Zum Patrozinoium am Martinitag gestalteten die Chorgemeinschaft Kirchenchor und Gemischter Chor Melodia unter der Leitung von Markus Herzog – an der Orgel begleitet von Markus Glattfelder – den Festgottesdienst. Pfarrer Dressel ging in der Predigt auf den Wandel des Heiligen vom Soldaten zum Glaubensmann und Bischof ein. Beim Pfarrfest im Pfarrsaal wurden auf einer Info-Wand Ansichten der Fundstücke aus der Kartusche präsentiert, welche in der Turmkugel bei der Renovierung gefunden wurden.

Hochbetrieb herrschte beim Patroziniumsfest im Pfarrsaal Dettighofen.
Hochbetrieb herrschte beim Patroziniumsfest im Pfarrsaal Dettighofen. | Bild: Mario Moser

Die Tische und Fenstersimse im Saal waren mit Altbalken-Stücken aus dem renovierten Kirchendach geschmückt. Die Kartusche, ein verlötetes Metallrohr, ist 1929 gefüllt worden. Damals beschrieb Pfarrer Willmann die Bauarbeiten mit den ausführenden Personen und deren Stundenlohn. Auch wurde erwähnt, dass das Zeppelin-Luftschiff zum ersten Mal in 21 Tagen von August bis September 1929 um die Erde kreiste.

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Bei der zweiten Erneuerung des Turmes 1965 verwies der damalige Pfarrer Fauser auf weitere dringende Bauarbeiten. Damals wollte man neuzeitliche Farb-Fotos und Schriftstücke hineinlegen, die aber bis zur Errichtung des Turmes leider nicht fertig geworden sind, deshalb wurde eine weitere Kapsel im Hochaltar deponiert.

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Fauser schrieb: „Wer weiss, wann es wieder einmal nötig wird, solche Arbeiten vorzunehmen?“ An das Ereignis von 1965 erinnern sich die älteren Einwohner noch lebhaft, da sie schulfrei hatten. Denn es passiert ja nicht alle Tage, dass ein Kranwagen extra aus Zürich in so ein beschauliches Dorf fährt um die Turmzwiebel auf den Dachreiter aufzusetzen. Aktuell werden der Kartusche Zeitungsberichte und Fotos aus dem Jahr 2019 beigefügt. Geldscheine werden keine hineingelegt, denn es wird jeder Euro selber gebraucht.

Das Kirchendach-Gebälk ist derart vom Holzwurm zerfressen, dass es nicht mehr lange gehalten hätte. Die Schäden entpuppten sich bei den Bauarbeiten viel schlimmer, als in einem Gutachten eingeschätzt worden war. So wurde eine Nachfinanzierung in Form eines Darlehens über 176.300 Euro fällig. Die gesamte Bausumme beläuft sich auf 620.500 Euro, welche unter anderem die Sockel- und Mauerwerksanierung, gesamte Dachsanierung mit Dachreiter und Glockenstuhl sowie einen Neuanstrich umfassen.

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Um die Finanzierung zu unterstützen, haben Lioba Bernhard, Bernhard Weber und Mario Moser eine Bausteinaktion ins Leben gerufen. Der Ziegelbaustein – in der Farbe Rot und mit schwarzen Buchstaben unterlegt – ist mit „1729 St. Martin Baltersweil“ beschriftet. Verkauft wird er für 20 Euro.

Diese Bausteine werden zur Finanzierung der Kirchenrenovation zum Stückpreis von 20 Euro verkauft.
Diese Bausteine werden zur Finanzierung der Kirchenrenovation zum Stückpreis von 20 Euro verkauft. | Bild: Mario Moser

Momentan die Kirche noch eine mächtige Baustelle. „Wir hoffen, dass spätestens zu Ostern 2020 alles fertig ist und endlich die Glocken wieder in Baltersweil erklingen“, so Lioba Bernhard.

Kleine Schätze in der Turmspitze

Die Kartusche von 1929 enthält folgende Utensilien:

  • Münzen, die bedeutendste ist eine Gedenkmünze zum Regierungsantritt von Kaiser Wilhelm II. von 1888, die älteste ist eine 2 Pfennig-Münze von 1876, daneben hat es noch Helvetische Rappen und Österreichische Groschen.
  • Inflations-Banknoten von der Deutschen Reichsbank von 1 Mark aus dem Jahr 1910 bis 20 Milliarden Mark im Jahr 1929 von der Stadt Stühlingen.
  • Rentenmark, Darlehenskassenschein von der Reichskassenverwaltung von 1917.
  • Briefmarken mit dem Konterfei von Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, Helvetische und Österreichische Marken.
  • Eine Ausgabe des „Tagblatt vom Oberrhein – Neue Waldshuter/St. Blasier Zeitung, 26. Jahrgang, Nr. 227 vom Dienstag, 1. Oktober 1929.
  • Foto von den Ministranten von Fronleichnam 1929 und vom Turmbau 1929.
  • Schriftstücke datiert Anno Domini 7. Oktober 1929 vom damaligen Pfarrer Willmann aus Grießen auf Pergament handschriftlich in Sütterlinschrift verfasst.