Im Feuerwehrbedarfsplan wird die Leistungsfähigkeit der Feuerwehren definiert und für den Ernstfall ein Zeitfenster vorgegeben; diese Hilfsfrist liegt zwischen 9,5 und 14,5 Minuten. Um dies jederzeit einhalten zu können, benötigt die Feuerwehr gute Ausrüstung und eine ausgebildete Mannschaft. „In Dettighofen fehlen derzeit mindestens 20 Feuerwehrleute, egal ob männlich oder weiblich“, erklärte der stellvertretende Kommandant Felix Waßmer, der Kommandant Peter Koch vertrat, der wegen Urlaubsabwesenheit an der Sitzung verhindert war. „Was nützt uns die Ausrüstung, wenn keiner da ist, der sie trägt oder die Fahrerlaubnis hat?“, so Waßmer weiter.

Problem schon länger bekannt

Es wurde nach Möglichkeiten gesucht, Nachwuchskräfte zu rekrutieren. Aber selbst die direkte Kontaktaufnahme durch Hausbesuche bei Bürgern mit potentiellen Fähigkeiten brachte keinen Erfolg. „Dass die Feuerwehr dringend gebraucht wird, konnte jeder nachvollziehen, erst recht nach dem jüngsten Großbrand in der Gemeinde“, betonte Waßmer. „Aber selbst Verantwortung übernehmen und mitmachen will keiner.“

Suche nach Lösungen im Gemeinderat

Jetzt wurde das Thema im Gemeinderat diskutiert. „Wir müssen uns etwas überlegen, sonst haben wir ein großes Problem“, betonte Bürgermeisterin Marion Frei und verwies darauf, diese Thematik auch mit weiteren Bürgermeisterkollegen und Kolleginnen zu erörtern sowie auf Kreisebene zur Sprache zu bringen. Frei setzt zunächst weiterhin darauf, die eigene Bevölkerung für die Problematik zu sensibilisieren und legte den Fokus auf die Tagesbereitschaft: „Hier liegt der Hase im Pfeffer, denn viele Feuerwehrkameraden wohnen zwar in Dettighofen, sind aber beruflich bedingt tagsüber nicht zu erreichen.“ Wenn tagsüber ein Notfall ist, sind kaum Einsatzkräfte in der Gemeinde verfügbar. „Wir sollten dann halt mit den zwei, drei Mann losfahren, die da sind“, argumentierte Karl Probst, denn nach rund fünf weiteren Minuten käme ja die Verstärkung aus Klettgau oder Jestetten.

Forderung nach kompletter Neuordnung

„Die Vorschriften und Anforderungen auch hinsichtlich der Ausbildung an die freiwillige Feuerwehr sind einfach viel zu hoch, wer will schon freiwillig 120 Einsatzstunden unbezahlt leisten?“, sagte Konrad Leber und forderte eine komplette Neuordnung der Feuerwehr. „Die übergeordneten Stellen, wie Landratsamt und Landesregierung wissen doch, dass die Feuerwehr auf Freiwilligkeits-Basis auf Dauer nicht mehr fnktioniert“, betonte Leber.

Finanzielle Wertschätzung dringend nötig

Auch der stellvertretende Kommandant Felix Waßmer merkte an, dass eine gewisse finanzielle Wertschätzung gegeben sein sollte, um die Leistungen der Feuerwehrleute zu würdigen. „Wir müssen unser Kirchturmdenken komplett ablegen und über die Gemeindegrenzen hinaus miteinander kooperieren“, sagte Bürgermeisterin Frei. Leber stellte die Überlegung in den Raum, dass berufstätige Feuerwehrleute dort ihren (Tages-)Einsatz leisten können, wo sie beschäftigt sind. Ob diese Lösung Dettighofen jedoch helfen könnte, ist fraglich: die größten Arbeitgeber in der Gemeinde sind das Hofgut Albführen und Bio-Hauser.

Zunächst will die Feuerwehr nun mit einer „Eimer-Kampagne“ die prekäre Situation verdeutlichen. „Es ist eine Einstellungs- und Kopfsache, das Bewusstsein für und das Einbringen in die örtliche Gemeinschaft zu fördern“, so die Bürgermeisterin.