sich, um dem gemeinsamen Hobby eine feste Grundlage zu geben. Es kam zur Gründung einer Interessengemeinschaft, deren erste Mitglieder neben Otto Fetsch Anton Erne, Peter Etspüler, Peter Morath, Hansjörg Knapp und Svetislav Kirchenmayer waren. Ihre erste Sorge galt der Suche nach einem geeigneten Gelände, nachdem die ersten Rennversuche auf verschiedenen größeren Parkplätzen in der Umgebung stattgefunden hatten. Als geeignet bot sich ein geteerter Platz beim Aubecken an. Er gehörte dem Rheinkraftwerk Albbruck-Dogern (Radag) und war von diesem im Zuge des Aubeckenbaus zum Abstellen von Baufahrzeugen und Baumaschinen und zur Lagerung von Baumaterialien angelegt worden. Eine Anfrage beschied die Radag mit ihrem damaligen Betriebsleiter Lothar Kranich positiv, und für die notwendige Nutzungsänderung sorgte der Dogerner Gemeinderat per einstimmigem Beschluss. Vor allem Bürgermeister Karl-Heinz Wehre war es, der den Modellrennsportlern sehr viel Sympathie entgegenbrachte und alle behördlichen Angelegenheiten energisch vorantrieb.

Die offizielle Vereinsgründung mit Satzungsbeschluss fand im Dezember 1982 im Café Tröndle in Dogern statt. Der erste Vorstand bestand aus Otto Fetsch (Vorsitzender), Hansjörg Knapp (stellvertretender Vorsitzender), Edda Fett (Rechnerin) und Andrea Ebner (Schriftführerin). Otto Fetsch behielt sein Amt 18¦Jahre lang und wurde für seine Verdienste später zum Ehrenmitglied ernannt. Seine Nachfolger waren Hans-Peter Gäng und der jetzige Amtsinhaber Herbert Gisy.

Seine vordringlichste Aufgabe sah der junge Verein in der Ausgestaltung des Platzes zu einer modernen Rennanlage, was mit nicht geringen finanziellen Anstrengungen verbunden war. Allein für die neue Asphaltierung lautete der Kostenvoranschlag auf 15¦634¦Mark. Hinzu kamen die Kosten für die Errichtung eines Fahrerpodests und für die Umzäunung. Die Verbundenheit zum Verein spiegelte sich in der Tatsache wider, dass sich die Mitglieder spontan als Bürgen für eine zu tätigende Kreditaufnahme zur Verfügung stellten.

Als Meilenstein ging der 25.¦Mai 1986 in die Vereinsgeschichte ein. An diesem Tag wurde die neue Anlage im Beisein von Bürgermeister Karl-Heinz Wehrle, des Gemeinderates und Radag-Betriebsleiter Lothar Kranich seiner Bestimmung übergeben. „Wir sind stolz auf die neue Einrichtung“, führte Wehrle damals aus, „haben wir doch in Dogern nun ein weiteres Freizeitangebot“. Mit Aubeckenring gab es auch einen neuen Namen. Weitere Investitionen tätigte der Verein in den 70er und 80er Jahren mit der Anschaffung einer Zeitmessanlage und mit der Errichtung eines hölzernen Clubheims, das neben anderem an Renntagen auch die Bewirtung von Zuschauern erlaubt.

Die Mitgliederzahl stieg in der Folgezeit ständig an. Der Grund bestand nicht nur im sportlichen Reiz, auch das engagierte Mittragen des Dorflebens trug hierzu bei. Mit pfiffigen Ideen nahm der Verein regelmäßig an den Dorffesten teil, und immer wieder veranstaltete er in der Gemeindehalle Modelbau-Ausstellungen. Gerne gesehene Arbeitskräfte stellten die MRGler bei diversen Arbeitseinsätzen im Dorf, so etwa bei der Gestaltung des Spielplatzes in der Rötestraße, und sportlich betätigten sie sich bei den Grümpelturnieren des Sportvereins.

Auch sportlich ging es stetig aufwärts. Über die Clubmeisterschaften hinaus war der Aubeckenring während vieler Jahre Austragungsstätte für Rennen zur süddeutschen Meisterschaft. Den jährlichen Höhepunkt bildete der „Große Preis von Dogern“ mit Teilnehmern aus dem ganzen süddeutschen Raum und aus der Schweiz. Als eine Aufgabe für die nahe Zukunft bezeichnet Vorsitzender Gisy das Aufbringen eines neuen, reifenschonenden Asphaltbelags mit Kosten von rund 36¦000¦Euro.

Modellrenngemeinschaft

Die Modellrenngemeinschaft (MRG) Dogern wurde 1983 gegründet, ein Jahr später in das Vereinsregister aufgenommen und zählt derzeit 85¦Mitglieder. Vorsitzender ist Herbert Gisy. Kontakt: Telefonnummer 07746/92¦81¦31, E-Mail (vorstand@mrg-dogern.com).