Herr Schmieder, was fordert das Volksbegehren?

Die Hauptforderungen sind 50 Prozent Ökolandbau bis 2035 und die Halbierung der Pestizide bis 2025. Zudem sollen Pestizide in Naturschutzgebieten ganz verboten und alle Staatsflächen ökologisch bewirtschaftet werden.

Wie ist der aktuelle Stand?

Innerhalb zweier Wochen kamen 18 000 Unterschriften für den Zulassungsantrag zusammen, obwohl es nur 10 000 Unterschriften braucht, damit der Antrag verfassungskonform ist. Das Innenministerium wird nun den Zeitraum für das Volksbegehren festlegen. Damit es dann wirklich in Kraft tritt, müssen in Baden-Württemberg zehn Prozent der Wahlberechtigten unterschreiben, was 770 000 Unterschriften entspricht.

Warum wird bei diesem Volksbegehren die Biene in den Vordergrund gestellt?

Es geht es nicht um die Bienen, sondern um die Artenvielfalt. Von den 50 000 Tier- und Pflanzenarten in Baden-Württemberg sind 40 Prozent bedroht. Die Biene steht stellvertretend im Vordergrund, da über die Hälfte der rund 500 Wildbienenarten bedroht sind. Jedes Tier hat wie jede Pflanze seine Berechtigung und seine Aufgabe. Umso weniger Arten es gibt, umso anfälliger ist unsere Welt für Seuchen, Dürren und Ernährungsengpässe.

Welches sind die Gründe für das Artensterben?

Die Veränderungen und Monokulturen in der Landwirtschaft sind sicherlich ein Grund dafür. Früher wurden die Wiesen beispielsweise zweimal im Jahr gemäht und die Pflanzen konnten sich versämen. Das ist heute nicht mehr so. In der intensiv bewirtschafteten Landwirtschaft haben Insektizide und Fungizide die schädlichsten Auswirkungen auf die Biodiversität.

Sind diejenigen, die das Volksbegehren fordern auch bereit, mehr Geld für biologisch produzierte Nahrungsmittel zu bezahlen?

Ich denke schon. Bioprodukte sind eine Wertschätzung gegenüber der Arbeit unserer Bauern. Wir wollen die Bauern in den Prozess mit einbeziehen und auch bei ihnen ein Umdenken bewirken. Ich bin aber kein Missionar und habe auch keine Keule.

In welcher Form unterstützen Sie das Volksbegehren?

Für den Zulassungsantrag habe ich Informationsbroschüren und Unterschriftensammellisten verteilt. Zudem habe ich auf dem Eichberg eine Infotafel aufgestellt. Die Hauptarbeit kommt aber noch. Wer die Aktion unterstützen möchte, kann sich gerne an mich wenden.

Was ist Ihre Motivation für diesen Einsatz?

Ich mache es aus Dankbarkeit und Demut. Weil ich auf dem Land aufgewachsen bin und es mir immer gut gegangen ist. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir das Paradies immer noch haben und erhalten können. Wenn ich mich dafür einsetze, mache ich es auch für mich.